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Stephan A. Jansen im Interview

Fragen an Stephan A. Jansen



Beim Thema Mobilität wird die Diskussion schnell moralisch – warum?

Mobilität ist ein Grundbedürfnis und betrifft einen jeden Tag neu – jedoch eher als Problem denn Genuss: Diesel-Skandal, Feinstaubalarm, Kartellvorwürfe, Tier- und Menschenversuche, Fahrverbote, Widerstände gegen Großprojekte wie Bahnhöfe oder Flughäfen, Arbeitsplatzverluste durch Elektrifizierung und autonomes Fahren oder Preiserhöhungen für den öffentlichen Nahverkehr. Nun kommt weltweit Bewegung in die Diskussion, und alles – vom öffentlichen Nahverkehr, vom Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren, der City-Maut für die wahren Kosten, Flottenangeboten der Sharing Economy bis hin zum wiederentdeckten Fahrrad – wird persönlich genommen.

Welche Entwicklungen halten Sie für geeignet, die bisherigen Rituale zu überwinden?

Ich bin kein Zukunftsforscher, aber wenn man die Gegenwart analysiert, zeigt sich, dass es die Verbindung verschiedener Entwicklungen sein dürfte, denn jede für sich ist derzeit noch nicht überzeugend. Die Umweltbilanz von Elektro-Autos wird vermutlich zu Batterie-Krisengipfeln in den kommenden Jahrzehnten führen. Elektro-Autos im Privatbesitz lösen nicht das Problem, dass die meisten Privatfahrzeuge 23 Stunden stehen und (Park-)Raum verbrauchen. Sharing wird in manchen Städten wohl nie wirtschaftlich werden, weil die Unterbringung der Flotten zu viel Aufwand bedeutet. Auch Uber hat bis heute keinen Weg zur Profitabilität gefunden. Und autonomes Fahren vor Kitas ist wohl noch lange eine Utopie.

Stattdessen brauchen wir durch Algorithmen entwickelte und gesicherte Verkehrslösungen, insbesondere für den Lieferverkehr durch Onlinehandel. Hier könnte man an die gemeinsame Nutzung von Transporten für unterschiedliche Zwecke denken. Amazon plant, UPS, DHL und Hermes mit einem weiteren Lieferservice Konkurrenz zu machen: Lieferung next day war gestern. Nun: next moment. Und das eben mit allen Mitteln – von Drohnen, Lieferrobotern oder per Fahrrad. Hauptsache, kein Stau und keine Parkplatzsuche.

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