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Erben und Vererben





Summe der Erbschaften und Schenkungen in Deutschland im Jahr 2015, in Milliarden Euro: 102

Höhe des vererbten Vermögens, das im Jahr 2015 in Deutschland an Enkel ging, in Milliarden Euro: 0,96
Höhe des vererbten Vermögens, das im Jahr 2015 in Deutschland an Ehepartner ging, in Milliarden Euro: 2,97
Höhe des vererbten Vermögens, das im Jahr 2015 in Deutschland an Kinder ging, in Milliarden Euro: 19,35
Durchschnittlicher Anteil von Sachwerten am Wert des Erbes in Deutschland, in Prozent: 10
Durchschnittlicher Anteil von Geld am Wert des Erbes in Deutschland, in Prozent: 43
Durchschnittlicher Anteil von Immobilien am Wert des Erbes in Deutschland, in Prozent: 47

Anteil der steuerpflichtigen Erbschaften und Schenkungen in Deutschland im Jahr 2015, in Milliarden Euro: 35
Festgesetzte Steuer auf Erbschaften und Schenkungen in Deutschland im Jahr 2015, in Milliarden Euro: 5,5

Summe der privaten Geldvermögen in Deutschland im Jahr 1949, in Milliarden Euro: 13
Summe der privaten Geldvermögen in Deutschland im Jahr 2015, in Milliarden Euro: 5200
Summe der privaten Geldvermögen der reichsten zwei Prozent der Haushalte in Deutschland im Jahr 2015, in Milliarden Euro: 3440
Anteil der Menschen in Deutschland mit einem Geldvermögen von mehr als einer Million Euro, die angeben, dass Erbschaft ein relevanter Grund für ihren Wohlstand ist, in Prozent: 67

Zahl der Länder, die die Erbschaftsteuer für direkte Erben seit 2000 abgeschafft haben: 11
Höchststeuersatz für direkte Erben in Italien, in Prozent: 4
Höchststeuersatz für direkte Erben in Deutschland, in Prozent: 30
Höchststeuersatz für direkte Erben in Japan, in Prozent: 55

Psychologe, verheiratet, drei Kinder
Protokoll: Julia Friedrichs

„Als es um die Frage ging, ob wir uns eine Immobilie kaufen, hatten wir kaum Eigenkapital. Meine Frau und ich waren zwar berufstätig, doch nach der Geburt der Kinder hatte jeder ein paar Monate ausgesetzt. Außerdem mussten wir relativ viel für die Miete zahlen und haben viel für gutes Essen ausgegeben, besaßen aber kein Auto. Es hat mich sehr erstaunt, dass wir so wenig zurückgelegt hatten: nur etwa 25 000 Euro. Wir hätten uns unsere Wohnung also niemals allein leisten können, denn sie hat mehr als eine halbe Million Euro gekostet. Aber wir wollten in der Stadt bleiben. Die Alternative wäre gewesen, in einen Vorort zu ziehen. Mein Vater hat sofort gesagt: ,Nehmt die Wohnung‘, und mehr als die Hälfte des Kaufpreises übernommen. Das Bankdarlehen für den Rest hätten wir ohne dieses vorgezogene Erbe niemals bekommen. Es ist wie bei fast allen meinen Nachbarn. Wir leben hier durch das Geld der Vorgängergeneration.

Meine Eltern hatten überhaupt kein Problem damit. Ich aber schon, und zwar aus drei Gründen. Erstens habe ich ihnen gegenüber ein schlechtes Gewissen. Meine Eltern mischen sich nicht in unser Leben ein, aber ich frage mich: Wie kann ich ihnen danken? Ich versuche, viel für sie da zu sein. Mein Vater will, dass wir an den Wochenenden zum Kaffee kommen. Anfangs habe ich mich sehr verpflichtet gefühlt, das auch immer einzuhalten. Aber das wiegt es natürlich nicht auf.

Zweitens fällt es mir schwer, zu akzeptieren, dass ich es nicht aus eigener Kraft geschafft habe. Ich bin Akademiker wie meine Eltern. Sie waren in ähnlichen Berufen tätig, aber sie haben viel mehr verdient. Als Kinder haben wir gut gelebt und sind viel gereist. Meine Eltern haben ihr Haus abbezahlt, eine Praxis und eine zusätzliche Wohnung. Und ihnen bleibt genug Geld, um mich und meine Geschwister zu unterstützen. Und ich?

Wenn alles nach Plan läuft, habe ich den Kredit für die Wohnung abbezahlt, wenn ich 75 Jahre alt bin. Sie wird das Einzige sein, was ich weitergeben kann. An  drei Kinder. Ich glaube, dass wir die Generation sind, die das Geld verbraucht.

Mein drittes Problem ist das schlechte Gewissen jenen Freunden gegenüber, die auch arbeiten, aber nichts erben. Eine Freundschaft ist daran schon kaputtgegangen: Ein Freund, der Tischler ist, hat uns viel beim Ausbau geholfen. Als alles fertig war, warf er uns vor, dieses Viertel sei ein Besserverdienenden-Getto. Bei der Einweihungsparty hat er sich betrunken und die Nachbarn beleidigt. Seither versuche ich gegenüber Freunden zu verheim-lichen, was das hier gekostet hat. Es ist mir peinlich. Ich bin jetzt Teil der Gentri-fizierung, möchte es aber auf keinen Fall sein. Am 1. Mai demonstriere ich jetzt quasi gegen mich selbst. Ich verhalte mich nicht nach meinen Idealen.

Ich bin der Meinung, dass ein Erbe wie meines eigentlich besteuert werden müsste, dass man den Reichtum teilen muss. Gleichzeitig aber lebe ich gerne hier, mitten in der Stadt. Aber wer weiß schon, wie es geworden wäre, wenn wir uns nur das geleistet hätten, was wir aus eigener Kraft hätten finanzieren können? Dann würden wir jetzt in einem Fertighaus am Stadtrand wohnen. Das wäre nicht so schön. Aber wahrscheinlich wären wir da auch glücklich geworden.“ --