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Hottinger & Cie

Plötzlich verschwanden mehr als sieben Millionen Euro von seinem Konto. So erging es einem Unternehmer. Und das ist erst der Beginn seiner Geschichte.





• Michael Kleemann (Name von der Redaktion geändert) hat in den vergangenen Jahren einige außergewöhnliche Dinge mit seinem Geld gemacht. Er hat etwa einen Atombunker gekauft. Oder eine Skulptur des französischen Bildhauers Stéphane Cipre. Sie steht direkt am Hafen von Neuseelands Hauptstadt Wellington, ist 3,60 Meter hoch und besteht aus einer Mauer von Wörtern, gegen die zwei Rugby-Spieler anrennen. Außerdem hat Kleemann dem dreimaligen Oscar-Preisträger Giorgio Moroder rund 2,2 Millionen Euro überwiesen.

Allerdings fürchtet sich Kleemann überhaupt nicht vor einem Atomkrieg. Auch aus Rugby macht er sich nichts. Und Giorgio Moroders Musik trifft nicht seinen Geschmack. Noch bemerkenswerter ist: Kleemann weiß von den meisten Zahlungen nichts, als er im Februar 2013 davon erfährt.

Zwischen den Jahren 2009 und 2012 verschwinden von Klee- manns Konto bei der exklusiven Schweizer Privatbank Hottinger & Cie fast 7,3 Millionen Euro. Wie sich später herausstellen sollte, ist er nicht das einzige Opfer. Bei Hottinger gehen insgesamt fast 80 Millionen Euro an Kundengeldern verloren, ohne dass jemand etwas bemerkt haben will. Der mutmaßliche Täter ist auf freiem Fuß und lebt in einer Villa bei Cannes. Die Bank wird gerade von der Schweizer Finanzmarktaufsicht aufgelöst, da sie auch ob der Regressansprüche geprellter Kunden zu überschulden drohte. Der Fall zeigt, wie verblüffend einfach es offensichtlich ist, eine Bank zu überfallen, ohne Maske und Pistole.

Ein perfektes Verbrechen? Nicht ganz. Es wurden leichtsinnige Fehler gemacht. Bei gefälschten Unterschriften wurden Namen falsch geschrieben. Zahlungen gingen an Verwandte. Der schwerste Fehler aber: Die Täter haben sich mit Kleemann den Falschen ausgesucht. Er will die Verantwortlichen finden und sie vor Gericht sehen. Vor allem aber will er sein Geld zurück.

Dafür nimmt er einiges auf sich. Inzwischen hat er eine Million Euro für Rechtsanwälte und Privatagenten in der Schweiz, Italien und Frankreich ausgegeben, er kann sich das leisten, weil er noch Geld bei einer anderen Bank hat. Und er muss es sich leisten, da die zuständige Staatsanwaltschaft Genf mit der Menge des Materials überfordert zu sein scheint.

Die Privatagenten haben fast 100.000 Seiten Akten ausgewertet. Dank ihrer Arbeit gibt es in einem der spektakulärsten Fälle von Finanzkriminalität in der Schweiz nun eine Spur, die aber bislang nur ein Verdacht ist.

Alles beginnt damit, dass Kleemann zum ersten Mal in seinem Leben zu Geld kommt, zu sehr viel Geld. Im Jahr 2008 verkauft er seine Internetfirma für 80 Millionen Euro. Das Geld teilt er sich mit einem Partner, Angestellten und Investoren. Er hat nicht vor, fortan als Privatier zu leben, aber er will es etwas ruhiger haben. Nachdem er die Steuern auf seinen Anteil bezahlt hat, gründet er eine Firma, hinter der er sich versteckt. Er will nicht, dass die Leute wissen, dass er mehrfacher Millionär ist. Bei der Hottinger Bank in Genf legt er einen Teil seines Geldes an. Am 4. Juni 2009 sind es exakt 7 754 025,75 Euro.

Das Geld weg, die Chancen, es zurückzukriegen, gering. Es gibt ein Geständnis, aber keine Strafe. Ein perfektes Verbrechen? 

Das neue Leben fühlt sich gut an. Kleemann lebt weiterhin bescheiden, trägt am liebsten Turnschuhe, Jeans und T-Shirt. Er beschäftigt sich mit Verschlüsselungstechnik, aber nur als Hobby. Bei Hottinger fühlt er sich gut aufgehoben. Das liegt vor allem an seinem Berater. Der heißt Fabien Gaglio, ist Franzose, hat zuvor bei Schroders und Rothschild gearbeitet. Große Namen im Finanzgewerbe, von dem Kleemann wenig weiß.

Mit Gaglio freundet er sich an, schnell ist man beim Du, trifft sich in London, in Barcelona, in Nizza. Auch die Ehefrauen verstehen sich. Dabei entgeht Kleemann ein kleines, aber entscheidendes Detail. Er ist nicht Kunde bei Hottinger & Cie, das Institut ist nur die Depotbank. Er ist Kunde der Vermögensverwaltung Hottinger & Partners, einer Firma, an der Gaglio und sein Partner Jean-François de Clermont-Tonnerre jeweils 30 Prozent der Anteile haben. Das Unternehmen hat die gleiche Anschrift wie die Bank. E-Mails werden von den Bank-Adressen verschickt, in der Signatur steht: „Hottinger and Partners S. A.; Member of the Hottinger Group, Bankers since 1786.“ Kleemann weiß nicht, was das bedeutet.

Augen zu beim Überweisen!

Und warum sollte es ihn kümmern? Die Geschäfte laufen gut. Aus seinen 7,7 Millionen Euro werden bald 8,5 Millionen Euro, so steht es auf den Kontoauszügen. Als er erkrankt, ist Gaglio zur Stelle, besucht Kleemann bei dessen Mutter in der deutschen Provinz, um zu schauen, wie es ihm geht.

Anfang 2013 ist Gaglio plötzlich nicht zu erreichen. Das ist merkwürdig, sonst meldet er sich immer schnell zurück. Aber auf einmal reagiert er weder auf E-Mails noch auf Anrufe. Dann endlich, es ist der 1. Februar 2013, meldet sich eine Kollegin des Beraters. Sie ist nervös, druckst herum, sagt dann: Gaglio sei verschwunden. Er stecke schon seit Längerem in Schwierigkeiten.

Kleemann macht sich Sorgen, nicht um das Geld, sondern um den Freund. Er hakt nach, was los sei. Die Antwort überrascht ihn: Man werde bei Hottinger & Cie die Kontoauszüge anfordern. Die, die er bislang erhalten habe, seien gefälscht. Was er dann sieht, kann er nicht glauben. Er ist sich sicher, irgendwo muss ein Fehler sein. Anders kann er sich das nicht erklären. Sein Kontostand beträgt 457 562,88 Euro. Es fehlen fast 7,3 Millionen Euro.

Auf den echten Kontoauszügen kann er sehen, wohin sein Geld floss. Die meisten Namen sagen ihm nichts. Asia Universal Trading. Entwise LCC. Etra Trading. Welche Skulptur soll er bitte von Stéphane Cipre gekauft haben? Was sollen die Zahlungen an ein Reisebüro? An einen Autohändler? An ein Hotel? Bestimmt lässt sich die Sache leicht klären, glaubt er. Es dauert eine Weile, ehe er einen Verdacht hegt: dass er offenbar das Opfer eines besonders trickreichen Banküberfalls wurde, der mutmaßlich durch seinen Berater Fabien Gaglio ausgeführt wurde. Mit diesem Vorwurf konfrontiert, antwortet Gaglios Rechtsanwalt, sein Mandant wolle sich nicht äußern. Auch auf weitere Fragen zu dem Fall will Gaglio nicht antworten.

Noch weiß Kleemann nicht, was passiert ist. Doch er stößt bei der Lektüre der Kontoauszüge immer wieder auch auf den Namen des Weltstars Giorgio Moroder. Wie kann das sein? Moroder hat unzählige Soundtracks komponiert, darunter für „Top Gun“, „Flashdance“, „12 Uhr nachts – Midnight Express“, drei Oscars hat er für die beste Filmmusik bekommen, fünf Grammys, er arbeitete mit Donna Summer, Kylie Minogue und Britney Spears. Keiner hat von Kleemann so viel Geld bekommen wie Moroder. Zwischen September 2010 und November 2012 sind es 15 Transaktionen, insgesamt fast 2,2 Millionen Euro.

Die Beträge flossen auf Moroders Konten bei der Raiffeisenkasse in Kastelruth in Südtirol, auf sein Konto bei der City National Bank in Beverly Hills und auf sein Konto bei der Credit Suisse in Zürich. Meist war als Überweisungszweck „Darlehen“ angegeben. Er habe gedacht, es habe sich bei den Zahlungen um Investment-Erträge gehandelt, sagt Moroder, der bei dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Genf gegen Gaglio als Zeuge geladen war. Moroder gibt an, er habe Gaglio Geld anvertraut, das dieser für ihn angelegt habe. Gefragt, ob es ihn nicht irritiert habe, dass im Überweisungszweck meist „Darlehen“ gestanden habe, sagt er, er erinnere sich nicht daran.

brand eins hat Moroder Fragen zu den Transaktionen geschickt, die aber weder er noch dessen Rechtsanwalt in Genf beantwortet haben. Seine Agentin in Los Angeles teilte mit, Moroder werde die Fragen nicht beantworten.

Welche Wege Kleemanns Geld nahm, lässt sich in einzelnen Fällen anhand der Aufzeichnungen der Bank nachverfolgen. Am 10. August 2010 schickt eine Mitarbeiterin von Gaglio eine E-Mail an die Hottinger Bank und bittet um Überweisung von 300.000 Dollar an Moroder zulasten von Kleemanns Firma. In der E-Mail versichert sie, Kleemanns Unterschrift werde nachgereicht. Das geschieht auch – doch bei der Unterschrift fehlt ein Buchstabe, was offenbar niemanden stört. Ebenso wenig stört es jemanden, dass bei einer späteren Überweisung der Name plötzlich anders, nämlich korrekt geschrieben ist. Bei Hottinger versagen im Transaktionsmanagement alle Kontrollen. 

Anders ist nicht zu erklären, wie es möglich ist, dass auch Bargeld abgehoben wird. Mal sind es 9045 Euro, mal 10 050 Euro, mal 20 100 Euro. Besonders auffällig ist eine Überweisung vom 8. November 2010 an eine Firma namens Asia Universal Trading in Hongkong, mit Bankverbindung bei Barclays in London. Der Auftrag erging per Fax, von Hand ist ein Betrag von einer Million US-Dollar eingefügt. Im Auftrag von Gaglios Mitarbeiterin an die Bank heißt es, das Geld sei für den Erwerb eines Atombunkers bestimmt. Der Kaufvertrag könne leider nicht vorgelegt werden, da der Kunde gerade auf Reisen und daher nicht zu erreichen sei. Falls trotzdem jemand zweifelt, wird er beruhigt: „Nach unserem Profil und unserer Kenntnis passt diese Art von Investment zur Personalität des Kunden.“ Bei der Bank reicht dieser Satz, um die Zahlung – von immerhin einer Million US-Dollar – zu veranlassen.

Mit dieser Transaktion haben die mutmaßlichen Täter eine Spur hinterlassen. Es kann sein, so der Verdacht der Ermittler, dass es in dem Fall um mehr gehen könnte als um einfachen Betrug. Und dass mehrere Leute dahinterstecken.

Es wird nämlich nie ein Atombunker gekauft. Das Geld fließt stattdessen an eine Firma namens Saturn Trade Limited mit Sitz auf den British Virgin Islands und einem Konto in Lettland. Saturn Trade Ltd. wurde von einer Firma registriert, die bereits mehrfach gegen das Geldwäschegesetz der British Virgin Islands verstoßen hat. Aber dort bleibt die Million nicht. Sie wird über Luxemburg abermals transferiert. Und zwar an eine Firma in Mailand, die Lederartikel für Luxusmarken herstellt. Interessant ist einer der Teilhaber. Er ist ein Verwandter von: Fabien Gaglio.

Dies ist nicht die einzige familiäre Verbindung Gaglios in diesem Puzzle. Mehr als 600.000 Euro fließen von Kleemanns Konto an eine Private-Equity-Gesellschaft, die das Geld wiederum in ein Unternehmen an der Côte d’Azur investiert, das Solaranlagen herstellt. Dabei fällt auf: An der Solarfirma hält Fanny Gaglio, die Ehefrau von Fabien Gaglio, 25 Prozent der Aktien. Weitere 25 Prozent der Anteile gehören bis 2015 Marie-Laure de Clermont-Tonnerre, der Ehefrau von Jean-François de Clermont-Tonnerre, Gaglios Partner bei Hottinger. Der ist dann noch praktischerweise zusammen mit Gaglio wirtschaftlich Berechtigter der Private-Equity-Gesellschaft, über die das Geld floss. Keiner der Genannten antwortete auf Fragen zu den Transaktionen.

Offen bleibt, warum Fabien Gaglio das Geld so großzügig verteilte. Eine knappe Million US-Dollar an die Firma eines Verwandten, rund 600.000 Euro an eine Beteiligungsfirma der Ehefrau. Etwa 300.000 Euro an die Ehefrau eines ehemaligen Top-Managers von Silvio Berlusconis Firmenimperium. Warum haben sie dieses Geld bekommen? Auf Anfrage geben die Betroffenen keine Auskunft.

Einmal um die ganze Welt

Eine Antwort auf diese Frage versuchen gleich mehrere Ermittlungsbehörden zu finden. In Genf ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Gaglio, es geht um Betrug, Urkundenfälschung und Geldwäsche. In Bozen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Giorgio Moroder nach Paragraf 416 des italienischen Strafgesetzbuches in Zusammenhang mit der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Und in Rom fordern zwei Senatoren gar einen Untersuchungsausschuss, weil so viele Italiener in den Fall verwickelt sind. Einer der Senatoren ist Mario Michele Giarrusso. Er sagt: „Der Fall ist bemerkenswert, weil es den Tätern gelang, die Komplexität des internationalen Finanzsystems auszunutzen und Millionen Euro durch mehrere Länder und Banken zu transferieren. Das Geld floss auch über Konten in Italien, und es ist zu vermuten, dass einige der Beteiligten – freiwillig oder um etwas zu verdienen – ihre Konten für diese Transaktionen zur Verfügung gestellt haben und damit gegen die Geldwäschegesetze in Italien verstoßen haben.“

Es geht auch darum, mehr über ein Geschäft zu erfahren, das Fabien Gaglio neben seinem Job bei Hottinger & Partners betrieb: ein Firmenkonstrukt mit einem Unternehmen im Zentrum, das er Glendale Portfolio Inc nannte – und in dem Geld hin- und herüberwiesen wurde. Dieses Konstrukt stellte Kleemanns Privatagenten vor einige Herausforderungen. Sie brauchten lange, ehe sie festgestellt zu haben glaubten, dass zwischen 2003 und 2013 rund 250 Millionen Euro durch dieses Netzwerk geflossen waren.

Sinn und Zweck der Transaktionen sind nicht ganz klar: Es wurde Geld auf Konten von Firmen wie die Ragetti Financial Corporation eingezahlt, dann wurde es auf das Konto von Glendale bei der UBS in Zürich weitergeleitet und landete schließlich irgendwo auf der Welt bei Firmen mit ebenso nichtssagenden Namen in Belize. Auch Giorgio Moroder zahlte Geld ein und bekam welches heraus, Jean-François de Clermont-Tonnerre erhielt Geld. Die Frage, zu welchem Zweck sie mit Glendale Portfolio Geschäfte getätigt haben, beantworten sie nicht.

Doch auch ein Unternehmen wie Glendale Portfolio unterliegt den Gesetzen der Betriebswirtschaft, deren erste Regel lautet, dass man nicht mehr ausgeben soll, als man einnimmt. Das war offenbar ein Problem. Von 2008 an verschwand mehr Geld aus dem Netzwerk, als hereinkam. Mussten Hottinger-Kunden wie Kleemann dafür bezahlen? Ob dies eine Erklärung für Kleemanns Verluste ist, prüfen die Staatsanwälte in Genf und Bozen. Noch gibt es keine Anklageschrift.

Dies ist eine Geschichte der seltsamen Wendungen. Hier kommt die nächste: Als Kleemann Anfang 2013 Gaglio nicht erreichen kann, ist der nicht einfach verschwunden. Hottinger & Partners haben Anzeige gegen ihn erstattet, da Gaglio Geld veruntreut habe. Was dann passiert, ist sonderbar. Gaglio stellt sich am 23. Januar 2013 in Paris der Polizei. Bei den Beamten für Betrugsermittlungen in der Rue du Château-des-Rentiers gibt er zu, schon lange Kundengelder zu stehlen. Wo das Geld sei, fragt ihn der Polizeikommandant. Er habe es ausgegeben, antwortet Gaglio. Warum er sich in Frankreich stelle? Weil er einige Taten, etwa das Fälschen von Verträgen, dort begangen habe.

In der Schweiz beantragt die Staatsanwaltschaft Genf die Auslieferung von Gaglio, doch Frankreich lehnt ab. Etwas mehr als drei Jahre später wird er in Luxemburg in einem anderen Fall wegen Betrugs und Unterschlagung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, Fabien Gaglio hat dagegen Berufung eingelegt. Seit November 2014 ist er wieder in Südfrankreich. Mehrmals wird er zum Verhör nach Genf geladen, wo gegen ihn ermittelt wird. Er reist an und weil ihm freies Geleit zugesichert wird, kann er danach wieder nach Hause fahren.

Ohne etwas befürchten zu müssen, gesteht er in stundenlangen Befragungen erneut, dass er Geld abgezweigt habe, er gesteht, Mitarbeiter angewiesen zu haben, Unterschriften zu fälschen. Und er wiederholt noch einmal: Von der Beute sei nichts mehr übrig. Wovon er dann lebe, fragen ihn die Ermittler. Von der Unterstützung seiner Eltern, so die Antwort. Sie sind anscheinend großzügig: Gaglio wohnt in einer Kleinstadt bei Cannes in einer Villa, die er mietet. Er selbst habe kein Eigentum, gibt er an.

Geschenke für die Freundschaft

Gaglios früherer Partner de Clermont-Tonnerre arbeitet übrigens wieder. Als Vermögensverwalter mit seiner Frau. Sie haben dafür ein Firmenkonstrukt gebaut, das sich von Malta über Luxemburg nach Genf und Paris erstreckt.

Giorgio Moroder hat inzwischen in Genf Strafanzeige gegen Gaglio erstattet, weil er sich betrogen fühlt. Der 76-Jährige tourt als DJ um die Welt, im Juli gastiert er in Paris. Warum zahlt er das Geld, das ihm nicht zusteht, nicht einfach zurück, will man bei der Staatsanwaltschaft von ihm wissen. Moroder antwortet, er habe die 2,2 Millionen für Musikproduktionen, persönliche Bedürfnisse, Rechtsanwälte und andere Dinge ausgegeben.

Und Kleemann? Der war kürzlich in Neuseeland im Urlaub. Er hat da Freunde; die wollte er schon lange mal besuchen. Er ist in Wellington dann auch zu jener Skulptur gefahren, die er bezahlt hat. Sie war nicht ganz billig. An den Künstler Cipre wurden dafür rund 120.000 Euro überwiesen. Pikanterweise wurde das Werk dem neuseeländischen Rugby-Verband auch noch während der Rugby-Weltmeisterschaft 2011 in Neuseeland gestiftet. Organisiert wurde dies von einer Firma namens The Rugby Lovers LLC. Es gab eine kleine Zeremonie und Fotos für die Presse. Dabei war auch der ehemalige Kapitän der französischen Nationalmannschaft mit seiner Gruppe „Les Amoureux du Rugby“.

Auf den Fotos von dem Event ist gut zu erkennen, aus welchen Wörtern die Mauer gebaut ist, gegen die zwei Spieler anrennen: Respektlosigkeit, Disziplinlosigkeit, Egoismus, Drogen, Betrug, Rassismus, Individualismus. „Les contre valeurs de Rugby“ ist der Titel der Skulptur: Haltungen, die dem Rugby entgegenstehen. Kleemann hat sich davor von seiner Frau fotografieren lassen, als Erinnerung. Mitnehmen wollte er die Skulptur nicht. Er macht sich nicht so viel aus Kunst. Lieber hätte er sein Geld zurück. ---