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Hallo, ihr Lieben! Das hier ist ein voll interessantes Interview! Müsst ihr lesen! XOXO!

Wer Produkte bewertet, beeinflusst andere – Influencer haben daraus eine eigene Profession und eine der großen Marketinghoffnungen gemacht. Blogfoster.com will Ordnung in den seit Jahren boomenden Markt bringen. Ein Gespräch mit dem Mitgründer Jan Homann.





Das Unternehmen Blogfoster vermittelt zwischen Influencern und Werbetreibenden. Investoren sind unter anderem Axel Springer Plug and Play, Yabeo Capital, die IBB Beteiligungsgesellschaft sowie Nils F. Gläser. Außerdem kooperiert Blogfoster mit Agenturen wie zum Beispiel TBWA. Auf der Plattform sollen 10 000 Blogger und mehr als 25 000 Profile auf Facebook, Twitter, Instagram und Youtube registriert sein, ebenso circa 350 Agenturen und Unternehmen, die dort Kampagnen umsetzen. Blogfoster verspricht eine Reichweite von mehr als 40 Millionen Usern. Der Weltmarktführer Indahash vermarktet nach eigenen Angaben sogar den Zugriff auf rund eine halbe Million Influencer aus 70 Ländern. Die Reichweite liege im dreistelligen Millionenbereich.

brand eins: Herr Homann, Sie haben vergangenes Jahr in einem Wettbewerb über die kreativste Geschichte hinter einem Blogartikel abstimmen lassen. Gewonnen hat eine gewisse Jessica, die auf ihrem Kanal Jolimanoli über Entschleunigung und Kartoffelschälen als Lifestyle philosophiert. Ist das die Zukunft des Marketings?

Jan Homann: Natürlich gibt es das belächelte Klischee der Zahnspangen tragenden It-Girls. Davon mag man halten, was man will – nur sollte man eventuelle eigene Vorbehalte nicht leichtfertig zum Maßstab seiner Marketingentscheidung machen. Ich halte Influencer-Marketing für die größte Veränderung der Branche seit dem Übergang von Offline zu Online.

Zumindest scheinen viele Unternehmen darauf zu setzen: Nach einer Untersuchung der Werbeagentur Territory haben 70 Prozent der befragten Unternehmen einen Etat für Influencer vorgesehen. Und L’Oréal, das bei neuen Produkten schon länger auf Beeinflusser setzt, baut gerade eine Gruppe internationaler It-Girls zu Markenbotschafterinnen auf, darunter Lena Meyer-Landrut. Welche Marken sollen all die jungen Leute noch glaubhaft repräsentieren?

Es gibt noch unzählige Nischen, in die vorstoßen kann, wer sein Thema gefunden hat. Die Marken suchen Authentizität. Wer die glaubhaft verkörpern und die Community mitreißen kann, hat Chancen.

Kann man das lernen?

Wir haben dafür eigens eine Akademie gegründet, die vor allem Anfängern vermitteln soll, was erfolgreiche Influencer ausmacht. Dabei geht es auch um ethische Themen; etwa dass man Werbung als solche kennzeichnet und sich seine Follower nicht kauft. Die noch junge Branche muss um Qualitätsstandards ringen, wenn sie glaubwürdig bleiben will. In Russland gibt es zum Beispiel in Shopping Malls Automaten, an denen man Likes kaufen kann – das ist ein ernsthaftes Problem und schadet der gesamten Branche.

Vergütung, die Youtuber für Werbung auf ihren Kanälen pro tausend Kontakten erhalten, in Euro:  1-2
Geschätztes monatliches Einkommen der Youtuberin Bianca Heinicke (BibisBeautyPalace) durch Werbung und eigene Kosmetikprodukte, in Euro 110.000
Anteil der 14- bis 19-Jährigen, die 2016 ein Produkt kauften, weil eine prominente Person dafür geworben hat, in Prozent 50
Anteil der Frauen, die 2016 ein Produkt kauften, weil eine prominente Person dafür geworben hatte, in Prozent 20
Anteil der Männer, die 2016 ein Produkt kauften, weil eine prominente Person dafür geworben hatte, in Prozent 17
Anteil der weiblichen Influencer, in Prozent 68
Anteil der weiblichen Influencer, die pro Tag mindestens ein bis drei Posts veröffentlichen, in Prozent 47
Anteil der männlichen Influencer, die pro Tag mindestens ein bis drei Posts veröffentlichen, in Prozent 36
Anteil der weiblichen Influencer, die andere Social-Media-Nutzer als wichtigste Quellen zur eigenen Meinungsbildung angeben, in Prozent 62
Anteil der männlichen Influencer, die andere Social-Media-Nutzer als wichtigste Quellen zur eigenen Meinungsbildung angeben, in Prozent 48
Anteil der Influencer, die die Presse als die wichtigste Quelle zur eigenen Meinungsbildung angeben, in Prozent 3
Anteil der Influencer, die sich lieber an anderen Influencern orientieren als an traditionellen Medien, in Prozent 83
Anteil der sehr aktiven Influencer, die mehrere Stunden am Tag Onlinevideos schauen, in Prozent 55
Anteil der Influencer, die glauben, dass sie auch offline im Kreise ihrer Freunde beeinflussend wirken, in Prozent 88
Anteil der Marketingleute, die Influencer-Marketing für glaubwürdig halten, in Prozent 57
Anteil der Unternehmen, die im Jahr 2017 ein Budget für Influencer-Marketing bereitstellten, in Prozent 68

Zunächst einmal muss die Leistung einschätzbar sein. Gibt es Preislisten für diese Art Multiplikatoren?

Nein, dazu sind die Leistungen zu unterschiedlich, und die Preise variieren stark von Branche zu Branche. In der Biotechnik etwa gelten andere Kurse als im Schönheits-Segment. Grundsätzlich gilt: Die Bezahlung für Blogger und Influencer ist zum Teil sehr willkürlich. Deshalb nutzen wir einen Algorithmus und versuchen, anhand von historischen und aktuellen Daten über Follower, Interaktionen und weiteren Kennzahlen ein unserer Meinung nach faires Honorar zu berechnen.

Wie hoch ist ein faires Honorar?

Das hängt zum Beispiel davon ab, welche Reichweite Sie wollen. Grundsätzlich ist unser Tool für alle Arten von Kampagnen geeignet, aber speziell für solche im größeren Maßstab mit vielen Influencern sinnvoll, die Preise beginnen hier fünfstellig. Verglichen mit Werbung bei Facebook oder in traditionellen Kanälen wie dem Fernsehen, ist das bei gleicher Reichweite günstig.

Wie kommen Sie an die Daten, mit denen Ihr Algorithmus den fairen Preis berechnen soll?

Jeder Influencer kann sich bei uns registrieren, wenn er uns Zugriff auf seinen Account ermöglicht, den wir dann mit den gängigen Programmen wie zum Beispiel Google Analytics, aber auch mit eigenen Analyse-Tools auswerten. Damit sichern wir uns verlässliche Daten – aber unsere Auswertung nützt auch dem Durchleuchteten: Er erfährt, wie lange die Nutzer auf der Website bleiben, über welches Endgerät sie zugreifen, aus welchen Ländern sie kommen – vor allem bieten wir ihm Vergleiche mit den Erstplatzierten im vergleichbaren Segment an und zeigen, was diese anders machen. Aus den gesammelten Daten berechnen wir dann das Preisangebot.

Wie läuft dann eine Kampagne über die Plattform?

Die Unternehmen geben auf der Website ein, welches Budget sie einsetzen wollen, wählen Sprachen und Märkte aus, den Zeitraum und die Währung. Die passenden Angebote der Influencer werden dann anhand der gewünschten Reichweite ausgewählt. Der Kunde stellt ihnen dann ein konkretes Briefing zur Verfügung, etwa die Zahl der Worte, Schlüsselwörter und was ausdrücklich nicht geschrieben werden soll.

Und dann machen die Influencer, was ihnen richtig erscheint? Ohne Einfluss der Marketingabteilung?

Unsere Erfahrung nach mehr als 20 000 Kampagnen ist, dass eine gemeinsame Kreation am erfolgreichsten ist. Die Marke steckt einen Rahmen ab und lässt den Influencern dann viel Freiheit, um innerhalb dieser Planken eigene Inhalte zu generieren. Die Influencer, die bei einer Kampagne mitmachen wollen, schicken uns ihr inhaltliches Konzept. Es wird teilautomatisiert kontrolliert, ob die beschriebenen Anforderungen eingehalten wurden. Dann erhalten die Influencer nach 30 Tagen ihre Gutschrift. Das Einzige, was sich unsere Kunden vorbehalten, ist, Beiträge, die nicht gefallen, zurückzuhalten. Der Influencer wird dann aber trotzdem bezahlt.

Da machen die Marketingverantwortlichen mit?

Die Marketer müssen lernen, die Kontrolle etwas aus der Hand zu geben. Die größte Schwierigkeit ist für viele, sich von ihren persönlichen Vorstellungen zu lösen. Das betrifft zum einen die bereits genannten Vorbehalte gegen gewisse Klischees. Wir hatten aber auch schon Fälle, in denen die Verantwortlichen die Blogger allein danach ausgesucht haben, ob deren Hintergrundfarbe zur Markenfarbe gepasst hat. Das ist natürlich Wahnsinn. ---