Leere Versprechungen

Der designierte US-Präsident Donald Trump will die heimische Kohleindustrie wiederbeleben. Die Zahlen des größten privaten Produzenten Peabody Energy zeigen indes: Er hat keine Chance.





• Peabody Energy droht die Pleite. Der größte Kohleproduzent der USA mit einer Produktion von über 160 Millionen Tonnen und einem Umsatz von 5,6 Milliarden Dollar im Jahr 2015 verlor im selben Geschäftsjahr knapp zwei Milliarden Dollar – nach einem Verlust von 787 Millionen Dollar im Vorjahr und 525 Millionen Dollar 2013. Im April 2016, kurz nach der Bekanntgabe der neuesten Zahlen, beantragte das Unternehmen Umstrukturierungsmaßnahmen nach Chapter 11 (die amerikanische Variante einer Insolvenz). Seither läuft die Sanierung auf Hochtouren, verlustreiches Geschäft wird abgestoßen oder abgeschrieben. In der Folge sank der Umsatz, der 2015 bereits um 17 Prozent zurückgegangen war, in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 noch einmal um knapp 24 Prozent.

Zwar reduzierte sich damit auch der Verlust um fast zwei Drittel, belief sich aber immer noch auf rund 532 Millionen Dollar. Er fiele deutlich geringer aus, wären da nicht Zinszahlungen in Höhe von 244 Millionen Dollar auf die hohen Schulden, die Peabody vor allem mit der teuren Übernahme der australischen Minen­gesellschaft Macarthur 2011 angehäuft hat. Paradox: Obwohl die Kreditbelastung ein Hauptproblem ist, kann das Unternehmen derzeit nur überleben, weil es noch mehr Schulden macht (1,4 Milliarden Dollar in den ersten neun Monaten des Jahres 2016), um seine defizitäre Produktion zu finanzieren. Ein Teufelskreis. Kein Wunder, dass Donald Trumps Versprechen, die Industrie zu retten, indem er Umweltauflagen zurücknimmt, bei der Peabody-Belegschaft gut ankam.

Allerdings sind es keine Umweltauflagen, die Peabody Energy das Geschäft schwer machen. Denn der von Barack Obama initiierte Clean-Power-Plan wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine landesweite CO2-Steuer gibt es in den USA nicht. Und selbst bei der Bildung von Rückstellungen für die Regeneration durch die Kohleförderung zerstörter Natur ließ die Regierung bislang Gnade vor Recht ergehen. Bei Minenbetreibern mit einer gesunden Bilanz – und dazu zählt Peabody absurderweise dank eines Sonderabschlusses, die nur ausgewählte Positionen enthält – verzichtet sie darauf. Der Konzern muss nur eine Selbstverpflichtungserklärung, Self-Bonding genannt, in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar abgeben. Eine zweifelhafte Garantie angesichts der Tatsache, dass die Firma an der Börse aktuell gerade 150 Millionen Dollar wert ist.

Die Misere von Peabody hat Gründe, an denen auch der nächste Präsident nichts zu ändern vermag. Die Nachfrage nach Kohle ist dramatisch zurückgegangen, in den vergangenen 10 Jahren in den USA von einer Milliarde auf schätzungsweise rund 680 Millionen Tonnen in 2016. Entsprechend sank der Preis von 70 Dollar im Jahr 2011 auf aktuell 40 Dollar pro Tonne. Das liegt zum einen an der schwächelnden Weltkonjunktur, aber auch an der US-Fracking-Industrie. Ihr Wachstum hat den Gaspreis seit 2008 mehr als halbiert, die Energiewirtschaft stellte sich darauf ein, und so wird heute in den USA mehr Elektrizität mithilfe von Gas als mit Kohle erzeugt. Peabody aber produziert nur Kohle. Vom Jahresumsatz werden 65 Prozent mit der Kohleproduktion in den USA erwirtschaftet, der Rest im Wesentlichen mit Minen in Australien.

Donald Trump hat Hoffnungen geweckt. Am Tag nach seiner Wahl verdoppelte sich der Preis der Peabody-Aktie nahezu, fiel allerdings mittlerweile wieder unter den Ausgangskurs. Die Inves­toren wissen offenbar auch: In der Realität bleibt dem Unternehmen wenig übrig, als sich gesundzuschrumpfen und mit seinen Gläubigern einen möglichst weitgehenden Schuldenerlass zu verhandeln – weshalb für die infrage stehenden Verbindlichkeiten in Höhe von 8,3 Milliarden Dollar, die Ende 2015 größtenteils noch zu den kurzfristigen Schulden zählten, bereits eine eigene Position geschaffen wurde: „Liabilities subject to compromise“. ---

Das Unternehmen wurde 1883 von Francis Peabody als Handelshaus gegründet, begann 1895 den Minenbetrieb und schloss 1913 den ersten Vertrag mit einem ­Elektrizitätsversorger ab. Später stieg die Zahl der Minen (heute 26), die Firma wurde übernommen, aufgespalten, zweimal an die Börse gebracht und zum größten privaten Kohleproduzenten der Welt, der rund zehn Prozent der US-Energieproduktion ausmacht. Der Konzern mit Sitz in St. Louis hat Kunden in 25 Ländern und beschäftigt 7100 Mitarbeiter.