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Leichte Sprache

Die Leichte Sprache nimmt den Inhalt ernst, aber nicht schwer. Das kann erhellend sein. Hier die Übersetzung einiger Absätze der Erzählung „Gerächt“ von Thomas Mann.





[…] Als ich Dunja Stegemann kennenlernte, war ich zwanzig Jahre alt und von extremer Gimpelhaftigkeit. Emsig damit beschäftigt, mir die Hörner abzulaufen, war ich weit von der Vollendung dieses Geschäftes entfernt.

Meine Begierden waren zügellos, ohne Skrupel gab ich mich ihrer Befriedigung hin, und mit der neugierigen Lasterhaftigkeit meiner Lebensführung verband ich aufs Anmutigste jenen Idealismus, der mich zum Beispiel die reine, geistige – aber absolut geistige – Vertrautheit mit einer Frau innig erwünschen ließ.

– Was die Stegemann anging, so war sie zu Moskau von deutschen Eltern geboren und dortselbst, oder doch in Russland, aufgewachsen. Dreier Sprachen, des Russischen, Französischen und Deutschen, mächtig, war sie als Gouvernante nach Deutschland gekommen; aber mit artistischen Instinkten ausgestattet, hatte sie diesen Beruf nach einigen Jahren fahren gelassen und lebte nun als intelligentes und freies Frauenzimmer, als Philosophin und Junggesellin, indem sie eine Zeitung zweiten oder dritten Ranges mit Literatur- und Musikberichten versah.

Ich habe mal eine Frau getroffen.
Die Frau hieß Dunja Stegemann.
Damals war ich 20 Jahre alt.
Und damals wusste ich noch nichts vom Leben.
Aber ich wollte das Leben genießen.
Ich habe mit vielen Frauen geschlafen.
Aber ich habe auch eine andere Frau gesucht.
Eine Frau nur zum Reden.
Keine Frau fürs Bett.
Die Eltern von Dunja Stegemann waren Deutsche.
Dunja Stegemann ist in Russland aufgewachsen.
Sie wurde dort in der Stadt Moskau geboren.
Dunja Stegemann konnte drei Sprachen sprechen:
Russisch, Französisch und Deutsch.
In Deutschland hat sie erst als Lehrerin gearbeitet.
Das hat sie ein paar Jahre bei reichen Leuten daheim gemacht.
Danach hat sie für eine Zeitung gearbeitet.
Da hat sie Texte über Bücher und über Musik geschrieben.
Sie war damals nicht verheiratet.

Sie war dreißig Jahre alt, als ich, am Tage meiner Ankunft in B., an der spärlich besetzten Table d’hôte einer kleinen Pension mit ihr zusammentraf: – eine große Person mit flacher Brust, flachen Hüften, hellgrünlichen Augen, die keines verwirrten Ausdrucks fähig waren, einer übermäßig aufgeworfenen Nase und einer kunstlosen Frisur von indifferentem Blond. Ihr schlichtes dunkelbraunes Kleid war so schmuck- und koketterielos wie ihre Hände. Noch niemals hatte ich bei einer Frau eine so unzweideutige und resolute Hässlichkeit gesehen. […]

Ich habe sie in der Stadt Berlin getroffen.
Damals war sie 30 Jahre alt.
Wir saßen am Ess·Tisch in einem kleinen Hotel.
Sie war groß.
Aber sie hatte kleine Brüste und einen kleinen Po.
Ihre Augen waren grün.
Ihre Nasen·Löcher waren sehr groß.
Ihre Frisur und ihr Kleid waren nichts Besonderes.
Sie hat keine Ringe getragen.
Ich fand die Frau sehr hässlich.