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Calliope

Eine Initiative will Schülern das Programmieren beibringen und dafür jedem Drittklässler einen Computer schenken.





• Er kann Lichtsignale geben und Töne spielen, Tore beim Tischfußball zählen oder die Feuchtigkeit von Pflanzenerde messen. Und mit etwas Geschick lässt er sich sogar zu einem Roboter erweitern: Calliope ist ein Mini-Computer, der in der Herstellung einmal weit weniger als 20 Euro kosten soll. Und Schüler der dritten Klasse sollen ihn geschenkt bekommen.

Vorbild ist der Micro Bit, ein Computer, den die öffentlich-rechtliche britische Rundfunkanstalt BBC entwickelt und an alle Fünftklässler in den Schulen des Landes verteilt hat. Das sind rund eine Million Schüler.

„In Deutschland tut sich dagegen zu wenig“, sagt Gesche Joost, Professorin an der Universität der Künste Berlin und Leiterin des Design Research Labs. Sie schloss sich mit fünf Gleichgesinnten zusammen und überlegte, den Rechner nach Deutschland zu importieren. „Wir haben dann einen Micro Bit angeschaut, ihn für Drittklässler angepasst und weitere Funktionen integriert“, sagt Joost. „Er sollte Sound haben, Bewegungs- und Beschleunigungssensoren, Spielereien sollten möglich sein.“ Nützliche Tipps bekam die Gruppe auch von einem Schuldirektor.

Mithilfe einer Startfinanzierung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie entwickelten sie ihren ersten Prototyp, der im November präsentiert wurde. Daraufhin stieg Google mit 500 000 Euro in das Projekt ein, SAP zog nach, eine Crowdfunding-Aktion brachte weitere 100 000 Euro. Viele Stiftungen und Unternehmen beteiligten sich an der Finanzierung für ausgewählte Regionen oder sponserten einzelne Klassensätze. Microsoft und Bosch wollen kontinuierlich mit Eigenleistungen helfen.

Die erste Charge soll flächendeckend im Saarland verteilt werden, andere Bundesländer sind mit einzelnen Pilotschulen dabei. Insgesamt benötigt die Initiative mehr als acht Millionen Euro jährlich, um alle rund 700 000 Drittklässler in Deutschland mit dem Rechner zu versorgen.

Genauso wichtig wie die Technik ist die Anleitung dafür. „In Großbritannien sind viele Micro Bits ungenutzt geblieben, weil Schüler und Lehrer nicht richtig darauf vorbereitet worden waren“, sagt Gesche Joost. Für die Schüler gibt es drei einfache Eingabeprogramme, mit denen sie den Calliope spielerisch programmieren können, sowie Onlinekurse und Arbeitsblätter, die zusammen mit einem Schulbuchverlag entworfen wurden.

Am Ende, so hofft Joost, werden Schüler nicht nur Apps benutzen können, sondern auch verstehen, wie sie aufgebaut und programmiert wurden. ---

Foto: Jørn Alraun

Calliope Gemeinnützige GmbH
Gesche Joost, Stephan Noller, Franka Futterlieb, Jørn Alraun, Maxim Loick, Klaus J. Buß
Kontakt: info@calliope.cc