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Mikroökonomie

Eine Laborantin in Montenegro

Olga Jokanovi´c ist 27 Jahre alt, sie lebt zusammen mit ihrem Mann und den Schwiegereltern in Podgorica, der Hauptstadt von Montenegro. An der dortigen Universität hat sie Agrarwissenschaften studiert und nach dem Abschluss nebenberuflich einen dreijährigen Masterstudiengang in den Fächern Milch- und Käsetechnologie begonnen. Zurzeit schreibt Jokanovi´c an ihrer Masterarbeit über die traditionelle Käseproduktion in Montenegro.





Olga Jokanović arbeitet seit zwei Jahren sechs Tage die Woche jeweils von 7 bis 15 Uhr in einer Molkerei in Danilovgrad. Sie ist dort als Lebensmitteltechnikerin angestellt und Leiterin der Rohstoffkontrolle. Als Berufseinsteigerin verdient sie 450 Euro im Monat. Davon fließen 2 Euro in die Arbeitslosenversicherung, 38 Euro in die Krankenversicherung und 68 Euro in die Rentenversicherung, zu der der Arbeitgeber weitere 46 Euro hinzugibt. Sie muss keine Miete bezahlen, weil sie mit im Haus ihrer Schwiegereltern lebt. Ihr Anteil für Wasser, Strom und Müll beträgt 55 Euro. Für Essen gibt sie 150 Euro im Monat aus, für Internet und Telefon 40 Euro.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Ich möchte eine bessere Zukunft für mich und meine Familie. Und es stimmt mich zufrieden, wenn ich bei meiner Arbeit neue Hygiene-Standards entwickeln kann, wenn ich produktiv und nützlich bin.

Was möchten Sie an Ihrem Leben verändern?

Ich möchte gerne mehr reisen und brauche mehr Freizeit. Und ich würde gerne im Ausland arbeiten und dort Erfahrungen sammeln und neue Leute kennenlernen.

Welche sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Ich möchte Anerkennung für meine Anstrengungen. Und zwar von mir, meiner Familie und meinem Chef! Ich arbeite jeden Tag sehr hart dafür.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Ich kaufe mir etwas Schönes oder sehe mir Filme an. Damit ich deutsche Serien gucken kann, habe ich Deutsch gelernt. Einfach mal frei zu haben ist auch schon etwas Besonderes. Oder ich gehe mit meinem Mann und meinen Schwiegereltern in ein Restaurant.

Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?

Reisen, reisen, reisen!

Montenegro ist Beitrittskandidat der EU. Welche Hoffnungen verbinden Sie damit?

In meiner Familie und unter meinen Freunden gibt es Angst vor den Veränderungen, aber ich denke, beim Rechtsschutz, bei der Bildung und der Beschäftigung wird sich einiges verbessern. Die EU bedeutet für mich Investitionen in ländliche Entwicklung und Exportmöglichkeiten der montenegrinischen Produkte. Aber wir brauchen auch den Schutz für unsere regionalen Spezialitäten. ---

Montenegro

Einwohner: 623 000
Währung: Euro (€, nicht in der Europäischen Währungsunion)
BIP pro Kopf (2015): 5876 Euro
Human Development Index: Platz 48 (Deutschland Platz 4)

Aktuelle Durchschnittskosten

1 Joghurt: 0,69 Euro
100 Gramm Käse (regional): 0,48 Euro
1 Tafel Schokolade: 1,35 Euro
1 Restaurantbesuch (mit Getränken): 12 –15 Euro
1 Kinokarte: 4 Euro
1 Liter Benzin: 1,20 Euro