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Wolf Lotter

Alle Versuche, den Hunger in der Wohlstandsgesellschaft zu verdrängen, machen ihn nur größer.




1. Dietland

Na, noch hungrig? Vielleicht ein wenig Appetit? Dann schalten Sie den Fernseher ein. Nach spätestens zehn Minuten haben Sie genug.

Was sehen wir? Eine dicke, junge Frau steht vor einem Gebirge aus Zucker, Muffins, Törtchen, Lollis, Sahne, Fett und Schokolade, und entschlossen beginnt sie, diesen gewaltigen Berg auf allen vieren zu erklimmen. Auf einem immer steiler werdenden Fels aus rosa Zucker kämpft sie sich höher und höher, vorbei an Verlockungen aller Art und den verführerischen Bildern schlanker junger Mädchen und sportlicher Jungs.

Mit jedem Klimmzug verliert sie Gewicht, wird dünner – und damit, so ist es in unseren Zeiten ausgemacht, schöner und begehrenswerter. Nun schaut man nicht mehr betreten weg, wenn sie kommt, sondern ihr nach, die gezeichneten Jungs erwachen zum Leben und folgen ihr. Sie klettert sich begehrenswert.

Doch Alicia „Plum“ Kettle, so heißt die junge Dame aus der amerikanischen Fernsehserie „Dietland“, die wir gerade sehen, dreht sich nicht um nach ihnen. Dafür hat sie keine Zeit, keinen Kopf und zusehends auch keine Kraft mehr. Immer steiler wird die Wand der Begehrlichkeiten, immer dürrer und kraftloser stemmt sich Plum weiter nach oben.

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