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Das war sehr frech von Ihnen

Die „Leichte Sprache“ richtet sich vorwiegend an Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen – vielleicht hat sie aber noch größeres Potenzial? Hier die Übersetzung eines Schreibens des Ordnungsamtes Frankfurt am Main zu einer Anhörung in einem Bußgeldverfahren.





Sehr geehrter Herr X,

ich werfe Ihnen vor, am 28.11.2015 um 23:00 Uhr in Frankfurt am Main, Kaiserstraße 76 (Kaisersack) folgende Ordnungswidrigkeit begangen zu haben:

Hallo Herr X, Sie waren am 28. November 2015 in Frankfurt.
Da haben Sie was angestellt.
Um 11 Uhr abends am Kaisersack.

Sie trugen einen schwarzen Kapuzenpullover mit der Aufschrift „ACAB“. „ACAB“ stellt allgemein bekannt eine Abkürzung für die Parole „All Cops are Bastards“ dar und dient dazu, die Polizei in der Öffentlichkeit zu verunglimpfen.

Sie hatten einen Pulli an.
Auf dem Pulli stand „ACAB“.
„ACAB“ ist eine Abkürzung für einen Spruch.
Der Spruch soll die Polizei beleidigen.

Dies stellt eine grob ungehörige Handlung dar, die geeignet ist, die Allgemeinheit zu belästigen oder zu gefährden und die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen.

Das war sehr frech von Ihnen.
Das kann Leute ärgern.
Das kann gefährlich sein.

§ 118 OWiG. (…)
Nach § 55 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (OWiG) haben Sie Gelegenheit, zu dem Vorwurf Stellung zu nehmen. Es steht Ihnen frei, zur Sache auszusagen. Sie sind aber in jedem Fall – auch wenn Sie die Ordnungswidrigkeit nicht begangen haben – verpflichtet, unrichtige oder unvollständige Angaben zu Ihrer Person im Anhörungsbogen (…) zu berichtigen oder zu vervollständigen. Die Verletzung dieser Pflicht ist nach § 111 OWiG mit einer Geldbuße bedroht. (…) Sofern Sie sich nicht zu dem Vorwurf äußern, kann ohne weitere Anhörung ein Bußgeldbescheid gegen Sie erlassen werden. Falls Sie sich äußern, werde ich aufgrund Ihrer Angaben entscheiden, ob das Verfahren eingestellt oder ohne weitere Antwort ein Bußgeldbescheid erlassen wird.

Mit freundlichen Grüßen (…)
Frau X

Damit haben Sie gegen ein Gesetz verstoßen.
Das Gesetz heißt „Gesetz über Ordnungs·widrigkeiten“.
Jetzt müssen Sie eine Strafe zahlen.
Warum haben Sie den frechen Pulli angezogen?
Das können Sie jetzt sagen.
Aber nur wenn Sie wollen.
Vielleicht ist Ihr Name in diesem Brief falsch geschrieben.
Dann müssen Sie das jetzt sagen.
Sonst müssen Sie noch mehr Geld zahlen.
Vielleicht sagen Sie nichts zu dem frechen Pulli.
Dann kriegen Sie von mir eine Rechnung.
Vielleicht sagen Sie was zu dem frechen Pulli.
Dann überlege ich mir das noch mal.
Vielleicht kriegen Sie dann trotzdem eine Rechnung.
Liebe Grüße
Frau X