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Luxus für Haustiere

Vielen sind ihre Hunde und Katzen die Liebsten – und lassen sich diese Zuneigung etwas kosten. Einblick in ein krisenfestes Business.




• In deutschen Haushalten leben Schätzungen zufolge knapp 14 Millionen Katzen, mehr als 9 Millionen Hunde und 6 Millionen Kleintiere. Hinzu kommen Ziervögel und all das, was in Aquarien schwimmt und in Terrarien kriecht. Verglichen mit den europäischen Nachbarn, liegen die Deutschen mit ihrer Tierliebe auf Platz zwei hinter den Russen.

Mit der Geburt eines Tieres beginnt das Geldverdienen – und hört längst nicht mit dem Tod auf. Mehr als 9 Milliarden Euro werden pro Jahr in Deutschland für Haustiere ausgegeben. Fertignahrung stellt den größten Kostenpunkt dar, gefolgt von der tierärztlichen Versorgung, Zubehör und Dienstleistungen. Was nun genau hinter den Begriffen Zubehör und Dienstleistungen steckt, ist eine Geschichte für sich.

Chalets für Vierbeinere

Eine große Lounge zum Kuscheln, Schwimmteich mit Terrasse und Sonnenliegen bietet das Fünf-Sterne-Hundehotel Platzhirsch in Essen an, das seit 2013 „Hundeurlaub à la Rosamunde Pilcher“ verspricht. Dort herrscht kein „Massentourismus“, wie es auf der Website heißt. Maximal 10 Hunde werden gleichzeitig aufgenommen. 60 Euro pro Tag zahlen Halter, die ihren Hunden große, weiche Betten, Fernseher und Warmwasserduschen für gepflegte Pfoten gönnen möchten. Ob das Programm ihren Hunden gut genug ist, können die Besitzer per Webcam verfolgen.

Im Animal Resort Wesel bekommt jeder Hund gleich sein eigenes Chalet mit Privat-Garten. Jedes Holzhäuschen hat eine eigene Küchenzeile und Fenster bis auf den Boden, „damit auch der Kleinste nach draußen blicken kann“. Sollte der Hund Eingewöhnungsprobleme haben, lassen sich Geräusche aus dem eigenen Zuhause über eine Anlage abspielen.

In den Chalets für Katzen stehen Riesenkratzbäume, die bis zur Decke reichen. Schafft es die Katze, den Eichenbaum hochzuklettern, gelangt sie zum Panoramafenster und hat zur Belohnung Ausblick über das gesamte Areal. Angenehm für sensible Pfoten: Die Chalets verfügen über Fußbodenheizung. Eine Nacht pro Katze kostet 21, die Betreuung tagsüber zusätzlich 18 Euro. Für den Hund werden pro Nacht 36 Euro fällig, in der Tagesstätte 22 Euro.

Einen besonderen Service bietet das Canis Resort in Freising an, etwa 40 Kilometer von der Münchener Innenstadt entfernt: Gegen einen Aufpreis (1,50 Euro pro Kilometer) holt ein eigenes Taxi den Hund im Hotel oder am Flughafen ab und bringt ihn dort auch wieder hin.

Therapie gibt’s auch

Glücksdrogen für depressive Hunde, Psychopharmaka für gestresste Katzen – die Pharma-Industrie hat mit Haustieren eine neue Patientengruppe entdeckt. Hunde mit Trennungsängsten etwa können angeblich nicht allein in der Wohnung bleiben. Sobald sich der Besitzer zur Haustür bewegt, geraten die Tiere in Panik und verwüsten die Wohnung. Der Pharmakonzern Pegasus Laboratories hat deshalb eine Pille auf den amerikanischen Markt gebracht, die denselben Wirkstoff enthält wie das menschliche Antidepressivum Prozac, Fluoxentin. Die Kautablette Reconcile schmeckt nach Rindfleisch.

Für übergewichtige Hunde gibt es in Deutschland das Mittel Slentrol. Der Abspecksaft reduziert die Fettaufnahme aus der Nahrung. Außerdem hemmt das Mittel den Appetit – wer den Fressnapf nur noch halb füllt, darf also hoffen, dass er nicht allzu vorwurfsvoll angeschaut wird.

Ist die Katze ängstlich oder aggressiv, bieten Tierpsychologen ihre Hilfe an. Konkret lauten die Probleme, die behandelt werden sollen: Angst vor Menschen oder anderen Katzen, Kratzen an der Schlafzimmertür, Möbeln oder Teppichen, Selbstverletzung durch Beißen, übermäßiges Putzen, Hyperaktivität. Für das erste Beratungsgespräch können schon mal 220 Euro fällig werden, um die 90 Euro für jede weitere Stunde.

Manche alternative Tierheilpraxen bieten Rundum-Pflegeprogramme an: Zahnreinigung für 15 Euro, Blutegelbehandlung gegen Rheuma und Muskelverspannungen für 60 Euro, halbstündige Akupunktur für 35 Euro, außerdem Massagen sowie Wärme- und Aromatherapien für den Hund. Gegen Stress, hervorgerufen etwa durch das Feuerwerk an Silvester, den Tierarztbesuch, einen Umzug oder eine Reise, sollen Bachblüten helfen. Die pflanzlichen Beruhigungsmittel in Tablettenform gibt es in der Apotheke. Sie helfen angeblich auch gegen Angst vor Gewitter.

Und Designermöbel

Abgewetzte Hundekörbe und schlichte Kartons, in denen Katzen spielen – das war gestern. Die Designbranche hat mittlerweile auch Tiere auf dem Radar und legt den Besitzern besonders feine Stücke nahe: Hunde-Sofas aus Kunstleder mit dekorativen Kissen gibt es in Graubraun oder Nougatbraun für knapp hundert Euro. Eine große Auswahl an Kratzbrettern und ganzen Katzenhäusern haben die Tierdesigner ebenfalls geschaffen: von schlicht und zeitlos bis barock und verschnörkelt.

Stilbewusste Katzen wohnen heute zum Beispiel in einer Höhle aus Leder auf einem Standfuß aus Edelstahl. Die halb geschlossene Form soll die Katzen abschirmen vor dem, was in der Wohnung sonst so passiert. Kostenpunkt: ab 570 Euro für das Modell „Rondo Stand“. Minimalistischer ist dagegen das „Kläffer-Hundebett“ aus Birken-Sperrholz. Optisch ist es schlicht gehalten, ohne jeden Schnickschnack, es besteht nur aus zusammengesteckten Holzplatten. Eine Decke wird mitgeliefert. Doch gerade das Understatement will bezahlt sein: 650 Euro kostet das Bett für den das Puristische liebenden Hund.

Außerdem Doga

In London gehen Hunde einfach mit zur Sportstunde. Mensch und Tier entspannen gemeinsam, Yoga-Übungen machen sie in trauter Zweisamkeit. Die Trainerin Mahny Djahanguiri hat Doga (abgeleitet von Dog und Yoga) in Großbritannien bekannt gemacht. „Doga ist Menschen-Yoga, bei dem Hunde dabei sein und frei herumlaufen dürfen“, sagt sie. Beim Doga wird der Hund zum Beispiel als lebendiges Gewicht auf den Bauch gelegt. Oder er soll die Entspannung verstärken: Bei einer Übung sitzt der Yogi vor dem Hund, schaut ihm tief in die Augen und presst Luft gut hörbar aus den Lungen heraus – Stress wird nach dem Vorbild des Hundes einfach weggehechelt. Auch in Deutschland gibt es erste Studios, die Doga anbieten.

Schließlich Diamanten aus tierischer Asche

Gedenkstein mit Tupfmalerei, 3D-Foto im Glasblock mit Teelichtvertiefung, Gipsguss-Pfotenabdruck oder Armband mit eingraviertem Namen: Trauernde Tierbesitzer haben die Qual der Wahl, wenn es darum geht, ihre Gefährten in Form eines Erinnerungsstückes zu verewigen. Die Semper Fides Diamonds GmbH aus Salzgitter hat sich auf die exklusive Variante spezialisiert. Schon wenige Gramm Asche oder Tierhaar von Pferd, Hund, Katze oder Vogelfedern genügen, um den verstorbenen Liebling in einen Diamanten zu pressen. Aus fünf verschiedenen Farben (Gelb, Grün, Blau-Weiß, Rot oder Pink) können die Tierbesitzer wählen. Kosten: ab 2990 Euro für den gelben Brillanten, den Diamanten mit zwei Karat gibt’s für knapp 20.000 Euro. ---