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Bulova

Konkurrenz stört das Geschäft. Da hilft es, wenn man die Regierung für sich einspannen kann – wie beim Uhrenkrieg zwischen der Schweiz und den USA.





• Bei dem amerikanischen Uhrenhersteller Bulova verstand man es, stets die richtigen Worte zu finden. Bereits 1926 wurde ein Radiowerbespot zur besten Sendezeit geschaltet, zu jeder vollen Stunde. Die Botschaft: „Beim Ton ist es acht Uhr. B-U-L-O-V-A Bulova-Zeit.“ Als der Hersteller 1941 zum ersten Mal im Fernsehen warb, zeigte er eine Karte der USA, dazu die Stimme aus dem Off: „Amerika geht nach der Bulova-Zeit.“ Und auch der Sohn des Gründers und spätere Chef des Unternehmens, Arde Bulova, wusste, was er zu sagen hatte, als er im Sommer 1954 vor dem US-Senat als Zeuge geladen war. Der Ausschuss für die Streitkräfte beschäftigte sich damit, ob der Import von Uhren die nationale Sicherheit der USA gefährden würde. Bulovas Antwort: „Für die nationale Sicherheit ist es ist von größter Bedeutung, dass die Uhrenindustrie in diesem Land lebendig und gesund bleibt.“

Auch die anderen großen Hersteller Hamilton, Elgin und Waltham schickten Vertreter nach Washington, die den Ausschuss-Mitgliedern erklärten, was eigentlich nur schwer zu erklären war: dass der Import Schweizer Uhren die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährde, weshalb darüber debattiert werden müsse, diese Produkte mit hohen Einfuhrzöllen zu belegen. Selbstverständlich waren die amerikanischen Uhrenhersteller dafür. Und jedes Argument schien ihnen recht.


Das Niveau der Präzision, die Schwierigkeiten der Herstellung und das hoch spezialisierte Werkzeug und Können sind in anderen Branchen kaum zu finden.

Arde Bulova erläuterte den Zusammenhang zwischen Armbanduhren und nationaler Sicherheit so: Sein Unternehmen baue längst nicht mehr nur zivile Güter, sondern produziere auch militärische Präzisionsinstrumente für Flugzeuge und Torpedos. All diese Produkte verlangten den Arbeitern ein Geschick ab, wie man es nur in der Uhrenindustrie finde. Doch die geriete angesichts der Billigware aus der Schweiz in eine schwierige Lage.

Rund 90 Prozent aller Kosten bei der Uhrenproduktion entfielen auf die Arbeitskraft, sagte Bulova. Während in der Schweiz die Löhne seit dem Zweiten Weltkrieg nur moderat gestiegen seien, hätten sie in den USA einen Anstieg um 300 Prozent verzeichnet. Daher seien die Schweizer deutlich billiger, die dortige Industrie sei ohnehin schon „unvergleichlich effizient“. Wenn jetzt aber die Uhrenindustrie in den USA kaputtgehe, dann würden auch die Fähigkeiten verloren gehen, die man für die Rüstungsindustrie brauche. „Das Niveau der Präzision, die Schwierigkeiten der Herstellung und das hoch spezialisierte Werkzeug und Können sind in anderen Branchen kaum zu finden“, sagte Bulova. Daher müsse die Branche vor der Schweizer Konkurrenz geschützt werden.

Genauso kam es. Am 27. Juli 1954 unterschrieb Präsident Dwight D. Eisenhower eine Bekanntmachung über die Erhöhung der Zölle auf Schweizer Uhren von 35 auf 53 Prozent. Für die Schweiz war das ein Schock. In den Fünfzigerjahren gingen rund ein Drittel aller Schweizer Exporte in die USA, die Hälfte davon waren Uhren. Die Regierung in Bern war alarmiert, sie bestellte die amerikanische Botschafterin ein. Arbeiter in Biel und in La Chaux-de-Fonds demonstrierten, die »Neue Zürcher Zeitung« berichtete von einer „rücksichtslosen Maßnahme“, die an die Zeit des „finstersten wirtschaftlichen Nationalismus“ erinnere. Andere sprachen von einem „Uhrenkrieg“ – allein, es half nichts.

Rein rechtlich war Eisenhower schwer beizukommen. Er konnte die Einfuhren einseitig verteuern. In einem Handelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA von 1950 gab es eine Ausnahmeklausel für Uhren. Auf die berief sich der Präsident der Weltmacht. Und weil die Schweizer auch handelspolitisch neutral bleiben wollten, waren sie noch nicht einmal Mitglied beim internationalen Zoll-Abkommen GATT, dem Vorläufer der heutigen Welthandelsorganisation. Sie konnten sich also nirgendwo beschweren. Die Uhren-Exporte in die USA sanken in den Folgejahren um ein Drittel. Erst als die Schweiz 1966 dem GATT beitrat, senkten die USA die Zölle für Uhren wieder.

Da war Bulova bereits Marktführer in den USA. Geschafft hat der Hersteller das mit der Bulova 23. Die Uhr war automatisch, wasserdicht und hatte eine unzerstörbare Triebfeder. Das eigentlich Besondere an ihr war aber etwas anderes: Alle Teile dafür wurden in den USA hergestellt.

Inzwischen ist Bulova übrigens in japanischer Hand: Am 10. Januar 2008 kaufte Citizen Watch Co. Ltd das Unternehmenn für 250 Millionen Dollar. ---