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Kostenloser Strom

Der Strompreis an den Börsen sinkt immer häufiger unter null. Dennoch winken glänzende Geschäfte. Nur für wen?





• Kostenloser Strom, so viel die Steckdose hergibt? Im US-Bundesstaat Texas ist das Realität. Kunden des Anbieters First Choice Energy können mit dem Tarif „Power-To-Go Free Weekends“ am Wochenende die Klimaanlage nach Herzenslust hochdrehen, den Pool heizen oder das Licht in allen Zimmern brennen lassen. Der Konkurrent TXU Energy offeriert „Free Nights“ und lässt die Abnehmer sogar entscheiden, zu welcher Uhrzeit diese beginnen.

Diese Köder sollen die Nachfrage auf jene Zeiten lenken, in denen die Anbieter mehr Energie als genug in den Netzen haben. Texas ist Vorreiter beim Ausbau der Windenergie. Bläst der Wind kräftig – im Westen des Staates ist das vor allem nachts –, sinken die Großhandelspreise oft auf null oder sogar darunter.

Für Holger Krawinkel sind das „Vorboten dessen, was auch hierzulande über kurz oder lang eintreten wird, da die bisherige Form der Preisbildung mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien nicht mehr funktioniert“. Er leitet bei der MVV AG in Mannheim, einem der führenden deutschen Stromversorger, die neu geschaffene Stabsstelle Costumer Experience. Dass sich die Branche um Kundenerfahrungs-Management kümmert, deutet darauf hin, dass in der Welt hinter der Steckdose einiges durcheinandergeraten ist. Bislang bestand der einzige Kontakt zum Kunden nicht selten im Zustellen der jährlichen Abrechnung. Strom gilt als die Mutter aller Commodities: ein Produkt, das der Kunde weder sieht noch fühlt – und das nur anhand des Preises oder der Art der Erzeugung unterschieden werden kann.

Das Problem der Branche zeigte sich besonders deutlich am 8. Mai vergangenen Jahres. An diesem Tag erreichte die erneuerbare Energieproduktion erstmals die Leistung sämtlicher konventioneller Kraftwerke in Deutschland.

Der massive Ausbau der Erneuerbaren führt teilweise zu enormen Überkapazitäten. Deutschland, das Land mit dem größten Stromverbrauch in Europa, exportiert seinen Strom mittlerweile in neun Nachbarstaaten.

Stromnachfrage in Deutschland zu Spitzenzeiten, in Gigawatt: 80

Nennleistung sämtlicher Erzeugungsanlagen im deutschen Strommarkt inklusive der erneuerbaren Energien, in Gigawatt: 200

Zudem stammt der Strom nicht mehr nur aus den rund 400 Kraftwerken, die ihn, auf die Nachfrage abgestimmt, in die Netze speisen, sondern aus unzähligen Solarmodulen und Windrädern, die liefern, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht. Am 8. Mai 2016 gab es so viel davon, dass die Leipziger Strombörse einen Preis von 130 Euro für eine Megawattstunde auswies – als Kosten für die Kraftwerksbetreiber, die sie an die Abnehmer zahlen mussten. Das ist kein Einzelfall, jüngst war der Strompreis, etwa am 30. April, für einige Stunden negativ.

Zahl der Solaranlagen in Deutschland: 1.500.000
Zahl der Windräder in Deutschland: 28.000

Spätestens an dieser Stelle kommt der Privatkunde ins Grübeln, denn gegen null tendieren seine Abrechnungen nicht, und er bekommt auch kein Geld für seinen Verbrauch wie Großabnehmer. Privatleuten werden Durchschnittspreise und nicht die aktuellen Spot-Preise der Börse berechnet. Dazu kommen noch Netzentgelte, die EEG-Umlage und Steuern. In der Folge steigen die Preise auf der einen Seite – auch wenn sie auf der anderen fallen.

Vegane Energie? Oder lieber feminine?

Wer neidisch nach Texas schaut, sollte Folgendes wissen: Von den 6,3 Millionen Haushalten des unabhängigen Netzbetreibers Ercot buchten dort bis Ende 2016 nur rund 331 000 einen Tarif mit Gratisstrom. Das „freie“ Wochenende lohnt sich für die meisten nicht, weil dafür der Strompreis unter der Woche steigt. Viele Durchschnittshaushalte könnten auch gar nicht so viel verbrauchen, damit sich das Angebot lohnt, nicht jeder hat einen Pool zu heizen.

Auch hierzulande müssen sich die Anbieter einiges einfallen lassen, um ihren Strom loszuwerden. Das treibt mitunter Blüten: Der Anbieter Enermy vermarktet „Frauenpower“ („Weil wir Frauen zusammenhalten – auch in der Energiewirtschaft“) und kauft Strom nur bei von Frauen geführten Unternehmen. Der Tarif „Vegane Spezialitäten“ vermeidet das Tierwohl gefährdende Techniken – nur die Geothermie gilt als unbedenklich. Der Konkurrent Lichtblick buhlt mit „Strom09“ („Volle Pulle Zukunft“) in Schwarz-Gelb um die Fans von Borussia Dortmund, für die Anhänger des FC St. Pauli gibt es „Kiez-Strom“ („Besser ist das“).

Und es wird noch besser: Davon ist jedenfalls Holger Krawinkel überzeugt. Er prophezeit eine Welt, in der es Strom im Überfluss und nahezu umsonst gibt. Die reine Lieferung trete in den Hintergrund, das künftige Geschäft der Energieversorger werde im „Ausbalancieren von Angebot und Nachfrage“ bestehen. Sein Unternehmen würde dann zu einem Manager des Überflusses. Es würde erneuerbare Energie auf vielfältige Weise in Wohn- und Bürogebäuden sowie in Industriebetrieben erzeugen. Und mehr oder weniger autarke Energiesysteme mit innovativen Speichern in Einfamilienhäusern, Stadtquartieren oder Betrieben steuern. Vielleicht gäbe es für all das Flatrate-Angebote wie fürs Telefonieren.
In solchen Szenarien denken nicht nur die Manager der Stromkonzerne, sondern auch die der Automobil- oder der IT-Industrie.

Die Theorie

Populär gemacht hat die Idee einer Welt im Energieüberfluss Jeremy Rifkin mit seinem 2014 erschienenen Buch „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“. Demnach werden in 25 Jahren die Grenzkosten für den Großteil der weltweiten Energie bei fast null liegen. Die Mehrproduktion von Strom verursache keine weiteren Kosten, jede zusätzlich erzeugte Kilowattstunde Wind- oder Solarenergie sei dann so etwas wie die Kopie einer Software – also quasi umsonst. In Rifkins Null-Grenzkosten-Welt wäre jeder Quadratmeter Gebäudeoberfläche mit Solarmodulen oder anderen Energie erzeugenden Elementen versehen, jedes Haus, jeder Straßenbelag diente der Stromproduktion. Zudem würden Informationstechnik und erneuerbare Energien zu einem Energie-Internet verschmelzen.

Ein Schlaraffenland, eine faszinierende Idee, vor allem im Kontrast zu qualmenden Kraftwerksschloten. Das Szenario ist aber aus mehreren Gründen mit Vorsicht zu genießen.

Umsonst, aber nicht zum Nulltarif

Tobias Kurth, Geschäftsführer des Unternehmens Energy Brainpool in Berlin, hält Rifkins Annahme für wenig realistisch. Ja, im Unterschied zu konventionellen Kraftwerken, bei denen für jede Einheit Strom Kosten für zusätzliches Brennmaterial anfallen, stehen Wind und Sonnenenergie quasi umsonst zur Verfügung. Kurth: „Nur weil Strom nichts kostet, gibt es ihn nicht auch automatisch zum Nulltarif.“

Energy Brainpool ging 2003 mit einer der ersten Spot-Preisprognosen auf den Markt. Die Firma entwickelt Algorithmen, mit denen sich künftige Strompreise anhand verschiedener Szenarien vorhersagen lassen, und betätigt sich als Berater im Stromgeschäft in Deutschland und Europa. Nach Ansicht von Tobias Kurth überschätzt Rifkin einen entscheidenden Akteur: den Kunden.

„Das Szenario klingt ja schön, aber die Frage ist: Will sich der Verbraucher überhaupt um diese Dinge kümmern?“ Kurth verweist darauf, dass heute noch die Hälfte aller Privatkunden Grundversorgungstarife mit ihren Stromanbietern abgeschlossen haben. „Die teuersten Tarife überhaupt, da lässt sich schon ein gewisses Maß an Bequemlichkeit beobachten.“ Tobias Kurth bezweifelt, dass sich die Leute künftig um hochkomplexe Probleme wie Peer-to-Peer-Verteilung, Speichermodule oder die Installation und Wartung von Solaranlagen kümmern wollen. „Realis-tisch ist doch eher, dass jemand diese Aufgaben übernehmen wird.“ Die interessante Frage sei daher: „Wer wird dieser Jemand sein?“

Da fallen einem zuerst die Stromkonzerne und Stadtwerke ein. Vielleicht liefern aber auch Telefongesellschaften oder die Hersteller von Elektroautos den Strom gleich mit. Denkbar wäre auch ein Handelsunternehmen wie Amazon und wir mit unseren Daten, der Energieverbrauch erlaubt schließlich tiefe Einblicke in unser Leben und damit maßgeschneiderte Angebote, etwa für den Tausch des alten Kühlschranks gegen ein stromsparenderes Gerät.

Die Praxis

Denkbar ist vieles, machbar noch wenig. Auch deshalb, weil die verheißungsvolle Energiezukunft erst einmal viel kostet. In Texas lässt sich das gut beobachten. Dort sagt Paul Wattles: „Bei der Frage nach kostenloser Energie geht es um mehr als nur um kostenlose Erzeugung.“ Er ist beim Netzbetreiber Ercot, der zugleich die zentrale Abrechnungsstelle für alle Stromanbieter im Staat ist, für Marktdesign und Entwicklung zuständig. Das Unternehmen hat große Investitionen zu stemmen: „Wir müssen eine neue Infrastruktur entwickeln, Zähler, Masten und Verteilernetze aufbauen und instandhalten.“

Die Überkapazitäten durch den Ausbau erneuerbarer Energiequellen verlangen nach intelligenten Netzen, die Angebot und Nachfrage im Minutenrhythmus ausbalancieren. 2005 beschloss die texanische Regierung, den gesamten Bundesstaat mit vernetzten Stromzählern auszurüsten, damit Erzeuger und Anbieter schnell auf Schwankungen reagieren und den Verbrauch zeitnah verrechnen können. Die Zähler messen und melden im 15-Minuten-Takt den Verbrauch in jedem texanischen Haushalt. Ercot verwendet als Clearingstelle diese Werte, um so schnell wie möglich zwischen Erzeugern und Anbietern abzurechnen. In Deutschland werden die Zählerstände noch von Hand abgelesen – einmal im Jahr.

In Texas existiert dagegen bereits eine eng vernetzte Strombörse, die nicht nur Erzeuger und Anbieter, sondern auch 24 Mil- lionen Kunden als Sensoren eines kontinuierlichen Feedback-Kreislaufs einbindet. „Jeder Kunde kann diese Daten einsehen und abrufen. Für die einen ist es ein Spielzeug wie der persönliche Fitness-Tracker, für andere ein nützliches Werkzeug, um das Konsumverhalten zu beobachten und anzupassen“, sagt Wattles.

Von der Vision einer grünen Energiewirtschaft, in der alle am selben intelligenten Netz hängen und über das Strom wie Informationen frei fließen, ist man aber auch in Texas noch weit entfernt. Denn dafür müssten Haushalte nicht nur billige oder gar kostenlose erneuerbare Energie beziehen, sondern sie auch selbst erzeugen und ins Netz einspeisen.

Das Auto als Nachtspeicherofen

An diesem Thema arbeiten auch Automobilhersteller wie Mercedes-Benz und Tesla. Die Hersteller wollen ein Angebot aus einer Hand schaffen, das Solarzellen auf dem Dach, Speichermodule im Haus sowie Ladesäulen und Elektrofahrzeug umfasst und obendrein die nötige Software, um all diese Komponenten effizient zu verwalten. Elektromobile könnten die Nachtspeicheröfen des 21. Jahrhunderts werden.

Der Tesla-Gründer Elon Musk enthüllte vergangenen Oktober in einer Filmkulisse in Hollywood eine Kombination aus Solarziegeln und einem Speichermedium namens Powerwall. Mercedes-Benz ist mit seinen Speicherlösungen bislang in Deutschland, den Benelux-Ländern, Großbritannien und Südafrika auf dem Markt und will im Frühjahr auch in den USA und Australien Präsenz zeigen.

Partnerschaft statt Wettbewerb

Die Automobilhersteller denken ziemlich genau in jene Rich-tung, in der auch die traditionellen Stromkonzerne ihre Zukunft sehen. Vor diesen neuen Konkurrenten sorgt man sich bei Innogy – einem Spin-off des RWE-Konzerns – aber nicht. Auf das Beispiel Mercedes-Benz angesprochen, sagt der dortige Innovationschef Thomas Birr mit einem Grinsen: „Davon haben wir natürlich gehört, in Deutschland arbeiten wir beim Thema Stromspeicher nämlich mit Daimler zusammen.“

Wie RWE haben die meisten der großen Konzerne das „alte“ Geschäft ausgegliedert. Eon überführte seine Kraftwerke in das Unternehmen Uniper. Ein Hospiz, das nun Sterbebegleitung leisten wird, zumindest wenn es beim Atomausstieg bleibt und die Weltgemeinschaft es mit dem Pariser Klimaabkommen halbwegs ernst meint.

In optimistischen Schätzungen wird das Jahr 2025 als Zeitpunkt genannt, in denen keine fossilen Energieträger mehr benötigt werden. Deutschland will diesen Schritt bis 2050 gehen. Auch deshalb scheint fraglich, ob Energie künftig tatsächlich im Überfluss vorhanden sein wird. Zahlreiche konventionelle Kraftwerke werden abgeschaltet, gleichzeitig steigt der Bedarf an Strom, etwa durch die zunehmende Elektromobilität.

Die einstigen Platzhirsche der Branche müssen sich trotzdem radikal ändern. Thomas Birr sagt, dem Wechsel von RWE zu Innogy sei ein Wandel in der Kultur vorausgegangen: „Wir mussten vom Sockel runter, dass wir alles wissen und allein tun können.“ In der Zukunft gelte es unter anderem, die richtigen Partner zu finden. „Wir können nicht alles selber machen.“ Neben der Kooperation mit Mercedes-Benz hat Innogy auch ein Projekt mit Vodafone: Straßenlaternen werden mit Aufladestationen für Smartphones und Notrufsäulen versehen. Mit Samsung entwickelt man Angebote rund um die Themen Sicherheit und Schließtechnik für Häuser. Und mit Nest, der Tochtergesellschaft der Holding Alphabet, zu der auch Google gehört, vermarktet Innogy Lösungen zur Steuerung von Heizungen. Birr spricht von „ganz coolen Geschäftsmöglichkeiten“. Auch dank der Pfunde, mit denen der Konzern wuchern kann: von der Produktion erneuerbarer Energien und europaweit mehr als 23 Millionen Kunden bis zu 570 000 Kilometern eigener Netzleitungen.

Das Unternehmen kauft sich auch in die Energiewelt von morgen ein. Eine Innogy-Beteiligung, die sächsische Heliatek, ent- wickelt zum Beispiel organische Solarfolien, mit denen sich Fassaden oder Fahrzeuge zur Energiegewinnung großflächig bekleben lassen. Eine weitere Beteiligung, das estnische Start-up Planet OS, unterstützt mit Mikrowettervorhersagen die lokalen Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen, damit die ihre Windräder zum Beispiel nicht gerade dann wegen einer routinemäßigen Wartung stilllegen, wenn sich gerade Starkwind ankündigt. Eine der großen Herausforderungen sieht Birr darin, dass man es künftig noch häufiger mit sogenannten Prosumern zu tun haben werde: Menschen, denen man einerseits Strom liefere, die man gleichzeitig aber auch bei der Produktion, Speicherung und Vermarktung des eigenen Stroms unterstütze.

Ob alle diese Aktivitäten dazu führen, dass die Stromanbieter von heute auch die von morgen sein werden, ist für Tobias Kurth von Energy Brainpool ungewiss. „Wir haben vor fünf Jahren gewarnt, dass es die großen Stromkonzerne in Europa in zehn Jahren vielleicht nicht mehr geben wird, wenn sie sich nicht bald grundsätzlich neu aufstellen. Das Risiko besteht immer noch.“

Die fünf größten Energieversorger geben sich Mühe, am Ball zu bleiben. So kooperiert Eon mit Google und bietet seinen Kunden an, mithilfe der Daten des Internet-Riesen potenzielle Erträge aus Solaranlagen am Standort vorherzusagen. Kurth sieht aber für alle ein fundamentales Problem: „Die Energieversorger haben kaum eine Ahnung, wer ihre Kunden sind, was sie wollen oder was hinter den Stromzählern passiert.“

Er fragt sich außerdem, ob Unternehmen, deren Geschäftsmodell in den vergangenen 100 Jahren auf einer monopolähnlichen Marktposition und großen, zentralen Kraftwerken beruhte, jetzt in ein kleinteiliges und dezentrales Geschäft wechseln können. „Das ist vergleichbar mit der Vorstellung, dass die traditionellen Hersteller von Telefonzellen nun ganz schnell das neue iPhone erfinden sollen.“ Sie müssten zu diesem Zweck Mitarbeiter und Kunden überzeugen sowie die Schnellsten auf dem Markt sein – lange aber taten die großen Konzerne nach Meinung von Kurth vor allem das Gegenteil: Sie verteidigten ihr althergebrachtes Geschäft, protegiert von der Politik, die in den Bundesländern um ihre Ausschüttungen aus den kommunalen Beteiligungen an den Unternehmen fürchtete.
Fragt man Kurth, ob er meint, dass die großen Konzerne für die Zukunft noch zwingend gebraucht würden, dann antwortet er diplomatisch: „Nicht unbedingt.“

Energieautonomie als Statussymbol

Das sieht Holger Krawinkel von der MVV AG naturgemäß anders. Dem Zwang zum Umdenken stimmt er aber zu: „Wir lösen uns von der alten Logik eines Energiekonzerns.“ Was er damit sagen will? „Wir denken nun vom Kunden her, seinen Bedürfnissen und Anforderungen nach Zuverlässigkeit und Autonomie.“

Im traditionellen Verständnis eines Energiekonzerns erscheint es irrational, dass die Kundschaft autonom sein möchte. Der Strom wird ja verlässlich geliefert, es gibt also keinen Grund, dieses funktionierende Modell zu ändern. Außer dem einen eben, dass der Kunde es so will. Und dem anderen, dass Anbieter wie MVV künftig sonst kein Geld mehr verdienen.

Die eigene erneuerbare Energieversorgung könnte schon bald zum Statussymbol werden. „Einige Menschen zeigen dann ihre neue Solaranlage auf dem Dach vor wie heute noch das neue Auto“, sagt Krawinkel. Und entsprechend, so sein Wunsch, würden sie dafür auch bezahlen.

Bei der MVV ist die Innovationsabteilung direkt mit der für die Kundenerfahrung verknüpft. „Bei neuen Ideen für Produkte oder Dienstleistungen testen wir zunächst, ob die Kunden das wirklich wollen“, sagt Krawinkel. Die Vermarktung erledigt häufig die Tochterfirma Beegy, die beispielsweise das Geschäft mit den smarten Solarstromsystemen übernimmt.

Krawinkels erstes Projekt auf dem Weg zum Energiegeschäft der Zukunft war übrigens ein eher banales Angebot – allerdings eines auf ausdrücklichen Wunsch der Kunden: endlich eine verständliche Stromrechnung. ---