Hohner

Promis wirken in der Werbung häufig wenig glaubwürdig. Es sei denn, ihre Beziehung zum Produkt ist echt – so wie bei den Markenbotschaftern des Instrumentenherstellers Hohner.





Christian Dehn, 55, bei Hohner für Marketing und Vertrieb zuständig, freut sich über den neuesten Fang: Billy Joel hat sich zu einer „Signature Edition“ bereit erklärt. Demnächst wird eine nach ihm benannte Mundharmonika auf den Markt kommen wie schon zuvor bei Bob Dylan, Steven Tyler und Ozzy Osbourne (der „Fürst der Finsternis“ bekam ein Futteral in Sargform). Künstler für die Werbung einzuspannen liegt nahe, schließlich hat Hohner Musikgeschichte geschrieben. Dehn will mit diesem Pfund stärker wuchern, denn: „Unsere Story ist einmalig.“

Tatsächlich schafft es das mehr als 160 Jahre alte Unternehmen, Superstars gegen vergleichsweise geringe Lizenzgebühren zu gewinnen. Um die Beziehungen zu Profimusikern zu pflegen, lädt man sie regelmäßig ins Werk ein. Sie sollen die Mitarbeiter in ihrem Stolz auf die Produkte bestärken; fürs Publikum werden die Vorstellungen live gestreamt.

Hohner zeigt, dass starke Marken enorme Schrumpfungsprozesse überstehen können: Die Firma hatte zu Hochzeiten 5000 Mitarbeiter, heute sind es rund 200. In den Achtzigerjahren stand das Unternehmen vor der Pleite, bis es in die Hände eines taiwanesischen Investors fiel. Ein Glücksfall, denn der neue Eigentümer blieb Hohner treu und „lässt uns große Freiheiten“ (Dehn).

Die Firma produziert in der von ihr geprägten „Musikstadt“ Trossingen im Schwarzwald nach wie vor Mundharmonikas mit viel Handarbeit in zahlreichen Varianten; die Akkordeon-Herstellung wurde ins italienische Castelfidardo verlagert, das für dieses Instrument berühmt ist.

Gutes Handwerk bildet von Beginn an Hohners wirtschaftliche Grundlage, allerdings ist der Kampf um die Kunden mühsamer geworden. Mundharmonika und Schifferklavier sind hierzulande nicht die angesagtesten Instrumente. Um den Nachwuchs vom Gegenteil zu überzeugen, hat Hohner zusammen mit der Hochschule für Künste in Bremen ein leicht zu tragendes und zu erlernendes Akkordeon für Vier- bis Siebenjährige entwickelt, das im Frühjahr auf den Markt kommen soll. „Wir wollen Kindergartenkinder spielerisch an das Instrument heranführen“, sagt Dehn. Die nötigen Fachkräfte bildet das Hohner-Konservatorium aus. Es wird zu je einem Drittel von der Firma, der Stadt und dem Landkreis getragen – das Unternehmen lebt seit je in enger Symbiose mit der regionalen Politik.

Bei Mundharmonikas und Akkordeons gehobener Qualität ist Hohner laut Dehn zwar nach wie vor Weltmarktführer, doch die Märkte sind ebenso geschrumpft wie die Firma. Umso dankbarer ist man über Vorbilder wie den ehemaligen Straßenmusiker Michael Hirte, der in der Castingshow „Supertalent“ entdeckt wurde, als „Mann mit der Mundharmonika“ Karriere machte – und den Umsatz mit dem Instrument nach oben trieb.

Seit seinem Eintritt in die Firma vor vier Jahren nimmt Christian Dehn Mundharmonika-Unterricht. Über seine persönlichen Fortschritte sagt er bescheiden: „Da ist noch Luft nach oben.“ ---

Matthias Hohner wird Unternehmer, weil er seine schwangere Freundin heiraten möchte – dazu muss der 24-Jährige nach damaligem Recht eine Existenz nachweisen. So macht er sich 1857 in Trossingen als „Mundharfenmacher“ selbstständig. Die nötigen Kenntnisse guckt er sich in der Werkstatt eines ehemaligen Schulkameraden ab. Mit Erfolg: Hohner wird zum größten Mundharmonikafabrikanten der Welt – auch weil er früh auf den Export in die USA setzt, wo das billige und handliche Instrument vor allem bei Blues- und Country-Musikern ankommt. Ab 1906 produziert Hohner auch Akkordeons. Als die Harmonika aus der Mode kommt, gerät die Firma in Schwierigkeiten. Man versucht sich mit anderen Instrumenten, doch ohne ökonomischen Erfolg. Ende der Achtzigerjahre gibt die Familie Hohner die Mehrheit der Firma an einen Investor ab, der den Schlagzeughersteller Sonor zukauft. 1997 übernimmt der taiwanesische Instrumentenhersteller KHS die Anteile, später die ganze Firma.

Matthias Hohner GmbH

Mitarbeiter: 202; Umsatz 2017: 39,5 Millionen Euro; Gewinn: 1,7 Millionen Euro