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Reisen mit oder ohne App

Unser Autor überlässt im Urlaub ungern etwas dem Zufall.





Wie ich verreise:

Zuerst verbringe ich mehrere Stunden damit, die optimale Flugverbindung zum besten Preis zu recherchieren. Hilfreich ist dabei die Google-Flugsuche, die mir ungefragt anzeigt, dass ich Geld sparen kann, wenn ich einen Tag früher fliege oder zu einem benachbarten Flughafen. Um auch die Ausbeute an Flugmeilen zu optimieren, nutze ich die Website Wheretocredit.com, die mir genau zeigt, bei welcher Fluglinie ich am meisten herausschlagen kann.

Vor der endgültigen Buchung schaue ich auf Flightstats.com nach, wie pünktlich diese Verbindung statistisch gesehen ist. Wer will schon einen notorisch verspäteten Flug buchen? Welche Sitzplätze in der jeweiligen Maschine die besten sind, verrät mir die Website Seatguru.com. Sollte keiner meiner Wunschsitzplätze frei sein, stelle ich mir in der App TripIt einen Alarm ein, der mich benachrichtigt, falls sich das ändert.

Erzähle ich Mitreisenden von meiner Art der Reisevorbereitungen, sehen mich diese meist an, als sei ich verrückt. Bitte! Sollen sie doch direkt neben der Toilette oder auf einem Fensterplatz ohne Fenster sitzen.

Auch bei der Hotelbuchung überlasse ich nichts dem Zufall: Klar, selbst Anfänger vergleichen inzwischen Bewertungen auf Buchungsportalen von Booking.com bis Trivago. Angesichts von Schreckensmeldungen über gefälschte Online-Reviews ziehe ich auch die Seiten HotelGuru und TripExpert hinzu, die professionelle Bewertungen aus Reiseführern und Magazinen zusammenstellen. Die Websites TripAdvisor und Holidaycheck haben den Vorteil, dass sie Fotos zeigen, die andere Reisende gemacht haben. Diese sind schwieriger zu fälschen als Bewertungen und aufschlussreicher als die makellosen Aufnahmen der Selbstpräsentationen der Hotels.

Habe ich mich für ein Hotel entschieden, schaue ich mir mit Google Streetview das Gebäude und die Umgebung an – direkt neben der Autobahn oder der Kläranlage sollen andere, schlechter vorbereitete Reisende schlafen. Nicht ich. Gebucht wird am Ende auf der Website Room77. Die verrät ihren Kunden, welches Zimmer im betreffenden Hotel das beste und größte mit dem schönsten Ausblick ist.

Eine der unerfreulichsten Überraschungen: Das Gepäckband am Flughafen stoppt – und man ist der einzige Idiot, der noch davorsteht. Ich brauche also einen Bluetooth-Tracker, mit dem ich mein Gepäck jederzeit orten kann. Es gibt unzählige, und sie tragen unförmige Namen wie Trakdot oder LugLoc – doch welcher davon funktioniert auch wirklich? Selbstverständlich verlasse ich mich nicht allein auf die Amazon-Nutzerbewertungen. Ich bin schließlich kein Hinterwäldler, den man erst gestern ins Internet gelassen hat. Die Seiten Reviewmeta.com oder Fakespot.com analysieren stattdessen für mich, wie glaubwürdig die jeweiligen Reviews sind. Sie werten dazu die anderen Bewertungen der Nutzer aus – und warnen bei auffällig vielen Jubelarien, wenn jemand nur Produkte einer Firma bewertet, oder bei anderen Hinweisen auf bezahlte Schummeleien. Bei manchem angeblichen Fünf-Sterne-Koffertracker bleiben nach der Korrektur nur noch drei oder weniger Sterne übrig. Datengestütztes Misstrauen, komfortabel per Mausklick. Wie haben die Menschen früher nur ohne überlebt?

Am Tag der Reise nutze ich Google Maps, um die zu erwartende Anreisedauer zum Flughafen auf die Minute genau zu berechnen. Dank der App MiFlight kann ich vorab sehen, wie lang die Schlange an der Sicherheitskontrolle ist – zumindest bei häufiger frequentierten Flughäfen.

Falls die Strecke zu kurz ist für einen Flug, hat sich übrigens Blablacar bewährt, eine Online-Mitfahrzentrale, bei der man aussuchen kann, ob man mit einem rasanten oder einem eher gemäßigten Fahrer unterwegs sein will. Auch hier also keine Überraschungen.

Bin ich schließlich vor Ort, gehe ich nicht in irgendein Restaurant, sondern suche per Foursquare und Yelp die besten und klicke und wische mich durch die Fotos ihrer Gerichte. Damit ich beim Essen in einer fremden Stadt nicht zufällig auf Facebook-Freunde oder andere Menschen treffe, mit denen ich zwar online verbunden bin, aber keinesfalls im echten Leben Smalltalk betreiben möchte, nutze ich Hell Is Other People. Diese App zeigt mir an, wenn „Freunde“ in meiner Nähe sind, und ermöglicht es mir, ihnen aus dem Weg zu gehen, gibt meinen Standort aber nicht preis.

Zu guter Letzt: Sollte ich auf Reisen überraschend eine öffentliche Toilette benötigen, kann ich die nächstgelegene mit der App SitOrSquat: Restroom Finder orten. Programmiert hat sie ein Toilettenpapierhersteller.

Wie mein Vater verreist:

Er setzt sich auf sein Rennrad. In seinem Rucksack hat er nur das Nötigste an Kleidung, in seiner Trikottasche einen Zettel mit der groben Reiseroute: Ortsnamen mit Kugelschreiber untereinander aufgelistet. Dann fährt er los. Am frühen Nachmittag fängt er an, sich nach einem Quartier umzusehen, wenn er eine größere Ortschaft passiert. Spätestens um 17 Uhr hat er eines gefunden – bisher jedes Mal. Er duscht, zieht sich um, ruht sich kurz aus und geht dann in einem nahegelegenen Lokal etwas essen, das von außen einen akzeptablen Eindruck macht. Am nächsten Tag geht es genau so weiter.

Mein Vater ist ein sehr zufriedener Mensch. Ich weiß nicht, wie er das macht. ---