Partner von
Partner von

Blick in die Bilanz: Western Union

Seit mehr als 150 Jahren schicken Auswanderer mit der Western Union Company Bargeld in Milliardenhöhe nach Hause. Ein Auslaufmodell in Zeiten digitaler Zahlungsmethoden?





Western Union ist ein Riese im Transfergeschäft. Jährlich überweisen überwiegend Auswanderer über die weltweit gut 550 000 Zahlstellen des US-Geldhauses rund 82 Milliarden Dollar an Angehörige in ihrer Heimat. In Nordamerika oder Europa wird ein, in sich noch entwickelnden Ländern wie Indien, Mexiko, auf den Philippinen oder in Osteuropa ausgezahlt. Denn oft verfügen weder der Absender noch der Empfänger über ein Bankkonto. Western Union kassiert für jeden Transfer eine Gebühr und kam mit 276 Millionen Transaktionen im Jahr 2017 auf einen Umsatz von 5,5 Milliarden Dollar. Moneygram, der größte Wettbewerber, schaffte nur 1,6 Milliarden Dollar. Dennoch war 2017 für den Marktführer kein besonders gutes Jahr, das Umsatzwachstum lag bei mageren zwei Prozent. Unterm Strich entstand ein Verlust von 557 Millionen Dollar.

Sorgen muss man sich trotzdem nicht. Der Verlust ist Sonderfaktoren geschuldet: zum einen eine hohe Steuerrückstellung, zum anderen Wertberichtigungen in Höhe von 464 Millionen Dollar in der Sparte Business Solutions, also Zahlungsverkehrs-Angebote, die sich an Geschäftskunden richten. In dem Markt erwies sich die Konkurrenz durch Banken und Startups als zu stark, zuletzt rutschte der Bereich sogar in die roten Zahlen. Western Union war dort eingestiegen, weil das Volumen von Transfers durch Auswanderer weltweit stagnierte.

 

Nun konzentriert sich die Firma wieder auf das Geschäft mit den Auswanderern, und ihre Chancen stehen gut. Zwar bleibt der Transfer-Markt volatil. Nach zwei Jahren der Schwäche stieg das Volumen zuletzt wieder an. Die Weltbank warnt aber: Vorkehrungen gegen Geldwäsche sowie die politische Stimmung gegen Zuwanderer werden die Geldflüsse beeinträchtigen. Länder wie die USA, Großbritannien und Saudi-Arabien bemühen sich schon jetzt, ausländische Arbeiter loszuwerden. Doch für Western Union hat diese Entwicklung einen Vorteil: Sie hält die digitale Konkurrenz, Startups wie Transferwise oder Azimo, auf Abstand. Deren Geschäftsmodelle funktionieren über das Versprechen geringer Provisionen und über hohe Volumina. Wachsen sie nicht, kommen sie aus den roten Zahlen nicht heraus. Anders Western Union: In Jahren ohne Sonderfaktoren verdienen sie üppig, die operative Marge (operatives Ergebnis als Anteil vom Umsatz) liegt dann bei 23 Prozent.

Die Amerikaner sind so profitabel, weil sie durch ihre lange Tradition auch dort präsent sind, wo digitale Technik noch fehlt, etwa in Teilen Afrikas oder Lateinamerikas. Das Geschäft betreiben kleine Händler vor Ort, die als Zahlstellen für Western Union fungieren und Bares bereitstellen. Konkurrenz? Fehlanzeige. Entsprechend hoch sind die Gebühren, die der Finanzriese verlangen kann, sie betragen bis zu 20 Prozent der Transfersumme. Allerdings spürt Western Union trotzdem die zunehmende Konkurrenz: In den vergangenen zehn Jahren sind die Gebühren für private Geldtransfers laut der Weltbank im Schnitt um fast ein Viertel gesunken. Daher bauen auch die Amerikaner zügig eine Internet-Plattform auf. Der Umsatz dort wuchs 2017 mit 24 Prozent pro Jahr. Er macht mittlerweile zehn Prozent der gesamten Consumer-to-Consumer-Erlöse aus.

Der große Vorteil, den Western Union gegenüber der Internet-Konkurrenz hat: Die Firma ist unabhängig. Während Transferwise, der größte unter den digitalen Western-Union-Konkurrenten, Ende 2017 erneut Mittel von Investoren in Anspruch nehmen musste, dieses Mal in Höhe von 280 Millionen Dollar, erwirtschaftete der Traditionsanbieter weit mehr als das Doppelte aus eigener Kraft. 736 Millionen Dollar betrug der operative Cashflow. Mehr als genug, um die jährlichen Investitionen zu finanzieren, die zuletzt zwischen 150 und 100 Millionen Dollar schwankten – und die Konkurrenz in Schach zu halten. --

Western Union wurde 1851 gegründet und stellte zehn Jahre später die erste landesweite Telegrafenlinie fertig. Das Unternehmen baute schnell ein Monopol für Telegrafen, Telegramme, später Faxe und seit 1871 für Geldüberweisungen auf. Heute können die Kunden, meist Arbeitsmigranten, in 200 Ländern an mehr als 550 000 Zahlstellen und 150 000 Geldautomaten Bargeld ein und auszahlen. Der Sitz des in New York börsennotierten Konzerns ist in Colorado, er beschäftigt weltweit rund 10 000 Mitarbeiter.