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Activision Blizzard

Mehr als zwei Milliarden Menschen begeistern sich weltweit für Computerspiele. Die Zahlen des größten unabhängigen Anbieters Activision Blizzard zeigen allerdings: Das Geschäft ist kein Kinderspiel.





• 2016 war ein Rekordjahr für Activision Blizzard, den mit 6,6 Milliarden Dollar Jahresumsatz und knapp einer Milliarde Dollar an jährlichem Gewinn größten unabhängigen Computerspiel-Konzern der Welt. Laut Geschäftsbericht verbrachten Kunden in 196 Ländern rund 43 Milliarden Stunden mit den unterschiedlichen Gaming-Angeboten des US-Unternehmens. Dieses Jahr dürften es noch mehr werden. Die Erlöse stiegen in den ersten sechs Monaten 2017 um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf fast 3,4 Milliarden Dollar, wovon vor Steuern 746 Millionen Dollar als Gewinn übrig blieben – das entspricht einer Marge von üppigen 22 Prozent. Selbst für die bekanntermaßen profitable IT-Industrie ist das beachtlich. Google liegt gleichauf, Activision Blizzard-Konkurrent Nintendo bei rund 19 Prozent, Konzerne wie Sony oder Microsoft, die auch im Spiele-Business groß sind, liegen deutlich darunter.

Doch das Niveau zu halten ist harte Arbeit. Das zeigt ein Blick in die Ergebnisse der drei Sparten: Activision, Blizzard und King. Erstere entwickelt vor allem Spiele für Konsolen, darunter Blockbuster wie Call of Duty; Blizzard bedient den Markt für Computerspiele, allen voran das weltweit beliebteste MMORPG (Massively Multiplayer Online Role-Playing Game, bei dem Spieler aus aller Welt gegeneinander antreten), World of Warcraft sowie den Bestseller Overwatch; King schließlich steht für mobiles Gaming, etwa mit dem beliebten Candy Crush. Doch von den drei Sparten wächst nur noch eine, nämlich King.

Der Hauptgrund: Das Geschäft verlagert sich, Konsolen verlieren Marktanteile, Computer und Smartphones gewinnen, Letztere am schnellsten. Darunter litten die Geschäfte sowohl bei Activision (Umsatzeinbuße: 23,1 Prozent) als auch bei Blizzard (minus 2,8 Prozent). Hinzu kommt bei beiden ein Problem: Call of Duty und Overwatch verkauften sich schlechter, fanden weniger Neukunden und sorgten für weniger Erlöse durch Verkäufe von Zusatzleistungen während des Spiels (bessere Ausrüstung für die Spieler wie etwa Waffen). Von ihnen ist Activision Blizzard aber extrem abhängig: Call of Duty, World of Warcraft, Overwatch und Candy Crush liefern gemeinsam 69 Prozent der Konzernerlöse und laut Geschäftsbericht einen noch höheren (allerdings nicht bezifferten) Gewinnbeitrag.

Der Konkurrenz geht es nicht anders, die Kunden entscheiden sich für wenige Spiele, an denen Millionen teilnehmen. Um regelmäßig neue Episoden für die Blockbuster zu liefern, investierte Activision Blizzard im ersten Halbjahr dieses Jahres 478 Millionen Dollar in Forschung und Entwicklung, das sind 14,2 Prozent des Umsatzes – ein Wert, der sonst nur bei Pharmafirmen oder bei Google üblich ist. Außerdem erwarb die Firma 2016 einen der Marktführer bei mobilen Spielen, King Digital Entertainment, für 5,9 Milliarden Dollar (in der Bilanz per Mitte 2016 verbucht in den Positionen Sonstiges, immaterielle Vermögenswerte und Goodwill, die dadurch stark anstiegen). King lieferte mit einem Plus von 38 Prozent ein sehr gutes Umsatzwachstum. Die Frage ist allerdings, wie lange noch. Denn selbst bei King schwächelt eine wichtige Kennzahl: Die Zahl der Monthly Active Users (MAU) fiel im Vergleich zum Vorjahr von 409 auf 314 Millionen. Ein Indiz dafür, dass das Spiele-Repertoire veraltet.

Activision Blizzard baut daher ein neues Geschäft auf, E-Sport: Computerspiele werden dabei vermarktet wie Sportarten. In Stadien treten die besten Spieler und Teams gegeneinander an, auf riesigen Bildschirmen verfolgen Zuschauer die virtuellen Kämpfe, es gibt Kommentatoren und Übertragungen im Internet und im Fernsehen. Vor allem Asiaten lieben E-Sport, ihr Olympisches Komitee nahm ihn als offizielle Disziplin in die Asienspiele 2022 auf. Ein Etappensieg für Activision Blizzard: Noch erlösen sie im Asien-Pazifik-Raum vergleichsweise wenig – aber der dortige Markt wächst schneller als in jeder anderen Region der Welt. ---

Activision war 1979 einer der ersten unabhängigen Videospiel-Anbieter, gegründet von Ex-Atari-Mitarbeitern. 2008 fusionierte die Firma mit der Spielesparte des französischen Vivendi-Konzerns zu Activision Blizzard und wurde zum größten unabhängigen Anbieter der Branche. Die meisten Konkurrenten gehören zu Konzernen wie Microsoft, Sony oder Tencent. Die in Kalifornien ansässige Firma beschäftigt 9000 Mitarbeiter, hat ihren Börsenkurs seit 2012 um rund 500 Prozent gesteigert und wird derzeit mit rund 45 Milliarden Dollar bewertet.