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New York Times: Blick in die Bilanz

Der Umschwung

2017 hat die »New York Times« erstmals in ihrer Geschichte mehr als eine Milliarde US-Dollar mit dem Verkauf ihrer Inhalte eingenommen. Mit harten News – und Kochrezepten.





• Die »New York Times« (»NYT«) hat ein gutes Jahr hinter sich. Der Umsatz der renommierten Tageszeitung stieg zum ersten Mal seit vier Jahren wieder, auf knapp 1,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unterm Strich blieb ein Gewinn vor Steuern von 111 Millionen Dollar, was einer Umsatzrendite von 6,6 Prozent entspricht – kein schlechtes Ergebnis in einer Branche, die weltweit darunter leidet, dass ihre Kunden zu kostenlosen Internet-Angeboten abwandern.

Auch die »NYT« steckte in einer Krise, das Anzeigengeschäft ging ebenso zurück wie die verkaufte Print-Auflage, die 2009 erstmals unter eine Million Exemplare rutschte. Zwischen 2007 und 2011 sank der Umsatz von 3,2 auf 2,3 Milliarden Dollar. Die »NYT« reagierte mit harten Sanierungsmaßnahmen. Die Dividendenzahlung wurde ausgesetzt, 16 Regionalzeitungen und der »Boston Globe« wurden 2013 verkauft, das Format wurde verkleinert, die »International Herald Tribune« in die »NYT« überführt. 

Die Zahl der Mitarbeiter sank von 7300 auf heute 3700, die operativen Kosten wurden um fast ein Drittel von 2,1 auf heute knapp 1,5 Milliarden Dollar reduziert. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Verlagen beließen es die Amerikaner nicht beim Sparen und Abstoßen wenig rentabler Geschäfte. Sie trafen noch eine andere, eine mutige Entscheidung: Als eine der ersten Zeitungen weltweit führte die »NYT« bereits 2011 eine Bezahlschranke für digitale Inhalte ein.

Seitdem wachsen die Einnahmen aus digitalen Abonnements, am stärksten in 2017: Ihre Zahl liegt jetzt bei 2,6 Millionen. Die Erträge legten um gut 46 Prozent zu, auf 340 Millionen Dollar. Insgesamt erlöste die »NYT« mit dem Verkauf ihrer täglichen Inhalte, gedruckt wie digital, erstmals mehr als eine Milliarde Dollar. Man kann dahinter einen Trump-Effekt vermuten, neue Leser, die sich von der kritischen Berichterstattung über den US-Präsidenten angezogen fühlen. Aber die Zeitung punktet auch mit unpolitischen Themen: Gut 14 Millionen Dollar Umsatz stammen aus reinen Kreuzworträtsel- und Rezeptabonnements, das entspricht einem Zuwachs von knapp 54 Prozent gegenüber dem Jahr 2016.

Die Zeitung hat ihren Qualitätsanspruch nicht aufgegeben: Die Redaktion der »NYT« hat rund 1300 Angestellte (»Washington Post«: 700), die täglich 230 Artikel veröffentlichen (»Washington Post«: 500). Das Geschäftsmodell indes ist neu. Stammte früher der größte Teil der Umsätze aus dem Anzeigenverkauf (2008: 60 Prozent) dominiert heute der Verkauf der Inhalte, für die die New Yorker im Schnitt höhere Preise nehmen als die Konkurrenz. Anzeigen machen nur noch 33 Prozent der Einnahmen aus. Und das Geschäft schwächelt weiter. Zwar wächst auch hier der digitale Anteil, zuletzt um 14 Prozent. Doch kann er die Verluste bei gedruckter Werbung nicht auffangen.

Der Verlag setzt weiter auf Effizienz, gibt Pensionsverpflichtungen an Versicherer ab, um die Risiken zu minimieren und Verwaltungskosten zu sparen, und renoviert den Stammsitz, um mehr Quadratmeter als bisher vermieten zu können. Das führt zunächst zu höheren Kosten – etwa rund 10 Millionen Dollar für den Umbau des Gebäudes, gut 100 Millionen Dollar für den Verkauf der Rentenverpflichtungen. Doch sobald diese Maßnahmen abgeschlossen sind, geht es deutlich aufwärts. Im Jahr 2017 wurde das schon spürbar. Restrukturierungskosten, die 2016 noch mit knapp 15 Millionen Dollar zu Buche schlugen, fielen weg. Zudem ist die Eigenkapitalquote mit 41 Prozent solide, die Marke stark. Mit 89 Millionen monatlichen Besuchern auf ihrer Website lag sie 2017 weltweit auf Platz 22. Das ist zwar noch ein gutes Stück von Google mit knapp 242 Millionen Besuchern entfernt. Doch die »NYT« wächst weiter, 2017 mit 16 Prozent – Google wuchs nicht mehr. ---

Die »New York Times« wurde 1851 als »New-York Daily Times« von dem Journalisten Henry Jarvis Raymond und dem Bankier George Jones gegründet. 1896 wurde sie von Adolph Ochs übernommen, dessen Nachfahren, die Ochs-Sulzberger-Familie, bis heute 13 Prozent der Aktien und die Mehrheit der Stimmrechte halten. Sie stellen auch den Herausgeber. Die »NYT« ist die mit Abstand renommierteste überregionale Tageszeitung der Welt. Ihre Mitarbeiter gewannen 122 Pulitzer-Preise, mehr als jedes andere Medium.