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Hästens

Der SUV fürs Schlafzimmer

Das kleine schwedische Familienunternehmen Hästens hat es mit Betten, die so viel kosten können wie Oberklasse-Autos, zu einer globalen Luxusmarke gebracht.





• Schicke Küchen dienen schon länger als Prestige-Objekte, nun sind die Betten an der Reihe. Insofern hatte Jan Bobe, 51, den richtigen Riecher, als er im Jahr 2014 vom Küchenhersteller Siematic zu Hästens wechselte und dort die Geschäftsführung für Zentraleuropa übernahm. Seitdem ist die Zahl der Verkaufsstellen für die schwedischen Luxusbetten in Deutschland von sechs auf fünfzehn gestiegen.

Die Schlafmöbel werden in Köping, rund 150 Kilometer westlich von Stockholm, nach alter Tradition aus Holz, Sprungfedern, Leinen, Baumwolle, Wolle und Rosshaar hergestellt. Der „Maybach“ (Bobe) im Sortiment kostet mehr als 100 000 Euro. Das meistverkaufte Modell ist für knapp 10 000 Euro zu haben. Dafür kriegt man schon einen Kleinwagen, woraufhin Möbelverkäufer gern kontern, dass der Mensch deutlich mehr Zeit im Bett verbringt als im Auto.

Hästens profitiert vom Trend zu heimeliger Gemütlichkeit (neuerdings gern Hygge genannt) sowie dem Siegeszug des Boxspringbetts. Die Basis bildet ein Gestell mit den Sprungfedern, darauf lagert die Matratze und auf ihr noch eine zusätzliche Lage als Topping. Lange war dieses System vor allem in den USA, Kanada und Skandinavien gängig, nun wird es auch anderswo populär. Eine Folge der Globalisierung, sagt Bobe. „Die Leute schlafen in Hotels in solchen Betten und wollen so etwas dann auch privat haben.“

Zwar ist es durchaus möglich, in billigen Betten mit Lattenrosten und Schaumstoffmatratzen gut zu schlafen, aber Boxspringbetten haben – das verbindet sie mit den beliebten SUVs – einen praktischen Vorteil: die bequeme Einstiegshöhe. Man kommt leicht rein in die Federn und wieder heraus.

Andererseits verlangt so ein Hästens-Bett viel Zuwendung. Die Matratze soll nicht nur regelmäßig gewendet, sondern auch massiert werden, damit die Rosshaare schön locker bleiben. Wem das zu anstrengend ist, der kann den Service bei der Firma buchen. Liebevolle Pflege danken die Produkte mit Langlebigkeit. Jan Bobe berichtet, dass man in Schweden auf der Suche nach Exemplaren fürs Firmenmuseum ein Bett aus dem Jahr 1907 gefunden habe – „aber der Besitzer wollte es leider nicht hergeben“.

Charakteristisch für die Marke ist das blaue Karo, mehr als 40 Prozent der Kunden hierzulande entscheiden sich für den klassischen Look – der den Vorteil hat, dass Besucher sofort sehen, was da Edles im Schlafzimmer steht. Deutschland ist nach Schweden, den USA und China der wichtige Markt für Hästens.

Vor der Investition ins Bett sollte man gründlich probeliegen. Bobe empfiehlt mindestens zwei bis drei Stunden. Wem das nicht reicht, dem bucht Hästens ein mit der Marke ausgestattetes Hotelzimmer. Zudem gibt es in Dornbirn (Vorarlberg) und Gstaad (Schweiz) mittlerweile zwei Stores, die so ausgestattet sind, dass man dort nach Ladenschluss nächtigen kann. ---

Pehr Adolf Janson gründet 1852 in einem Dorf nahe Köping eine Sattlerei. Er arbeitet wie damals üblich auch als Polsterer und stellt Matratzen aus Rosshaar her. Aus diesen Ursprüngen ent- wickelt sich der Bettenbau, auf den die Firma sich ab 1917 konzentriert und eine eigene Fabrik zur Verarbeitung von Rosshaaren errichtet („häst“ bedeutet auf Schwedisch Pferd). 1940 zieht das Unternehmen nach Köping um; zum hundertsten Jubiläum wird es königlicher Hoflieferant. Im selben Jahr stattet die Swedish America Line die „MS Gripsholm“ mit Hästens-Betten aus und macht die Marke so über die Grenzen des Landes bekannt. 1978 erfindet Jack Ryde, Besitzer in vierter Generation den blauen Karo-Look, der gar nicht zu den damaligen Modefarben Braun, Grün und Orange passt. Heute wird das Unternehmen von dessen Sohn Jan Ryde geführt, der ambitionierte Ziele verfolgt: Bis 2020 soll der Umsatz im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Hästens Ltd.

Mitarbeiter: 228
Umsatz 2017: 67,1 Millionen Euro (plus 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr)