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Reisen mit einem Tesla

Magdalena Witty und Benedikt Ummen sind mit ihrem Elektroauto von Sankt Gallen nach Berlin gefahren – mit einem kleinen Schlenker über Iran, Russland und das Baltikum. Sie wollten ausprobieren, ob es sich auch auf diese Weise in die Ferne reisen lässt.




brand eins: Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Benedikt Ummen: Nachdem wir uns einen Tesla gekauft hatten, wurden wir immer wieder ein wenig ungläubig gefragt: War das wirklich so clever? Ist ein Elektroauto nicht total unpraktisch? Wie weit kommt man denn damit? Aus Trotz haben wir uns dann gesagt: Okay, das probieren wir jetzt einfach mal aus!

Magdalena Witty: Ich habe mich dann um die Visa gekümmert und mich über die Straßen in den einzelnen Ländern informiert. Benedikts Aufgabe war es, herauszufinden, was wir tun können, wenn keine Ladestation in der Nähe ist. Nach etwa sieben Wochen stand die Route, und wir sind losgefahren.

Im Zusammenhang mit Elektroautos fällt immer wieder der Begriff Reichweitenangst. Hatten Sie die nicht?

Witty: Teils, teils. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es schon relativ viele Schnellladestationen von Tesla. Mit ihnen lässt sich der Akku innerhalb von einer Stunde wieder aufladen. Ein voller Akku bedeutete in unserem Fall, dass wir damit 400 Kilometer weit kommen. In Osteuropa war das Aufladen mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Die letzte Schnellladestation auf unserer Tour stand in Kroatien. Auf unserem Abschnitt von Georgien bis nach Russland gab es für 72 Tage gar keine Ladestationen mehr. Also mussten wir uns etwas einfallen lassen.

Zahl der Tage, die Magdalena Witty und Benedikt Ummen unterwegs waren: 140
Länge der gefahrenen Strecke, in Kilometern: 23 275
Zahl der bereisten Länder: 24
Tage, an denen sie keine Ladestation hatten: 72
Stromverbrauch in Kilowattstunden: 3930
Ungefähre Stromkosten (zu deutschen Preisen), in Euro: 1100
Tatsächlich bezahlte Stromkosten pro gefahrenen Kilometer, in Cent: 1,7

Was haben Sie gemacht?

Witty: Wir haben in Hotels, Cafés, Werkstätten oder bei Privatpersonen gefragt, ob wir unseren Akku wieder aufladen dürfen.

Das klingt überraschend unkompliziert.

Witty: Eine übliche Haushaltssteckdose reicht als Stromquelle aus. Das Aufladen dauert nur etwas länger, etwa 24 bis 30 Stunden. Schneller geht es, wenn man das Ladekabel direkt an einen Sicherungskasten anschließen kann. Dann ist der Akku in etwa drei Stunden wieder voll.

Ummen: Dreimal war ich allerdings zu unvorsichtig und habe so viel Strom gezogen, dass die Sicherung ausgelöst wurde. Passiert ist da eigentlich nie etwas. Unangenehm war es trotzdem, weil wir die Leute dann noch etwas stärker davon überzeugen mussten, dass wir alles im Griff haben.

Man muss also seine Gewohnheiten ändern, wenn man mit einem Elektroauto verreist?

Ummen: Wir hatten jeden Abend zunächst eine Hausaufgabe: eine neue Lademöglichkeit finden. Ein bis zwei Stunden hat das in der Regel gedauert – und zwischendurch auch ein wenig genervt. Aber irgendwann gewöhnt man sich daran. Wir haben früh gemerkt, dass wir unsere Fahrten anders planen müssen. Es stresst, wenn der Akku nur noch bei sieben Prozent ist und keine Lademöglichkeit in Sicht. Und klar geht auch mal etwas schief. Wenn man, wie es uns mal passiert ist, den Wind falsch berechnet und der plötzlich doch von vorn und nicht von der Seite bläst, verringert sich sofort die Reichweite.

Welche war die größte Herausforderung der Reise?

Ummen: Unsere größten Sorgen waren, dass Akku und Motor kaputtgehen oder wir in einen Unfall geraten. Zum Glück ist nichts davon passiert. Mit der Technik hatten wir insgesamt keine Probleme. Am schwierigsten waren eigentlich die Grenzübergänge außerhalb Europas. Nach Turkmenistan durften wir zunächst nicht einreisen, weil in der Hauptstadt Aşgabat nur weiße Autos erlaubt sind. Und unseres ist schwarz lackiert, hat getönte Heckscheiben und Aufkleber auf der Karosserie – alles Dinge, die verboten sind. Nach acht Stunden und vielen, vielen Telefonaten durften wir endlich einreisen.

Was uns ein wenig stolz macht: Wir waren die Ersten, die mit einem Elektroauto von Iran durch Turkmenistan und Usbekistan gefahren sind. Wenn wir das in einigen Jahren unseren Enkeln erzählen, werden die vermutlich nur mit den Schultern zucken – weil es dann vielleicht schon normal ist. ---

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