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Komik

Im Gegenteil: Komik sorgt für Abstand.





• Wenn es jemanden gibt, der weiß, wie Komik funktioniert und dass es sich dabei nicht um eine harmlose Angelegenheit handelt, dann dürfte es Georges Feydeau sein. Der Franzose (1862–1921) hat Ende des 19. Jahrhunderts Boulevard-Komödien geschrieben, bei denen sich bis heute jeder zweite Komödien-Drehbuchautor bedient. Bei Feydeau konnte sich das Publikum prächtig über Ehebruch-Tollpatschigkeiten, Geldgier, Ehrsucht und Dummheit, die großen und kleinen Lügen der Bürger-Karikaturen auf der Bühne amüsieren. Weil die Zuschauer ihresgleichen sahen (denn Feydeau kannte sie nur zu gut), lachten sie immer auch über sich selbst – allerdings aus dem sicheren Dunkel des Zuschauerraums.

Erst diese Anonymität erlaubt es, die Lächerlichkeit der eigenen Macken und des eigenen Milieus zu genießen. Komik braucht Distanz. Henri Bergson, Philosoph und Literaturnobelpreisträger lädt in seinem 1900 erschienenen Essay „Das Lachen“ zu einem schönen Gedankenexperiment ein: „In einem Salon, wo getanzt wird, brauchen wir uns nur die Ohren zuzuhalten, damit uns die Tänzer lächerlich vorkommen. Wie viele menschliche Handlungen hielten einer solchen Prüfung stand?“ Je ernster sich Akteure nehmen, desto komischer wirken sie aus der Distanz.

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