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Wie ein Kurierdienst-Betreiber auf eigene Faust ein Mobilitätskonzept für die Provinz erfand.





• Der Mann ist findig. Nachdem Ahmet Cetiner vor neun Jahren in Frankfurt am Main seinen Kurierdienst 4xpress gegründet hatte, merkte er schnell, dass seine zehn Fahrzeuge die meiste Zeit des Tages auf dem Parkplatz standen. Also schaffte er sie wieder ab. Stattdessen wies er seine Fahrer an, Carsharing zu nutzen. Das war nicht nur effizienter, es vergrößerte auch auf einen Schlag sein Auftragsgebiet. „Durch Carsharing habe ich mehr als 3000 Fahrzeuge in ganz Deutschland zur Verfügung“, sagt der 39-jährige. „Ich kann also auch Aufträge in Hamburg oder München annehmen, wenn ich dort Kontakt zu einem Fahrer habe.“

 

Da er selbst und viele seine Mitarbeiter aus Maintal kamen, verlegte er 2015 seinen Hauptsitz in die alte Heimat, rund 13 Kilometer östlich von Frankfurt. Dort kannte man Carsharing nur aus dem Fernsehen. „Das war erst einmal ein Rückschritt für uns“, sagt Cetiner. Für die Fahrten in der Provinz musste er wieder Autos anschaffen – auch eines für sich privat. „Ich wohne acht Kilometer vom Büro entfernt und habe keine andere Möglichkeit, dort hinzukommen. Die Busverbindungen sind einfach zu schlecht.“

Normalerweise wäre die Geschichte hier zu Ende – wenn Cetiner nicht Cetiner wäre. Schon lange fragte er sich, wie man künftig elektrisch unterwegs sein könnte. Die Technik schien unausgereift, die Infrastruktur dürftig. Schlechte Voraussetzungen. Der Unternehmer packte es dennoch an. Statt dösend am Pool zu liegen, begann er während eines Urlaubs in der Türkei im April 2016 damit, ein Elektromobilitätskonzept für die Region Maintal zu schreiben, das ähnlich einfach sein sollte wie der All-inclusive-Tarif seines Hotels. Greenway 2020 nannte er es. „Ich wollte in Maintal an jeder Apotheke, an jedem Einzelhandel, jedem Hotel und Restaurant eine Ladestation bauen. Das war das Ziel. Und dann wollte ich den Menschen die Elektromobilität näherbringen, und zwar mit einem Carsharing-System. Das war der Plan.“

Gemeinden sind Kunden und Profiteure zugleich

Dafür fährt er kreuz und quer durch die 29 Städte und Gemeinden und spricht mit jedem einzelnen Bürgermeister. „Wenn ich sie überzeuge, wenigstens zwei Ladestationen und ein Fahrzeug zu übernehmen, dann können wir das Ziel erreichen.“ Von dem Angebot, das er den Gemeindevertretern unterbreitet, kann der Kunde gleich mehrfach profitieren: Für das kleinste Paket, eine Ladestation und ein BMWi3, zahlt eine Gemeinde 599 Euro im Monat. Mobiliteet übernimmt mit seinen sieben Mitarbeitern die gesamte Betriebsführung, Vermittlung und Reparaturen von Ladestationen und Autos. Der Gemeinde werden die 599 Euro als Guthaben gutgeschrieben.

Stadtbedienstete können so lange kostenlos fahren, bis der Betrag verbraucht ist. Danach zahlen sie wie jeder andere Nutzer 19 Cent pro Minute. Geht der Umsatz über die 599 Euro hinaus, wird die Stadt am Gewinn mit 25 Prozent beteiligt, es fließt also Geld in die Stadtkasse zurück. Mit diesem Modell will Cetiner die Infrastruktur Stück für Stück ausbauen. „Die Bürgermeister finden das Konzept alle gut“, sagt Cetiner. „Aber keiner will der Erste sein. Sie warten darauf, dass auch die Nachbargemeinde mitmacht.“ Bei der nächsten Bürgermeisterkreisversammlung will er sie nun alle überzeugen und aus seinem Konzept eine Gemeinschaftsbewegung machen.

Die Auslastung seiner Fahrzeuge beträgt derzeit etwa 25 bis 30 Prozent. „Damit ist Mobiliteet knapp rentabel“, sagt Cetiner, der die Firma zu Beginn unter dem Dach des Kurierdienstes laufen ließ und nun ausgründet. In Zukunft wird 4xpress ein ganz normaler Kunde des Carsharing-Dienstes sein. „Wir behalten die Möglichkeit, Fahrzeuge für unsere Kuriere zu bestimmten Zeiten zu blocken.“ So soll das später auch für Privatleute mit Elektroautos funktionieren. „Wer ein Elektroauto hat und es dem Carsharing-Verbund zur Verfügung stellen will, ist herzlich willkommen. Wir liefern die Technik, der Besitzer bekommt 50 Prozent der Einnahmen und kann sein Fahrzeug beliebig lange für sich selbst blocken.“ ---