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Kein Wunder

Mit dem sich selbst entzündenden Mobiltelefon Galaxy Note 7 erlebte Samsung Electronics 2016 einen Super-GAU – und erzielte trotzdem ein Super-Ergebnis.





• Es waren gute Zahlen, die der zur südkoreanischen Samsung-Gruppe gehörende Konzern Samsung Electronics im Januar vorlegte. Die Börsenfirma steigerte ihren Umsatz leicht auf 201,9 Billionen Südkoreanische Won (KRW) und den Gewinn deutlich auf 22,7 Billionen KRW, umgerechnet 19,6 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was aus zwei Gründen erstaunlich ist: Das Samsung-Smartphone Galaxy Note 7, erst seit August 2016 im Handel, um die Vormachtstellung des iPhone zu brechen, musste schon Mitte Oktober wieder aus dem Verkehr gezogen werden, weil es diverse Male Feuer fing. Zum Zweiten steht dem Gewinnplus von 19 Prozent bei Samsung ein Gewinnrückgang von 15 Prozent im selben Zeitraum bei Apple gegenüber – obwohl den Amerikanern im vierten Quartal Rekordverkäufe mit dem neuen iPhone 7 gelangen.

Zwar ist Apple immer noch profitabler als die südkoreanische Konkurrenz: Die Umsatzrendite des US-Konzerns (Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz) lag zuletzt bei 23 Prozent, Samsung Electronics kommt nur auf 13,3 Prozent (7,1 Billionen KRW Nettogewinn bei 53,3 Billionen KRW Umsatz im vierten Quartal 2016). Diese Kennzahl bedeutet allerdings Fluch und Segen zugleich. Denn ja, Samsung ist einerseits deutlich weniger rentabel. Aber das ist einer Strategie geschuldet, welche die Südkoreaner andererseits in die Lage versetzt, eine schwere Panne wie die Fehlkonstruktion eines Prestige-Produktes vergleichsweise unbeschadet zu überstehen.

Samsung investiert jährlich 7 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung (Research & Development, R&D), bei Apple sind es nur 4,6 Prozent, die zudem in eine schmale Produktpalette fließen (iPhone, iPad, iMac, Apple Watch). Die Koreaner entwickeln hingegen beständig neue Angebote in drei sehr unterschiedlichen Sparten: Neben dem Geschäftsfeld, das IT und Mobiltelefonie umfasst, sind das Consumer Electronics (CE) sowie Device Solutions (DS), worunter Speicherchips, Mikroprozessoren und Displays fallen. Innerhalb der Sparten sind die Angebote breit gefächert, reichen etwa von Fernsehgeräten über Drucker bis hin zur Medizintechnik in Consumer Electronics. Auch bei Smartphones gibt es eine breite Palette, und so fingen die Varianten Galaxy S7 und S7 Edge die Ausfälle beim Galaxy Note 7 teilweise auf; der Umsatz in dem Bereich lag zwar im vierten Quartal 6 Prozent unter dem Vorjahr, übertraf aber das Vorquartal immerhin um 3 Prozent.

Insgesamt spielt das Mobiltelefongeschäft für den Konzern eine immer geringere Rolle, ein weiterer Grund, warum der Konstruktionsfehler beim Galaxy Note 7 keine schwere Krise auslöste. Wichtiger wird indes die Sparte Device Solutions. Der Umsatz stieg um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, bei Speicherbausteinen lag das Wachstum sogar bei 10 Prozent. Für den Gewinn ist DS dank hoher Margen (die operative Umsatzrendite liegt bei 20 Prozent, IT & Smartphones kommen nur auf gut die Hälfte) noch wichtiger. Die Sparte erwirtschaftete mit 15,85 Billionen KRW mehr als die Hälfte des operativen Ergebnisses.

Strategisch sind die scheinbar so gebeutelten Südkoreaner besser positioniert als Apple. Die Amerikaner sind abhängiger vom Smartphone-Markt, der weltweit 2016 nur noch um gut ein Prozent wuchs. Zuletzt stammten 69 Prozent der Apple-Erlöse aus dem Geschäft (Samsung Electronics: 42 Prozent). Und das Rekordquartal Ende 2016, in dem Apple mit 78,3 Millionen Geräten erstmals mehr verkaufte als Samsung Electronics (77,5 Millionen) war in Wahrheit gar nicht so herausragend. Im Weihnachtsgeschäft erlebt das iPhone jedes Jahr einen Boom, Apples Umsatz in 2016 ging trotzdem um 7,2 Prozent zurück. Die starke Bilanz schließlich, für die der US-Konzern gepriesen wird, können die Südkoreaner auch vorweisen. Die Eigenkapitalquote liegt bei stolzen 74 Prozent, Apple kommt nur auf 40 Prozent. ---

Die Samsung-Gruppe (auf Deutsch: drei Sterne) wurde 1938 von dem Südkoreaner Lee Byung-chull als Lebensmittelhandel gegründet, entwickelte sich zum Hersteller weiter und stieg ab 1954 in neue Branchen wie das Textil- und Versicherungsgeschäft ein. Lees Erben kontrollieren bis heute die Gruppe, zu der unter anderem Werften, Bauunternehmen, Versicherer und Modefirmen gehören. Sie gilt als größter Mischkonzern der Welt. Allein Samsung Electronics beschäftigt rund 325.000 Mitarbeiter.