Glossybox & Co.

Kaufen, ohne zu wissen, was man kriegt – damit verdienen diese vier Start-ups Geld.





Blookery
Blind in den Urlaub

Einmal Europa, egal in welche Stadt, Hauptsache weg – das ist das Konzept von Blookery. Gründer Jannis Dorlöchter und Kevin Kiesewetter finden günstige Städtereisen für Kunden, die nicht planen wollen. Dem Unternehmen zufolge sind das meist Paare im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Auf der Website des 2016 gegründeten Start-ups können die Kunden angeben, wohin sie in Europa möchten, welches Budget sie haben, und die Städte ausschließen, in die sie auf keinen Fall wollen. 250 Euro müssen die Kunden mindestens ausgeben, um sich von Blookery in den Urlaub schicken zu lassen. 

Das Reiseziel bestimmt dann das Kölner Team. Die Urlauber erfahren das Ziel spätestens einen Tag vor Abflug. Blind Booking heißt das Konzept, das unter anderem auch von Eurowings angeboten wird. Der Unterschied bei Blookery: Das Start-up kümmert sich nicht nur um den Flug, sondern auch um die Unterkunft vor Ort. Den Gründern zufolge läuft das Geschäft gut an. Zahlen wollen die beiden aber nicht nennen. Seit Juni 2017, so die Unternehmer, können sie und eine Mitarbeiterin von den Einnahmen leben.

Veronika Kamm und Petra Kistenpfennig haben eine klare Zielgruppe: Reiter. In ihrem Online-Shop Mio Strass Pferd verkaufen sie alles fürs – nun ja – Pferd. Seit 2013 bieten sie zusätzlich die Happy Horse Box an, die es in 20 verschiedenen Varianten gibt. Für 25 bis 90 Euro bekommen Reiter Überraschungen für sich und ihr Pferd nach Hause geliefert. Geld verdient die Firma, indem sie günstige Restposten in großer Stückzahl aufkauft, diese zu Überraschungsboxen zusammenstellt und dann teurer an die Kunden weitergibt. Der Warenwert, den die Käufer erhalten, liege aber immer über dem Preis im Einzelhandel, so Kistenpfennig. Viele Kunden würden zuschlagen, weil sie so Alltagsartikel für ihr Pferd bekämen, die im Geschäft sonst teurer wären. Wie viel Umsatz die Firma mit neun Mitarbeitern macht, wollen die Gründerinnen nicht verraten. Nur so viel: Das Geschäft wachse.

Glücklich, wer die Kunden an sich binden kann. Brandnooz ist das gelungen: mit Überraschungsboxen im Abonnement. Das war eigentlich nicht der Plan. Gestartet ist die Firma als Vermittler zwischen Unternehmen, die neue Lebensmittel testen, und Kunden, die sie probieren wollten. Weil das so vielen gefallen hat, begannen die Gründer Daniele Fontaniello und Johannes Nielsen 2012, die erste Überraschungsbox im Abo anzubieten. Darin enthalten: Snacks, Süßigkeiten und ein Bewertungsbogen, der ausgefüllt zurück an die Hersteller ging. Seither ist die Firma nach eigenen Angaben gewachsen. Es gibt sieben unterschiedliche Boxen, darunter eine für den Büroalltag, eine mit Bio-Lebensmitteln, eine für Tiefkühlkost. Eigenen Angaben zufolge verschickt Brandnooz monatlich mehr als 15 000 Pakete und setzt jährlich knapp drei Millionen Euro um. Geld verdient das Unternehmen gleich doppelt: Zum einen zahlen Firmen, um ihre neuen Produkte in die Überraschungsbox zu legen. Zum anderen zahlen die Kunden zwischen 13 und 25 Euro im Monat, um die Produktneuheiten testen zu dürfen.

Die Idee für die Glossybox kam den Gründern in den USA. Dort vertreibt eine Firma seit 2010 die Birchbox. Für zehn Dollar bekommt der Kunde monatlich fünf Kosmetikproben nach Hause geliefert. Welche das sind, bleibt bis zum Schluss eine Überraschung. Diese Idee haben Janna Schmidt-Holz und Charles von Abercron mit der Glossybox 2011 kopiert und nach Europa gebracht. Nach zu schneller Expansion in den Anfangsjahren ist die Firma einige Zeit geschrumpft. Die Gründer stiegen aus. Heute konzentriert sich das Schmink-Start-up, an dem unter anderem Rocket Internet beteiligt war, auf drei Schmink-Boxen: eine für Frauen, eine für Mädchen und eine für Männer. Sie kosten zwischen 10 und 15 Euro und werden meist von Frauen gekauft – auch die Männerbox. Sie wird dem Unternehmen zufolge gern an den Freund oder Mann verschenkt. 100 000 dieser Überraschungspakete verschicken die 150 Mitarbeiter laut Glossybox monatlich. Wie viel das Start-up damit verdient, wollen die aktuellen Geschäftsführer John Gallemore und Mark Ralea nicht sagen. Künftig gehören sie zur britischen The Hut Group, die die Berliner Firma vor Kurzem gekauft hat. ---