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Die Ökonomie der Elemente

Indium (In)

Was im Periodensystem an Wirtschaft steckt





Das silberweiße Schwermetall ist leicht verformbar und erzeugt beim Biegen ein knirschendes Geräusch, das „Zinngeschrei“. Biegt man es zu stark, zersplittert es in Kristalle. Bei 156,6 Grad Celsius schmilzt es, bis 2000 Grad Celsius bleibt es flüssig.

Für die Halbleitertechnik ist die Verbindung Indiumzinnoxid (ITO) ein Schlüsselmaterial – in Smartphones, Lasern, Leuchtdioden oder integrierten Schaltkreisen stecken meist einige Milligramm davon. Die wichtigste Verwendung sind transparente Leiter in LCD- und OLED-Flachbildschirmen, Touchscreens und Dünnschichtsolarzellen. In der Medizintechnik dienen Indium-Isotope der bildgebenden Diagnostik. In Legierungen für Thermostate und Sicherungen ersetzt es das giftige Blei. Auch Glas und Keramik lassen sich mit Indium verlöten.

Hauchfeinen Indiumphosphid-Nanodraht nutzt man für hochsensible Photodetektoren oder optische Schalter. Auch in den Steuerstäben von Kernreaktoren findet man Indium, in Neutronendetektoren und in Dichtungen von Kryostaten – Tiefkühlgeräte, die sich etwa mit flüssigem Stickstoff befüllen lassen und extrem niedrige Temperaturen erreichen.

Hauptförderland ist China, gefolgt von Südkorea, Japan, Kanada, Frankreich, Belgien und Peru. Indium wird fast ausschließlich als Nebenprodukt bei der Produktion von Zinn und Blei gewonnen. Zwei Drittel der globalen Ressourcen von etwa 16.000 Tonnen gelten als wirtschaftlich abbaubar.

Die US-amerikanische Indium Corporation, weitere Marktführer für ITO sind Samsung Corning Precision Material (Südkorea), Nitto Denko Corp (Japan), 3M (USA), Umicore Thin Film (Liechtenstein) und Touch International (USA). Den Rohstoff Indium gewinnen zum Beispiel Dowa Mining (Japan), China Tin Group und Yunnan Tin (China).

Die Nachfrage für Indium wird zu mehr als 60 Prozent von China bedient. Gehandelt wird es in Form von Barren. Es dient auch als Wertanlage. Am stärksten wird Indium in Südkorea, Japan und Taiwan nachgefragt. China ist der größte Hersteller und Verarbeiter von Indiumzinnoxid. Weltweit wurde ITO im Jahr 2015 im Wert von rund 2,6 Milliarden US-Dollar gehandelt.

… schwankt seit 15 Jahren stark: 2003 hatte er bei 200 Dollar pro Kilogramm gelegen, das Wachstumspotenzial für Flachbildbildschirme, Touchscreens, Notebooks und Solarenergie sowie die künstliche Verknappung der Förderung durch China ließ ihn 2004 auf 1200 Dollar steigen. Den Höchstpreisen folgte eine Angebotsschwemme. Im August 2017 fiel der Preis dann auf unter 200 US-Dollar pro Kilo. Ende 2017 kam es in der chinesischen Zinn-Industrie zu Förderausfällen von bis zu 20 Prozent. Seitdem steigt der Preis wieder und liegt zurzeit bei rund 300 Euro.

Die Nachfrage für Displays, Dünnschicht-Fotovoltaik und Halbleiter steigt. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Anbieter in China durch neue Umweltauflagen. Kanada, Belgien und Peru könnten zu den wichtigsten ITO-Herstellern aufsteigen. Das Recycling wird weiter ausgebaut, und es wird an Ersatzmaterialien geforscht. Deutlich günstiger als ITO ließen sich Alternativen aus Zinnoxid und Fluor oder Zinkoxid und Aluminium herstellen. Mit einem Durchbruch ist für die kommenden Jahre aber noch nicht zu rechnen. Negativ auf den Preis wirken auch die strategischen Reserven: Mehr als 3600 Tonnen vermutet man – das entspricht, bei der aktuellen Nachfrage, einer Liefermenge für die kommenden sechs Jahre. ---

Ordnungszahl im Periodensystem: 49
Elementsymbol: schwarz (Feststoff): In
Relative Atommasse: 114,81