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© Anjoy Restaurant

Foodstagramming

Manche Restaurants setzen auf perfekt inszenierte Speisen, um im Netz Kunden zu gewinnen. Mithilfe von Foodstagramming. Sechs Beispiele.




1. Das vietnamesische Restaurant „Anjoy“ in Berlin

Die fliegenden Nudeln aus Asien sind nun auch in Deutschland gelandet. Im Restaurant Anjoy im Prenzlauer Berg kann man „Flying Noodles“ bestellen. Es scheint, als flögen die Stäbchen über dem Teller, und die Reisbandnudeln schwebten in der Luft. Der Trick: Die Nudeln hängen über einem Gestell. Begeistert von dem Bild, zücken die Gäste ihre Smartphones und verbringen die nächsten Minuten damit, das Essen und die Lokalität in Netzwerken wie Instagram unter den Schlagworten #foodporn, #yummy oder #delicous in Szene zu setzen. Wenn es ans Essen geht, sind die Nudeln vermutlich kalt. Aber das Instagrammen beschert dem Anjoy – das den Nudelflug seit November 2016 anbietet – so viel Aufmerksamkeit, dass die Mitarbeiter am Telefon nur wortkarg Auskunft geben: „Wir brauchen keine Werbung mehr.“ Allein unter #flyingnoodle sind bereits mehr als 5000 Bilder zu finden.

2. „Dirty Bones“ in England

Als sehr „instagrammable“, also besonders geeignet, gepostet zu werden, gilt das britische Lokal Dirty Bones mit Ablegern in London und Oxford. Das Unternehmen ist voll auf die Generation Selfie ausgerichtet. Inneneinrichtung und Rezepte wurden so konzipiert, dass sie in dem Bilderstrom auf Instagram auffallen. Die Burger sind so schön ausgeleuchtet wie Models auf dem Catwalk, fotogene Teller kommen mit fein angerichteten Speisen aus der Küche. Praktischerweise erhält jeder Gast ein Instagram-Kit. Es besteht aus einer tragbaren LED-Leuchte, einem Selfie-Stick für Aufnahmen aus der Vogelperspektive und speziellen Aufsteck-Linsen für die Handykamera. 

Mehr als 12 500 Bilder sind unter dem Hashtag #dirtybones zu finden. Man sieht rosafarbene Cocktails mit weißer Schaumdecke, auf deren Glasrändern sich Zuckerperlen wie ein Regenbogen entlangschlängeln. Oder auch gebackene Waffeln, auf denen frittierte Hähnchenstücke drapiert sind – und darauf ein Spiegelei in Kreisform mit perfekt beschnittenem weißem Rand.

3. The Tea Terrace“ in London

An der Oxford Street kann man sich selbst aus der Kaffeetasse trinken. Kunden schicken per SMS oder Whatsapp ein Foto an den Barista, der das Bild mit einer speziellen Maschine verarbeitet. Innerhalb weniger Minuten druckt diese mit geschmacksneutraler Lebensmittelfarbe das verblüffend realitätsgetreue Porträt auf den Milchschaum des „Selfieccinos“. Beliebt sind auch „Puppyccinos“ genannte Hundefotos oder der „Babyccino“ zu Ehren des Nachwuchses. Auf Facebook wirbt The Tea Terrace so: „Wenn Sie nicht genug haben können von Ihrem kleinen Baby, kommen Sie @theteaterrace, und trinken Sie es!“ Mehr als 3000 Fotos mit verliebten Pärchen, süßen Vierbeinern oder Happy-Birthday-Wünschen sind unter #selfieccino zu finden. Seit Einführung des Services im Dezember 2017 soll der Kaffee-Umsatz des Lokals um 30 Prozent gestiegen sein.

© Avocado Club Berlin

4. „The Avocado Show“ in Amsterdam

Das niederländische Restaurant hat sich auf Avocados spezialisiert, weil die als gesund gelten – und sich gut in Szene setzen lassen. Zum Beispiel als Burger: Die beiden Avocadohälften ersetzen das Brötchen. Ein großer Vorteil von The Avocado Show: Weil die namensgebende Frucht sehr beliebt ist, taucht das Restaurant bei Suchen nach Avocados prominent auf. Im Instagram-Feed gibt es unter #avocado rund neun Millionen Fotos. Inzwischen sind auch Nachahmer wie der ebenfalls fotogene, im Industrial Design gehaltene „Avocado Club Berlin“ auf den Plan getreten. Betonwände, nackte Glühbirnen, die von der Decke hängen, ein massiver Holztresen, zarte rosa Akzente hier und da und Grünpflanzen für den urbanen Dschungel-Schick. In dem Restaurant stehen Kreationen wie Avocado-Stampfkartoffeln mit karamellisiertem Rosenkohl oder Avocado-Mousse-au-Chocolat mit Himbeerkonfitüre auf der Karte.

© Frittenwerk

5. „Frittenwerk“

Wer auf Instagram Erfolg haben will, muss ein hübsches – oder ein sehr spezielles Produkt – im Angebot haben. Beim Frittenwerk mit derzeit sieben Filialen in mehreren deutschen Städten sind das Pommes frites mit farbenfrohen Zutaten wie Guacamole, Pulled Pork oder Schokoladeneis statt Ketchup. Unter #frittenwerk haben Gäste schon mehr als 14 000-mal ihre Snacks mit ihren Mitmenschen geteilt. Dazu zählen Pommes mit Chili con Carne und Cheddarkäse oder solche mit Zitroneneis, Kirschen und einem Klecks grünem Pesto obendrauf. Besonders beliebt ist das kanadische Nationalgericht „Poutine“: Pommes mit schmelzenden Mozzarella-Stückchen. Die Käsepommes werden zusätzlich noch mit heißer Bratensoße übergossen. Viele mögen das: Bei Instagram sind unter #poutine mehr als 640 000 Beiträge zu finden.

6. Das „Lumina“ und „Blue Sky“ in Tel Aviv

Am weitesten gehen diese israelischen Restaurants mit dem Projekt „Foodography“. Eine Reihe von Gerichten steht allein deshalb auf der Speisekarte, um fotografiert und auf Instagram geteilt zu werden (#fdgr). Ein Food-Fotograf gibt den Gästen Tipps für bestmögliche Aufnahmen. Zwei spezielle Teller sorgen für die perfekte Kulisse. Der eine heißt „The 360°“ und ist mit einer Smartphone-Halterung ausgestattet, dank der sich das Essen aus allen Perspektiven aufnehmen läst. „The Limbo“ hat einen Schlitz, in den das Smartphone passt: Die Entfernung der Handykamera wird beim Anrichten der Speisen berücksichtigt. Das Licht im Restaurant ist gefiltert, um optimale Voraussetzungen für das Fotografieren zu schaffen. Es ist nicht zu empfehlen, die Restaurants hungrig zu besuchen. ---