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Die Ökonomie der Elemente

Was im Periodensystem an Wirtschaft steckt





Die besondere Eigenschaft

Das silberweiße Metall zählt zu den seltensten Elementen überhaupt: In der Erdkruste entfallen auf eine Tonne Material nur schätzungsweise 0,0007 Gramm Rhenium. Das Element hat außergewöhnliche Eigenschaften: Es besitzt eine sehr hohe Dichte, die dritthöchste Elastizität und schmilzt erst bei einer Temperatur von 3180 Grad Celsius. Der Schmelzpunkt wird nur noch von Wolfram und Kohlenstoff übertroffen. Das Metall wurde im Jahr 1925 als letztes natürlich vorkommendes Element entdeckt.

Wer braucht es?

Nach seiner Entdeckung wollte zunächst niemand etwas mit Rhenium anfangen, weil Kosten und Aufwand, es zu gewinnen, so hoch waren. Deutschen Wissenschaftlern gelang das durch einen gigantischen Extraktionsvorgang, bei dem sie aus 660 Kilogramm Molybdän ein knappes Gramm Rhenium gewannen. Mittlerweile ist das Element wegen seiner ausgezeichneten Festigkeit und Elastizität auch bei größter Hitze ein begehrter Zusatz für Hochtemperaturlegierungen.

Flugzeugturbinen etwa, die drei bis sechs Prozent Rhenium enthalten, besitzen eine größere Schubkraft und Effizienz; auch in Atomkraftwerken werden diese Legierungen verwendet. Andere Einsatzfelder sind Blitzlichter, hochauflösende Röntgengeräte in der Mammografie und Computer-Tomografie, Vakuumröhren und Sensoren für Navigationssysteme in der Luft- und Raumfahrt. Auch in der Herstellung von Tablets, Smartphones, Solarpanels und Brennstoffzellen wird es verwendet. Rheniumisotope kommen in der Strahlentherapie bei einigen Krebserkrankungen zum Einsatz.

Wo findet man es?

Rhenium fällt als Nebenprodukt in der Kupfer- oder Molybdängewinnung ab. Die größten Vorkommen rheniumhaltiger Erze lagern in den USA, in Chile, Kanada, Peru und Russland.

Wer verkauft es?

Zu den größten Anbietern zählen neben dem chilenischen Weltmarktführer Molymet unter anderem China Rhenium aus der Volksrepublik, American Elements aus den USA, das kasachische Staatsunternehmen Redmet, KGHM aus Polen, Uralelektromed aus Russland sowie Plansee aus Österreich. Ein wichtiger Recycler ist der deutsche Konzern Heraeus.

Der Weltmarkt …

… beträgt nach Firmenschätzungen etwa 66 Tonnen. Ende der Neunzigerjahre lag der weltweite Verbrauch bei circa 35 Tonnen. Der mit Abstand größte Anbieter ist Chile, danach folgen die USA, Polen, Usbekistan, Kasachstan, Armenien und China. Deutschland ist führend im Recycling.

Der Preis …

… verfünffachte sich zwischen 2003 und 2008 auf mehr als 10.000 US-Dollar pro Kilogramm, bis Mitte 2017 fiel er auf weniger als 1000 US-Dollar. Das lag am Ausbau der Förderung und effektiven Wiederverwertungskreisläufen. 2018 lag die Notierung stabil bei 1290 US-Dollar pro Kilogramm. An der Börse wird Rhenium nicht gehandelt. Verkauft wird es etwa in Form von Draht, Pellets, Folien, Barren, Puder – und in Verbindungen als Flüssigkeit.

Wie geht es weiter?

Durch das Recycling von Flugzeugturbinen könnte der Bedarf am Primärrohstoff um 50 Prozent sinken. Trotzdem liegt der Rheniumbedarf aufgrund vieler neuer Techniken über dem verfügbaren Angebot: 2035 werden nach Schätzungen der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) 120 Tonnen benötigt, mehr als das Doppelte der derzeitigen Produktion. Verantwortlich dafür sind vor allem Flugzeughersteller, die Rüstungsindustrie und die Medizintechnik. Dort kann eine Molybdän-Rhenium-Legierung das teurere Titan in Implantaten ersetzen. Das Material wird bereits für Stents in der Kardiologie eingesetzt. Interessant könnten zudem zwei Verbindungen werden: Rheniumdiborid lässt sich recht preiswert herstellen und ist härter als ein Diamant; mit Rhenium-Silizium-Molekülen können Nanostrukturen für Quanten-Computer aufgebaut werden. ---

75: Ordnungszahl im Periodensystem
Re Elementsymbol; fest (silberweiß)
186,207 Relative Atommasse