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Newsletter zur 04/2018



brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer stellt einmal im Monat das neue Heft vor und schreibt über die Gedanken, die die Redaktion zum jeweiligen Schwerpunkt bewogen haben. Wenn Sie den Leser-Newsletter gerne empfangen möchten, melden Sie sich bitte hier an:

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wir hätten auch auf den Titel schreiben können: „Mobilität – aber ohne Diesel-Skandal!“ Denn die Frage, wer wo wann wen wie und warum betrogen hat, überlagert ein grundsätzlicheres Thema. Es geht darum, wie wir in Bewegung bleiben. Und um das herauszufinden, muss man über weit mehr reden als über Antriebsarten. Über Onlinehandel zum Beispiel, Just-in-time-Produktion, globale Warenströme – aber auch über Arbeitszeiten, individuelle Bedürfnisse und das Unbehagen in überfüllten Bussen und Bahnen.

In unserer nächsten Ausgabe werden Sie all das finden und zudem viele gute Ideen, wie der allgegenwärtige Stillstand aufgelöst werden könnte.

 

Foto: Benjakon

Es fühlt sich nicht nur so an, der Verkehrsbericht 2017 des Beratungsunternehmens Inrix belegt es auch mit Zahlen: Im Schnitt verliert jeder Autofahrer hierzulande pro Jahr 30 Stunden seines Lebens an den Stau. Rechnet man die dafür veranschlagten Kosten von 1770 Euro auf 46,5 Millionen Fahrzeuge hoch, landet man bei mehr als 82 Milliarden Euro – viermal mehr als im Bundeshaushalt für Bildung und Forschung vorgesehen sind. „Der Stillstand“, so das Fazit von Wolf Lotter, der diese Rechnung aufmacht, „ist ein teurer Spaß.“ Warum wir ihn uns leisten? Zum Beispiel, weil es alle zur selben Zeit ins Büro drängt. Weil wir uns Waren immer häufiger nach Hause schicken lassen. Weil öffentliche Verkehrsmittel dem Menschen eine ihm wesensfremde Enge aufzwingen. Und kein Ausweg in Sicht? Doch („Bewegungsfreiheit“; S. 42 / „In der Schleife“; S. 60 / „Bleib mir von der Pelle!“; S. 50).

Illustration: Anna Szilit

Wir könnten schon mal damit anfangen, das eigene Verhalten zu überprüfen. Was hindert uns daran, mehr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen? Wieso behalten wir das eigene Auto, obwohl es doch immer mehr Carsharing-Angebote gibt? Warum bestellen wir online, was es ein paar Straßen weiter zu kaufen gibt? Die Antwort ist immer wieder: Bequemlichkeit – und das könnte auch der Schlüssel zur Lösung des Verkehrsproblems sein. Wenn unterschiedliche Verkehrsmittel so aufeinander abgestimmt wären, dass wir ohne Wartezeiten und Drängelei zu unserem Ziel kommen, bekäme das Auto ernste Konkurrenz. Wie das gehen kann? Bosch, der weltgrößte Automobilzulieferer, macht sich darüber ebenso Gedanken wie viele Wissenschaftler und Gründer innovativer Firmen („Verlust durch Teilen“; S. 94 / „Slalom durchs Neuland“; S. 108 / „Brüder, zur Sonne!“; S. 82).

Foto: Felix von der Osten

Und was ist mit der Elektromobilität? Sie werde kommen, sagt der von Denis Dilba interviewte Fachmann Detlef Stolten, der gleichzeitig für den Wasserstoffantrieb plädiert. Denn nur eine Kombination beider Systeme sei eine Alternative zum Verbrennungsmotor. Der allerdings – da ist man sich nicht nur bei Bosch sicher, das sich gerade aus der Batterieentwicklung zurückgezogen hat – wird uns noch einige Zeit voranbringen. Schließlich ist die Langstrecke mit dem Elektroauto eher etwas für Abenteurer, und der Umstieg auf Wasserstoff teuer – es sei denn, man lebt in Kalifornien („Wir sollten uns das leisten“; S. 68 / „Auf der Suche nach der nächsten Steckdose“; S. 114 / „Und so läuft’s in Kalifornien; S. 72).

Illustration: Benedikt Rugar

Dass das Auto aus dem Straßenbild verschwinden wird, hält keiner unserer Gesprächspartner für realistisch. Denn es wird nicht nur als Baustein in modularen Personenbeförderungssystemen gebraucht, sondern auch als immer noch günstigstes Transportmittel für die Just-in-time-Produktion. Dass wir irgendwann alle im Lufttaxi entschweben, ist noch genauso utopisch wie das autonome Fahren im Stadtverkehr. Darüber nachzudenken aber macht Spaß und weitet den Blick („Was surrt denn da?“; S. 102).

Foto: Jens Schwarz

Wussten Sie, dass der indische Bundesstaat Sikkim nur noch Bio-Landwirtschaft erlaubt? Hätten Sie gedacht, dass Kenia ein besseres Internet hat als Deutschland? Und können Sie sich vorstellen, wie senegalesische Männer bis zu vier Frauen ernähren? Unsere Autoren haben in den drei Ländern recherchiert und erstaunliche Geschichten mitgebracht. Harald Willenbrock hatte von Hamburg aus nicht weit zu fahren: Auf einem schleswig-holsteinischen Bauernhof traf er den Werner-Erfinder Rötger „Brösel“ Feldmann – erstaunlich ist dessen Story auch („Der Biostaat“; S. 20 / „Wir sind drin!“; S. 30 / „Die Ökonomie der Polygamie“; S. 126 / „Im Eff-Kah-Zett-Modus“, S. 120).

Viel Spaß mit einer bewegenden Ausgabe, Gabriele Fischer