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Wesco

Wie macht man sich mit profanen Produkten einen Namen? Die Mülleimer-Macher von Wesco wissen, wie’s geht.





• Es ist wieder Weihnachtsmarkt vor der Villa Wesco, einem illuminierten Gebäude aus dem Jahr 1920 auf dem Firmengelände in Arnsberg an der Ruhr. Neben Glühwein und Kinderpunsch gibt es Produkte aus der sauerländischen Region. „Alles geschmackvoll und cosy“ – darauf legt Egbert Neuhaus, 64, geschäftsführender Gesellschafter von Wesco wert. Dass die Leute einmal zum „Marken-Erlebnis-Zentrum“ eines Mülleimer-Herstellers pilgern würden, daran war nicht zu denken, als der Ökonom auf Wunsch seines Vaters im Jahr 1980 in die Firma eintrat, die dieser 1976 aus der Insolvenz übernommen hatte. Als langjähriger Mitarbeiter glaubte der Senior Josef Neuhaus an das Traditionsunternehmen, vor allem an dessen Kompetenz bei Haushaltsgegenständen aus Metall.

Eine Idee des Juniors trug dann wesentlich zum Aufschwung bei. Egbert Neuhaus waren als Austauschschüler in Texas die großen amerikanischen Mülleimer aufgefallen. Die könnte man in besserer Qualität für den deutschen Markt herstellen, so sein Plan. Der Vater war zunächst skeptisch, rang sich dann aber durch, die nötigen Mittel für Werkzeuge zur Herstellung des neuen Produktes lockerzumachen. Eine lohnende Investition: Der Pushboy genannte Abfalleimer aus pulverbeschichtetem Stahlblech wurde zum Bestseller und hat sich bis heute rund 1,2 Millionen Mal verkauft.

Die Sauerländer verwandelten einen profanen Gegenstand in ein Designobjekt. Und begründeten auf dieser Idee und dem amerikanischen Retro-Stil mit weichen runden Formen und kräftigen Farben eine stetig wachsende Produktfamilie aus Küchenutensilien. Dazu zählen neben rund 50 verschiedenen Abfallsammlern allerlei Brotkästen – das Modell Grandy hat es bis in den Shop des Museum of Modern Art in New York gebracht – und mittlerweile auch Grills. Das gewagteste Modell im Sortiment ist ein Spaceboy genannter Mülleimer in Raketenform, zu dem der Chef bei einem Besuch in Cape Caneveral inspiriert wurde. Dank solcher Ideen und des Know-hows der 150 Jahre alten Firma hielten die Sauerländer die Konkurrenz auf Abstand.

„An unsere Qualität kommen die Nachahmer nicht ran“, sagt Neuhaus. Abgemahnt werden Plagiatoren trotzdem, dafür ist seine Frau Silvia, 59, zuständig, die Juristin ist. Der Sohn und designierte Nachfolger Hendrik, 28, leitet die Produktentwicklung und hat eine zweite Villa Wesco im mallorquinischen Santa Maria del Camí aufgebaut. „Aus Kunden sollen Fans werden“, das ist die Leitidee des Familienbetriebs. So gibt es auch einen eigenen Villa-Wesco-Club mit 28 000 Mitgliedern; Hauptzielgruppe sind Frauen.

Was aber, wenn bei denen der Retro-Stil irgendwann nicht mehr ankommt? Egbert Neuhaus weiß natürlich, dass „Trends kommen und gehen“ und wäre, so sagt er, für den Fall des Falles vorbereitet. So sind auch schon einige eher unauffällige Produkte mit klarer Kante im Angebot – die aber, wie er verrät, „derzeit noch nicht so gut laufen“. ---

Martin Westermanns 1867 gegründete Klempnerei entwickelt sich zu einem Betrieb zur Herstellung von Blechen für Haushaltswaren. 1911 wird die Marke Wesco angemeldet, nach dem Ersten Weltkrieg der erste Ascheimer hergestellt. Während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt Wesco Zwangsarbeiter; im Jahr 2000 zahlt die Firma 50 000 D-Mark in einen Fonds zur Entschädigung noch lebender Opfer ein. In der Nachkriegszeit stellt man Radiatoren her und profitiert vom Bau-Boom. Als der abflaut, gerät Wesco in die Krise. Josef Neuhaus rettet sie 1976 und konzentriert sich auf Haushaltswaren. Zupass kommt ihm in den Achtzigern die Mülltrennung: Wesco bringt als erster Hersteller den „Öko-Doppelsammler“ auf den Markt. Egbert Neuhaus erfindet Wesco mit dem Pushboy neu und wird 1990 Chef. 1991 gründet er eine Tochterfirma im Erzgebirge mit heute hochmoderner Produktion.

M. Westermann & Co. GmbH

Mitarbeiter: rund 250
Umsatz (2016): rund 50 Mio. Euro