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Ökonomie der Elemente

Neodym (Nd)

Was im Periodensystem an Wirtschaft steckt





Die besondere Eigenschaft

Das Seltenerdmetall trägt Rosa – zumindest in der Oxidschicht, die aber leicht abblättert. Es ist leicht entzündbar und giftig, daher die Kennzeichnung als Gefahrenstoff. Rekordverdächtig ist die Anziehungskraft: Ein Neodym-Magnet hält das 1300-Fache seines Eigengewichts.

Wer braucht es?

Alle Hersteller von Haftmaterial. Die Verbindung Neodym-Eisen-Bor ist der stärkste Magnet überhaupt. Er klebt als Memohalter an Kühlschränken, wird in Textilien, Lautsprechern, Kopfhörern, Festplatten so- wie in winzige Mikromotoren eingepasst, etwa für Modellspielzeug. Größere Ausmaße erreichen die Magnete in Kernspintomografen, Gleichstrom-Maschinen, Generatoren, Elektro- und Hybridautos. In getriebelosen Windrädern sind bis zu 68 Kilogramm Neodym verbaut.

Es steckt auch in Lasergeräten für die Werkstoffbearbeitung, die Medizin oder Entfernungsmessung, etwa in der Zielerfassung von Waffensystemen. Polizeimunition wird mit Neodym-Atomen markiert. Nach einer Schießerei lässt sich dadurch klären, wer auf wen feuerte.

Wo findet man es?

Hauptsächlich in China, aber auch in Australien, den USA, Kanada, Indien oder Grönland. Ausgangsrohstoffe sind die Mineralien Monazit und Bastnäsit sowie einige Mischmetalle. Die Umweltbelastungen durch die Abtrennung des Neodyms sind enorm, neben giftigen Abfällen werden auch radioaktive Stoffe wie Thorium freigesetzt.

Wer verkauft es?

Der größte Anbieter seltener Erden weltweit ist das chinesische Staatsunternehmen China Northern Rare Earth Group in Baotou (Umsatz 2015: 915 Millionen Euro). 2015 meldete der US-Konzern Molycorb als letzter relevanter Wettbewerber in der westlichen Welt Insolvenz an. Der Aktienwert der australischen Lynas Corporation (Umsatz 2016: 137 Millionen Euro) dümpelte zuletzt bei 0,08 Cent. Lynas beutet das größte Neodym-Vorkommen außerhalb Chinas aus, die Aufbereitung findet in Malaysia mit einem japanischen Partner statt. Der Abbau dort gilt bei den derzeitigen Preisen als unrentabel. Siemens unterhält mit Lynas ein Joint-Venture für die Produktion von Dauermagneten für Windkrafträder. Geringe Mengen werden auch in Indien produziert.

Der Weltmarkt

Mehr als zwei Drittel der weltweit produzierten 20.000 Tonnen stammen aus China. Bewegt wird Neodym in 5-Kilogramm-Beuteln sowie in Plastik- oder Stahlfässern, dann in Einheiten von 25 bis 50 Kilogramm. Halbjährlich legt die chinesische Regierung Exportquoten fest und steuert so die Preise. 2011 schloss sie wegen Umweltproblemen mehr als 40 Betriebe. Das Staatsunternehmen in Baotou erhielt das Monopol für die Neodym-Gewinnung. Exportbeschränkungen und -zölle wurden angekündigt – das löste weltweit einen Kaufrausch aus. Daraufhin wurden mehr als 400 Minenprojekte gestartet.

Der Preis …

… schoss im Jahr 2011 in den Himmel, im Vergleich zum Jahr 2010 von 50 auf mehr als 325 Euro für ein Kilogramm der handelsüblichen Verbindung Neodymoxid (Reinheit 99,0 Prozent). Heute liegt der Preis wieder bei 50 Euro. Die Welthandelsorganisation hatte Exportzölle für unrechtmäßig erklärt. Auch war die Nachfrage geringer als erwartet. Von den geplanten 400 Förderprojekten wurde keines verwirklicht.

Wie geht es weiter?

Der Bedarf soll sich bis zum Jahr 2030 vervierfachen, vor allem durch die Nachfrage der Elektro- und Hybridmobilität und anderer Techniken. Grönland plant den Abbau seiner Vorkommen. Bislang gilt eine Produktion dort als unwirtschaftlich und ökologisch kaum vertretbar. ---

Ordnungszahl im Periodensystem: 60
Elementsymbol, fest (Schwarz): Nd
Relative Atommasse: 144,24