Partner von
Partner von
Die Ökonomie der Elemente

Thallium (Tl)

Was im Periodensystem an Wirtschaft steckt.





Die besondere Eigenschaft

Das weiche gräuliche Metall ähnelt Blei. Es ist hochgiftig und brennt mit einer intensiven smaragdgrünen Flamme. Thalliumcarbonat ist das einzige leicht wasserlösliche Schwermetallcarbonat.

Wer braucht es?

Die Hersteller optischer Gläser, Linsen und Prismen – etwa für Fotokopierer, Fotozellen von Digitalkameras oder spektroskopische Anwendungen zum Ermitteln der Inhaltsstoffe in undurchsichtigen Schichten wie Lacken. Die Glasindustrie stellt damit bruchfeste Gläser her. In der Metallindustrie dient es als Legierung für das elektrolytische Verzinken von Stahlblech. In einigen Ländern wird es als Rattengift eingesetzt. In der Kardiologie nutzt man es als Kontrastmittel. Als grüner Leuchtstoff steckt es in Seenot-Raketen, als Quecksilberlegierung in Thermometern. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind Hochtemperatursupraleiter, die im Mobilfunk als Mikrowellenfilter eingesetzt werden. In der chemischen Industrie werden mithilfe von Thallium Mineralien in hochdichten Flüssigkeiten separiert.

Wo findet man es?

In Mangan-Ablagerungen am Meeresgrund, an Land meist gebunden in Mineralien wie Crookesit, Lorandit oder Hutchinsonit. Bei der industriellen Förderung fällt Thallium als Beiprodukt beim Rösten von Bleiglanz oder Zinkblende und weiteren sulfidischen Erzen an.

Wer verkauft es?

Größter Anbieter ist Kazzinc (Kasachstan), weitere wichtige Anbieter sind China Minmetals Non-Ferrous Metals, Norilsk Nickel (Russland), Umicore (Belgien), JX Nippon Mining & Metals Corp. (Japan) und Alfa Aesar (USA). Bei medizinischen Anwendungen ist die zu Merck gehörende Sigma-Aldrich ein wichtiger Anbieter.

Der Weltmarkt

… soll im Jahr 2016 bei weniger als 10 000 Kilogramm gelegen haben. Thalliumverbindungen werden mitunter in Mengen von 1 bis 100 Gramm gehandelt. Die großen Anbieter aus Kasachstan, China und Russland veröffentlichen aber kaum Daten zu ihrer Produktion. Die größte Nachfrage kommt von den Produzenten optischer Gläser, Linsen und Prismen sowie Fotozellen, vor allem in China, Japan und Südkorea. Bei der kardiovaskularen Bildgebung sinkt die Nachfrage seit 2011. Mit Technetium-99 existiert mittlerweile ein weitaus billigerer Ersatz.

Der Preis

… ist im Jahr 2017 nach Angaben des US Geological Survey erstmals seit zehn Jahren gesunken – für reines Thallium von 7400 Dollar pro Kilogramm in 2016 auf 7200 Dollar in 2017. Gehandelt werden aber meist die verschiedenen Verbindungen, mitunter zu viel höheren Preisen. Die Preissteigerungen der Vergangenheit waren Folge einer politisch motivierten Drosselung der Thallium-Exporte von China sowie erhöhter Steueraufschläge.

Wie geht es weiter?

Für optische Gläser, Linsen, Prismen, Fotozellen und Hochtemperatursupraleiter rech- nen Analysten mit einer steigenden Nachfrage. Für diese Anwendungen ist derzeit kein billiger Ersatz in Aussicht. Ungiftige Alternativen wie Wolframverbindungen werden aber beim Trennen von Mineralien in hochdichten Flüssigkeiten eingesetzt.

Große Auswirkungen auf die Nachfrage könnte ein 2014 von Chemikern der Brigham Young University und des Scripps Research Instituts entwickeltes Verfahren haben: Sie setzen Thallium als Katalysator zum Umwandeln von Erdgas in Alkohol ein, der als Flüssigkeit einfacher zu verarbeiten und zu transportieren ist. Bislang sind für diese Prozesse Temperaturen von bis zu 1600 Grad Celsius nötig, Thallium kommt mit 180 Grad Celsius aus. Das Verfahren könnte großes Potenzial haben, muss aber noch weiter erforscht werden.

Auch das Angebot könnte steigen: In Brasilien, China, Mazedonien und Russland wurden neue Vorkommen entdeckt, in Brasilien sucht ein Unternehmen bereits Investoren und bemüht sich um eine Abbaulizenz. ---

Ordnungszahl im Periodensystem: 81
Elementsymbol: grau (Feststoff): Tl
Relative Atommasse: 204,38