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Kinemic

Gestensteuerung ist keine Science-Fiction mehr. Gründer aus Karlsruhe verbessern damit die Arbeitsabläufe in der Industrie.





• E-Mails mit dem Finger in die Luft schreiben oder durch Landkarten wischen, die virtuell vor dem eigenen Auge schweben? Das ist heute keine Fiktion mehr, sondern technisch möglich. Mit einem Armband, das die Gesten der Hand erkennt, und einer AR-Brille, die dem Nutzer eine optische Rückmeldung vor das Auge projiziert.

Das Start-up Kinemic aus Karlsruhe will die Technik überall dort einsetzen, wo Mitarbeiter freie Hände benötigen und deshalb nicht mit Tastaturen arbeiten können. In der Produktion, der Montage, in sterilen Arbeitsräumen oder in der Kfz-Werkstatt, wenn der Mechaniker ölverschmierte Finger hat.

Bei der Auto-Inspektion wird dem Mitarbeiter zum Beispiel eine Check-Liste auf ein Brillenglas projiziert. Mit einer Handbewegung springt er von Punkt zu Punkt. Ist der Vergaser in Ordnung? Dann macht er mit dem Finger einen Haken in die Luft. Hat er Öl nachgefüllt? Haken dran. Muss er eine neue Batterie bestellen? Dann schreibt er die Bestellung in die Luft und schickt sie ab.

2016 stellte Kinemic die Technik erstmals auf der Cebit vor. Der Gründer Christoph Amma hatte 2015 am Cognitive Systems Lab des Karlsruher Instituts für Technologie seine Dissertation über Handschrifterkennung mittels Bewegungsdaten geschrieben. Sein Kompagnon Marcus Georgi forschte dort an multimodaler Gestenerkennung. Für ihren ersten Kunden, den Schreibgeräte-Hersteller Stabilo, arbeiteten sie an einem digitalen Stift. Während der Nutzer damit schreibt, wird die Bewegung der Hand vermessen und das Geschriebene sofort digitalisiert. „Das war ein guter Einstieg“, sagt Georgi, „damals haben wir gemerkt, wie man aus der Technik ein Produkt macht.“

Mittlerweile gehen die Gründer regelmäßig in große Betriebe und schauen sich die Arbeitsprozesse an. Sie kooperieren mit einem Automobilhersteller, der unnötige Laufwege vermeiden will. Sie helfen einem Pharmakonzern bei der Arbeit im Reinraum. Und sie haben zusammen mit der Deutschen Bahn einen digitalen Assistenten entworfen, der Mitarbeiter im Außendienst unterstützt.

Bisher ist die Arbeit von Kinemic sehr individuell auf die Kunden zugeschnitten. „Die Hauptaufgabe besteht darin, die Gesten in die bestehende Betriebssoftware der Unternehmen zu integrieren“, sagt Georgi.

Im nächsten Schritt will Kinemic die Software standardisieren und ein sogenanntes Software Development Kit herausbringen, das auch andere Entwickler nutzen können. Es wäre das erste universell nutzbare Produkt von Kinemic und soll im Sommer auf den Markt kommen.

Dann wird auch die Smart-Home- Branche interessant, so wie es im firmeneigenen Video zu sehen ist. Die Anfangssequenz wurde bei Georgi im Schlafzimmer gedreht. Mit einem Fingerzeig durch die Luft schaltet er das Licht ein. ---

Kinemic GmbH
Christoph Amma, Marcus Georgi, Tomt Lenz, Fabian Winnen
Kontakt: info@kinemic.de
Firmenvideo: b1.de/kinemic_Firmenvideo
Video zum digitalen Assistenten der Deutschen Bahn: b1.de/kinemic_DB