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Russland

Die Russen mögen unfreundlich sein, distanziert sind sie nicht.





• Jeden Abend das gleiche, vergebliche Ritual. Nach dem Zähneputzen lese ich unserer vierjährigen Tochter etwas vor, dann der achtjährigen. Hinterher wird gebetet, Licht aus. Geistig-moralisch sollten beide nun bereit sein zum Einschlafen. Doch stattdessen kichert es auf Russisch aus dem Kinderzimmer: Meine russische Frau kuschelt erst das eine Kind in den Schlaf, dann das andere. Oft kuscheln und kichern auch alle drei gemeinsam. Und meine Einwände, Kinder müssten doch lernen, beim Einschlafen auch ohne Mamas warme, weiche Haut auszukommen, bleiben ungehört.

Nicht nur die Schlafgewohnheiten der Russen widersprechen dem westlichen Konzept von menschlichem Miteinander, das auch zwischen Kindern und Eltern einen gewissen Abstand vorsieht.

Russlands Einwohner verlieren sich laut Statistik auf acht Seelen pro Quadratkilometer, von ihnen gibt es mehr als 17 Millionen, eine Unendlichkeit, die laut Rainer Maria Rilke schon an Gott grenzt. Umso mannigfaltiger zelebrieren die Russen Nähe, umso mehr brauchen und ertragen sie.

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