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Städter

Peter Städter ist Herrscher über ein Imperium rund ums Backen. Und ein sehr einfallsreicher Unternehmer.





• Heute geht’s in der Firma Städter in Allendorf an der Lumbda, einem Ort, der so ziemlich in der Mitte von Hessen liegt, um das Thema „Tüllen und Co“. Der Chef Peter Städter, 52, öffnet die Tür zum Schulungsraum, wo eine seiner Konditorinnen einer Gruppe Frauen zeigt, wie sich mit dem richtigen Equipment Torten verzieren und etwa aus Buttercreme und Lebensmittelfarbe Rosenblüten zaubern lassen – viel zu schade zum Vernaschen. Mit solchen Kursen fürs allgemeine Publikum und für Fachhändler macht das Unternehmen seit je Werbung für seine Produkte und ist nebenbei nah am Puls von Backfans. Für sie wird ständig Neues entwickelt: Der telefonbuchdicke Städter-Hauptkatalog enthält rund 3000 Artikel. Darunter sind Back- und Ausstechformen mit allen nur denkbaren Motiven – aktueller Bestseller ist das Einhorn –, Zutaten zur Pralinenproduktion und auch ein Airbrush-Kompressor, mit dem sich Kuchen stylen lassen wie früher nur Sportwagen.

Für all das ist Peter Städter verantwortlich, der eigentlich von Beruf Elektroingenieur ist, sich Anfang der Neunzigerjahre aber von den Eltern überreden ließ, ins Familienunternehmen einzutreten. Ursula und Walter Städter führten damals ein Haushaltswarengeschäft und boten ihre Produkte zudem auf Verbrauchermessen feil, wo besonders Neuheiten gefragt waren. Das brachte die Mutter auf die Idee, die damals üblichen Ausstechformen für Plätzchen (Herz, Stern, Tanne) um neue Motive wie Teddybären, Engel oder Blumen zu bereichern, die nach ihren Entwürfen von einem metallverarbeitenden Betrieb hergestellt wurden.

Dieses Geschäft lief so gut an, dass die Städters sich schließlich darauf konzentrierten. Der Einzelhändler wurde zum Produzenten. Die Firma lässt heute eigene Werkzeuge für ihre Produkte entwickeln, die fast alle in Deutschland gefertigt werden, verfügt über eine Grafik-Abteilung mit Fotostudio und gestaltet auch die Verpackungen selbst. Die Artikel werden in mehr als 40 Ländern verkauft, Hauptabnehmer sind Fachhändler, denn, so Peter Städter: „Unsere Produkte sind erklärungsbedürftig.“

Gern gesehene Kunden sind zudem Unternehmen, die zu Werbezwecken Plätzchenformen in Gestalt ihres Firmenlogos in Allendorf ordern. Und auch beim Städtemarketing sind die Hessen aktiv: Mithilfe der entsprechenden Förmchen kann man sich zum Beispiel den Mainzer Dom, das Brandenburger Tor oder die Hamburger Elbphilharmonie backen.

Städter zeigt exemplarisch, wie sich eine Nische opulent füllen und ein sehr traditionelles Hobby individualisieren lässt. Der Unternehmer mit dem Gespür für Trends hat in all der Zeit allerdings eines nicht gelernt: selbst zu backen. „Aber umso lieber probiere ich das, was bei uns täglich produziert wird.“ ---

Ursula und Walter Städter übernehmen 1973 das Geschäft ihrer Eltern, die als Markthändler für Haushaltswaren unterwegs sind. Das Unternehmen floriert, sodass bald ein Verkaufswagen angeschafft und später ein Laden im hessischen Grünberg eröffnet werden kann. Dort entdecken Handelsvertreter Ursula Städters selbst entworfene Ausstanzformen, die auf diesem Weg immer größeren Absatz finden. 1983 gründen die Städters ihre Backschule, 1992 tritt Peter Städter in die Firma ein, kümmert sich um Technik, Logistik und Vertrieb. 1998 fertigt Städter den ersten Plätzchen-Ausstecher aus Edelstahl – das Material ist hygienischer und robuster als das bis dahin übliche Weißblech. 2003 wird Peter Städter alleiniger Geschäftsführer, im Jahr 2008 zieht die Firma nach Allendorf in einen modernen Betrieb um. Der persönliche Ehrgeiz des Unternehmers ist es, jedes Jahr aufs Neue ein besonderes Förmchen-Motiv zu etablieren. 2018 sei das wieder mal gelungen: „Das war ganz klar das Jahr des Lamas.“

Städter GmbH

Mitarbeiter: etwa 65; Umsatz 2017: 12 Millionen Euro; Gewinn: k. A.