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Sir Freddie Laker

Als Sir Freddie die erste Billig-Airline erfand, lernte er, was es bedeutet, mit mächtigen Gegnern zu tun zu haben.





• Am Boden zu bleiben war Freddie Laker schon immer schwergefallen. Während des Zweiten Weltkriegs flog er Transportmaschinen der Royal Airforce. Nach dem Krieg kaufte er alte Militärflugzeuge und durchbrach mit seiner Airline Aviation Traders die Blockade Westberlins durch die Sowjetunion. Später transportierte er mit der neuen Gesellschaft Channel Air Bridge Autos und Passagiere über den Ärmelkanal. In der Luft fühlte sich der Brite wohl. Und kaum einer kannte die Branche so gut wie er.

Anfang der Siebzigerjahre gründete Laker erneut eine – allerdings ganz andere – Fluggesellschaft. Passagiere brauchten für Laker Airways keine Reservierung, um an Bord zu gehen. Tickets konnten noch am Tag der Abreise gekauft werden, danach konnte es losgehen. „Wir haben jeden Tag 345 leere Sitze“, warb Freddie Laker. An Bord gab es keine Gratis-Snacks. Wer essen wollte, musste sich etwas von zu Hause mitbringen. Das Verrückteste aber waren Lakers Preise. Ein Flug von London nach New York kostete 59 Pfund, rund ein Drittel dessen, was British Airways oder Pan Am verlangten. So hat Laker das billige Fliegen erfunden – aber auch starke Gegner provoziert.


Wir haben jeden Tag 345 leere Sitze.

Beim ersten Linienflug am 26. September 1977 gab es lange Schlangen vor den Schaltern. Der Chef stand selbst an der Kasse, er liebte die Aufmerksamkeit. Eine BBC-Reporterin bemerkte an jenem Tag irritiert, es sehe in der Abflughalle von London-Gatwick wie in einem Flüchtlingslager aus, ein solches Durcheinander herrsche dort.

Die Flüge in einer DC-10 vermarktete Freddie Laker unter dem Namen Skytrain. Das war Programm: Es ging nicht darum, komfortabel zu fliegen, sondern billig. Damit wurde Laker populär. Der Labour-Premierminister James Callaghan empfahl der Queen, Laker zum Ritter zu schlagen, fortan durfte der sich Sir Freddie nennen. Die nachfolgende Premierministerin Margaret Thatcher outete sich als Laker-Fan.Geld verdiente der Billiganbieter auch noch. Bereits im ersten Jahr machte die Airline Gewinn. Daraufhin orderte Laker weitere Flugzeuge und steuerte bald auch Los Angeles und Florida an. Das war den Konkurrenten der etablierten Airlines endgültig zu viel. Sie senkten dramatisch ihre Preise, um gegen Laker anzukämpfen. British Airways bot plötzlich Sitze an, die nur fünf Pfund mehr kosteten als seine, dafür war eine Mahlzeit an Bord im Preis inbegriffen.

Als im Mai 1979 in Chicago eine DC-10 von American Airlines abstürzte und 273 Menschen ums Leben kamen, mussten vorübergehend alle Maschinen dieses Typs am Boden bleiben. Auch die von Laker. Das kostete den Pionier Millionen. Als er wieder fliegen durfte, stiegen weniger Passagiere bei ihm ein als zuvor: Die Boeing 747, mit der viele Konkurrenten flogen, galt als sicherer. Aber der Unternehmer machte weiter. Alles, was er an Geld verdiente, steckte er in die Expansion. Er verband auch bald Prestwick in Schottland mit New York und Tampa.

Dann rief seine Bank bei ihm an. Sie forderte, dass er fünf Millionen Pfund Schulden sofort, weitere fünf Millionen binnen einer Woche zurückzahlen solle. Sir Freddie sprach mit der Regierung, die Bank of England wurde eingeschaltet. Laker verhandelte mit den Geldgebern. Aber als die erfuhren, dass die Ticketverkäufe zurückgingen, brachen sie die Gespräche ab. Die Regierung entschied, keine Staatshilfe zu gewähren. Am Morgen des 5. Februar 1982 verkündete der Vorstand von Laker Airways: Das Unternehmen ist pleite.

17 Maschinen, die zu jener Zeit in der Luft waren, erhielten Order, zurück nach London zu fliegen. Die britische Flughafenverwaltung pfändete sogleich eine DC-10, um Geld für die Parkgebühren zu kassieren. 6000 Passagiere blieben irgendwo auf der Welt sitzen. Einige treue Kunden gründeten einen Laker-Fonds und schickten dem Insolvenzverwalter per Post Bargeld, um das Unternehmen zu retten. „Aber es war nicht genug, wir mussten alles zurückschicken“, erinnerte der sich später. Laker Airways wurde abgewickelt.

Doch ganz so schnell wollten sich nicht alle geschlagen geben. In den USA klagte der Insolvenzverwalter vor den Wettbewerbsbehörden gegen zwölf Unternehmen, denen er vorwarf, sich gegen Laker Airways verschworen zu haben – darunter Lufthansa, Swissair, British Airways, Pan Am, TWA, SAS, KLM. Der Kläger wollte eine Milliarde Dollar Schadenersatz von den Fluggesellschaften. Sie hätten sich abgesprochen, die Preise zu senken, um den Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Die Unternehmen stritten das ab. Am Ende einigte man sich auf einen Vergleich. Es wurden 65 Millionen Dollar gezahlt, der größte Teil davon kam den Gläubigern der bankrotten Airline zugute. Sir Freddie erhielt auch etwas: Acht Millionen Dollar, im Gegenzug verzichtete er auf weitere Forderungen.

Die Pleite hat der Mann, der sich gern einmal im Jahr einen Rolls-Royce kaufte, gut verkraftet. Er zog später auf die Bahamas und gründete dort wieder eine kleine Fluggesellschaft.

Laker starb im Jahr 2006 im Alter von 83 Jahren. Zu seinen Ehren taufte Sir Richard Branson, der Gründer von Virgin Atlantic, eine Boeing 747 auf den Namen „Spirit of Sir Freddie“. ---