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Blick in die Bilanz: Vestas

Der dänische Vestas-Konzern, Weltmarktführer beim Bau von Windkraftparks, verdankt seinen Aufstieg nicht zuletzt hohen Subventionen. Die laufen in Kürze aus.





• 2016 war ein glänzendes Jahr für Vestas: Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro, der operative Gewinn (Earnings before Interest and Taxes, EBIT) sogar um 65 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, was einer Marge von 13,9 Prozent entspricht. Die Dänen stellen damit sämtliche Konkurrenten in den Schatten, niemand erlöste mit Wind mehr auf der Welt, keiner verdient besser. Allerdings geht es dem Rest der Branche auch nicht schlecht. Die Nummer zwei, General Electric, kam mit ihrer Sparte Renewable Energy auf Umsätze von 8,6 Milliarden Euro und eine EBIT-Marge von 6,4 Prozent, bei Siemens waren es im Windkraftgeschäft knapp 6 Milliarden Erlöse und eine Marge von 7,8 Prozent. Einzig der chinesische Konkurrent Goldwind ist mit 12,5 Prozent EBIT-Marge ähnlich profitabel wie Vestas, erlöste mit umgerechnet 3,6 Milliarden Euro aber deutlich weniger.

Die gesamte Branche profitiert seit Jahren von den enormen staatlichen Subventionen, mit denen erneuerbare Energien in aller Welt gefördert werden. Sowohl in China als auch in Europa erteilten Betreiber von Windparks Rekordaufträge dank hoher, teilweise staatlich garantierter Einspeisevergütungen. Auch in den USA lief das Geschäft rund, dort winken besondere Steuervorteile für Auftraggeber, wenn sie die Windkraftanlagen vorfinanzieren. Vor allem dadurch erklärt sich eine ungewöhnliche Position in der Vestas-Bilanz: „Prepayments from customers“ – Kundenanzahlungen also – in Höhe von drei Milliarden Euro. Das ist fast so viel wie das Eigenkapital der Firma.

Dank der staatlichen Unterstützung verdienten die Windradbauer nicht nur gut, es gelang ihnen auch, Windkraft wettbewerbsfähig zu machen. Die Stromgestehungskosten an Land lagen 2015 im weltweiten Durchschnitt bei 0,06 Dollar je Kilowattstunde (kWh). Zum Vergleich: Fossile Brennstoffe (Erdöl, Gas, Kohle) kommen auf 0,045 bis 0,14 Dollar / kWh, Geothermie auf 0,08 Dollar kWh, Wasserkraft auf 0,05 Dollar kWh. Zwar lief der Prozess nicht reibungslos. 2012 führten Überkapazitäten und billigere Konkurrenz aus China zu einem drastischen Preisverfall, der auch Vestas mit einem Verlust von 963 Millionen Euro tief in die roten Zahlen drückte.

Doch aus dieser Krise gingen die Dänen gestärkt hervor. Sie strafften die Produktpalette, schlossen 12 der 31 Produktionsstandorte und trennten sich von einem Drittel ihrer Belegschaft. Schon 2013 sank der Verlust auf 82 Millionen Euro, seither geht es bergauf. Vestas stieg zum größten ausländischen Anbieter in China auf, installierte dort zuletzt 8,7 Prozent ihrer neuen Anlagen, gut 40 Prozent in Europa, Afrika sowie dem Nahen Osten und knapp 50 Prozent in den USA, Kanada und Brasilien. Umsatz und Gewinn legten zweistellig zu, die Eigenkapitalquote erholte sich von 23 auf 32,6 Prozent.

Ein Glück für Vestas, denn inzwischen werden weltweit die Subventionen gekürzt. In Deutschland laufen die Staatstarife für Einspeisungen ins Stromnetz 2019 aus, was den jährlichen Zubau neuer Windparks laut Expertenschätzungen nahezu halbieren wird. In China war die Zahl der Neuinstallationen schon 2016 rückläufig, in den USA macht Donald Trump sich für Kohle statt für erneuerbare Energien stark, die Steuererleichterungen enden 2020. Vestas investiert daher in wachstumsträchtige neue Geschäfte – etwa das sogenannte Repowering, der Ersatz alter durch moderne Generatoren, die Entwicklung von Industriebatterien oder Serviceangebote wie das Management von Windparks. Allein in den vergangenen zwei Jahren übernahmen die Dänen zwei Dienstleister, Upwind Solutions in den USA und Availon in Deutschland, die heute zusammen 13 Prozent zum Umsatz beitragen. Für weitere Zukunftsprojekte sind sie gut gerüstet: Der Zufluss an Liquidität (Operating Cashflow) war 2016 mehr als doppelt so hoch wie die Investitionen. ---

Vestas wurde 1945 von Peder Hansen in Westjütland unter dem Namen Vestjysk Staalteknik als Hersteller von Haushalts- und landwirtschaftlichen Geräten gegründet. 1979 stieg die Firma in den Bau von Windturbinen ein, fusionierte 2004 mit der ebenfalls dänischen NEG Micon zum größten Anbieter von Windanlagen weltweit. Insgesamt hat der inzwischen börsennotierte Konzern knapp 60 000 Windturbinen in 76 Ländern installiert und beschäftigt knapp 22 000 Mitarbeiter.