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Eosta: Natürliches Labeling

Um Obst zu beschriften, muss man es weder bekleben noch verpacken. Wie, demonstriert ein niederländischer Großhändler.





• Michaël Wilde hält ein Päckchen Bio-Ingwer in die Höhe und schüttelt den Kopf. Zwei Wurzeln, eine Schale, drumherum Folie, darauf ein Aufkleber. Ganz schön viel Verpackung für das bisschen Bio. „Das ist schon krank, oder?“, fragt er. Eine rhetorische Frage, denn seine Antwort steht in der Halle hinter ihm. Dort fahren gerade Avocados über ein Förderband in einen mannshohen, gläsernen Kasten. Auf halbem Weg blitzt es. Beim Herausfahren fressen sich feine Glutfunken durch die pockige Haut der Avocado wie durch eine abbrennende Wunderkerze. Die Frucht dampft ein wenig, und kurz darauf ist Kenya, eco und eine Nummer auf ihrer Schale zu lesen. So kann sie verkauft werden, ganz ohne Plastik.

Wilde arbeitet bei Eosta, dem nach eigenen Angaben größten europäischen Importeur von Bioobst und -gemüse. Im Jahr 2016 hat das Unternehmen im südholländischen Waddinxveen nahe Gouda rund 19.000 Tonnen frischer Ware verpackt und nach ganz Europa verschickt. Knapp 100 Mitarbeiter erwirtschafteten einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro. Mit seiner Handelsmarke Nature & More will Eosta nun der Verpackung den Garaus machen. Wildes Job ist es, die Kunden dafür zu begeistern.

Sinnvoll wäre es: Obst und Gemüse werden in Deutschland zu 63 Prozent industriell vorverpackt verkauft. Das ergab im Jahr 2014 fast 90.000 Tonnen Verpackungsmüll. Viel zu viel und oft nicht nötig, kritisiert der Naturschutzbund Deutschland. Herkunft, Sorte, Logo, Biosiegel – viel Müll entsteht nur, um die Früchte überhaupt beschriften zu können. Damit das Etikett auf der Schale haftet, wird sie beklebt oder in Folie gewickelt. Bioware müsse von konventioneller unterscheidbar gemacht werden, sagt Michaël Wilde. Viele Supermärkte bestünden daher auf der Plastikverpackung. Mit „Natürlichem Labeling“ will Eosta das künftig vermeiden.

Ein speziell entwickelter Niedrig-Energie-Kohlendioxidlaser (kurz: ein gebündelter Lichtstrahl) brennt die gewünschten Informationen wie Text, Logo oder Nummer in die Haut oder Schale. Er erhitzt einzelne Punkte in der obersten Schicht, sodass die Farbpigmente verdampfen. Tiefer liegende Zellen werden laut Eosta nicht beschädigt. Weder Geschmack noch Haltbarkeit der Frucht sollen sich ändern, die gebrannte Schale könne ganz normal mitgegessen werden. Das biozertifizierte Verfahren kommt laut Wilde ohne schädliche Hilfs- und Kontrastmittel aus. In der EU und den USA wurde es von den Lebensmittelbehörden zugelassen.

„Wir verpacken unsere Produkte nur noch, wenn es keine andere Möglichkeit gibt“, sagt Wilde. Die Technik hat das spanische Unternehmen Laserfood gemeinsam mit der Universität Valencia entwickelt. Eosta darf das Verfahren exklusiv für Bio-Waren vermarkten.

Die Niederländer haben es ein Jahr lang getestet und verkaufen seit Dezember 2016 die ersten Laserfrüchte in schwedischen Supermärkten. Den Anfang machen Avocados und Süßkartoffeln, deren Schalen sowieso entfernt werden. Ein gelabelter Apfel, in den man direkt hineinbeißt, so die Sorge, hätte die Kunden abschrecken können. In Neuseeland ist ein ähnliches Verfahren nämlich vor einigen Jahren an solcher Skepsis gescheitert. In Schweden habe man die Kunden deshalb sehr ausführlich auf die Einführung des Labels vorbereitet. Die Reaktionen seien überwiegend positiv ausgefallen.

Doch nicht alle Sorten überstehen die Behandlung. Bananen mit ihren speziellen Reifebedingungen schließt Eosta aus, Zitrusfrüchte ebenso, weil auf deren Schalen das Label zu schnell verblassen würde. Empfindliche Sorten wie Pak Choi wiederum müssen verpackt werden, um haltbar zu sein. Auch der Handel könnte Grenzen setzen, wenn er etwa portionierte Packungen wie das dreifarbige Paprika-Set anbieten will.

Dennoch gibt es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Rolf Buschmann, Referent für technischen Umweltschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, hält das Verfahren „für eine ressourcenschonende Art der Kennzeichnung“. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren will derweil prüfen, ob und inwiefern es für die mittelständische Branche Potenzial hat.

Noch ist der Automat in Waddinxveen der einzige seiner Art. Je nach Frucht und Labelgröße kann er bis zu 7000 Stück pro Stunde markieren. Allein mit den im Jahr 2015 nach Schweden verkauften Bio-Avocados hat Eosta aber schon 725.000 Verpackungen eingespart, das entspricht 2042 Kilogramm Plastik.
Auch deutsche Supermärkte hätten bereits großes Interesse bekundet, sagt Michaël Wilde. ---