Wirtschaftsgeschichte

Wenn wohlhabende Menschen US-Präsident werden, gilt es als Gepflogenheit, dass sie sich von ihrem Vermögen vorübergehend trennen. Nicht alle mochten das einsehen.





• Wohin nur mit dem Geld? Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Ame­rika wird der wohlhabendste sein, der ­dieses Amt jemals ausgeübt hat. Donald Trump kontrolliert ein Immobilien-Imperium, dazu gehören Hotels, Casinos und Golfplätze auf der ganzen Welt. Sein Franchise-Geschäft ist ein Selbstläufer, an zahlreichen Luxusbauten in mehreren Ländern prangt sein Name.

Daher drohen Interessenkonflikte. Beeinflussen seine Investitionen in Saudi-Arabien womöglich seine Haltung zu dem Königreich? Als er nach der gewonnenen Wahl gefragt wurde, was er mit seinen Unternehmen nun vorhabe, antwortete Trump: „Es ist wichtig, dass ich als Präsident in keinen Interessenkonflikt mit meinen vielen Geschäften gerate.“ Er plane, so hieß es, das Unternehmen nicht mehr zu leiten.

Dazu zwingen kann ihn keiner. Während es für viele öffentliche Posten klare Regeln gibt, mit denen Interessenkonflikte im Amt vermieden werden sollen, darf der Präsident seine Privatgeschäfte aus dem Weißen Haus heraus führen. Mit einer Einschränkung: Die Kinder eines Amts­trägers dürfen nicht seine Treuhänder sein, zumindest im Normalfall.

Es gehörte seit den Sechzigerjahren zum guten Stil, dass Präsidenten ihr Geld in einen sogenannten Blind Trust steckten, der von einer unabhängigen Person verwaltet wird. Aber nicht alle Präsidenten in der Geschichte der USA verhielten sich derart korrekt.

Viele der Amtsinhaber waren wohlhabend. George Washington, von 1789 bis 1797 im Amt und erster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, war schon reich, bevor er Staatschef wurde. Nach heutigen Maßstäben bezifferte sich sein Vermögen auf rund 500 Millionen Dollar, es bestand vor allem aus Ländereien und Sklaven. Um all das hat sich Washington auch als Präsident gekümmert.

Ebenso hielt es Thomas Jefferson, der dritte Präsident der Vereinigten Staaten. Er war von 1801 bis 1809 im Amt, sein Vermögen betrug nach heutigen Maßstäben 200 Millionen Dollar und bestand wie bei Washington vor allem aus Land und Sklaven. Und auch er behielt das letzte Wort bei allen Entscheidungen darüber.

Wohlhabende Amtsinhaber waren auch Theodore und Franklin Delano Roosevelt, die geerbt hatten. Ebenso wie John F. Kennedy, dessen Vater Joseph als Aktienhändler, Unternehmer und Filmproduzent reich geworden war. John F. Kennedy profitierte als Präsident von einem Trust, in dem zehn Millionen Dollar einbezahlt waren. Im Jahr 1962 erhielt er von dem Verwalter des Geldes ein schönes Geburtstagsgeschenk: drei Millionen Dollar.

Lyndon Baines Johnson war der 36. Präsident der USA und der erste, der sich – zumindest offiziell – von seinem Vermögen trennte. Johnson übernahm nach der Ermordung von John F. Kennedy am 22. November 1963 dessen Amt.

Der neue Präsident kam aus bescheidenen Verhältnissen, seine Eltern konnten ihm nicht einmal das College bezahlen. Aber er hatte eine reiche Frau. Mit ihr ­besaß er einen Radio- und Fernsehsender in Austin, Texas. Das Vermögen der beiden belief sich auf mehrere Millionen ­Dollar. Als Johnson in das Weiße Haus einzog, setzte er einen Treuhänder ein, der das Vermögen verwalten sollte. Doch so richtig loslassen konnte er nicht.

Zwar betonte Johnson regelmäßig, dass er keinen Einfluss darauf habe, was mit seinen Unternehmen geschehe. Tatsächlich aber wollte er die Kontrolle behalten. Regelmäßig sprach er mit dem ­texanischen Richter Anton Moursund, der zum Kreis seiner Vertrauten gehörte und den er als Treuhänder eingesetzt hatte. Auch den Manager des Senders rief er immer wieder an, um zu fragen, wie die Geschäfte liefen. Johnson ließ sogar im Weißen Haus Telefonleitungen verlegen, die nicht bei den Rezeptionisten eingingen, sondern im Wohntrakt des Präsidenten. So konnte er sich ungestört um alles kümmern.

Andere nahmen es da genauer. Bill Clinton hatte einen Treuhänder, ebenso wie George W. Bush. Barack Obama hatte keinen, aber die Familie hatte während der Amtsjahre ihr Geld vor allem auf Bankkonten sowie in Staatsanleihen und Index-Fonds angelegt. Hillary Clinton verkaufte sämtliche Firmenanteile, bevor sie in den Wahlkampf zog. Sie wollte den Verdacht von Interessenkonflikten von vornherein vermeiden. Genutzt hat ihr das nicht. ---