Sunglass Check

Welche Sonnenbrille schützt wirklich? Für Käufer ist das schwer zu erkennen. Ein neuartiges Prüfgerät aus Münster soll nun helfen.





• Hans-Christoph Mertins ist Professor für Physikalische Technik an der Fachhochschule Münster und verfügt in seinem Labor über aufwendige Technik. Dass diese auch Alltagsprobleme löst, darauf brachten ihn seine Studenten. Sie testeten in seinem Labor den UV-Schutz ihrer Sonnenbrillen. Geht das nicht auch beim Optiker? Mertins recherchierte – und erkannte eine Marktlücke, denn: „Es gibt entweder 20.000 Euro teure Messgeräte für Prüflabore oder einfache Geräte für 500 Euro, die nur punktuell messen.“

Mit seinen Studenten baute er 2012 „den ersten einfachen Blechkasten“, in dem 20 LEDs das Brillenglas mit UV-B, UV-A, blauem und sichtbarem Licht durchleuchten. Ein Sensor misst, wie viel Strahlung von der Brille absorbiert wird.

Der Vorgang dauert zwei Minuten, dann liefert der Apparat genaue Messergebnisse und die entsprechende Schutzklasse nach EU-Norm. Ist die Brille nur für den Stadtbummel geeignet oder auch für die Sonne am Strand und den Skiurlaub?

Ein Designer der Hochschule gestaltete das Gehäuse, ein Elektrotechniker optimierte die Technik, ein Informatiker schrieb die Bediensoftware, und ein Wirtschaftsingenieur prüfte die Vermarktungschancen. Medizinische Beratung kam von einer Augenklinik. Merecs Engineering, ein ehemaliges Start-up von Münsteraner Studenten, betreute die Entwicklung und übernahm die Herstellung. Im April 2016 waren fünf Prototypen fertig.

Zum Test verlieh Mertins die Geräte an verschiedene Optiker. Rund 200 Brillen hat er selbst getestet. Elf Prozent erfüllten nicht die angegebene Schutzklasse. Nur zwei Prozent waren für Strand oder Schnee geeignet. Der Preis sagt dabei nichts über die Qualität aus. „Auch CE-Siegel bieten keine Sicherheit“, sagt Mertins, „da sie nicht kontrolliert vergeben werden.“ Zudem altern Brillen. Besonders Modelle mit geschliffenem Glas verlieren durch das Putzen nach und nach ihre UV-absorbierende Beschichtung.

„Einen Sonnenbrand spüren wir sofort“, sagt Mertins, „aber die Schädigung der Augen durch UV-Strahlen merkt man erst nach 20 Jahren.“ Hornhaut und Linse können eintrüben wie Milchglas. „Im schlimmsten Fall kommt es zur Ablösung der Hornhaut.“ Besonders die Augen von Kindern sind gefährdet. Mertins rät, mindestens zwei Brillen zu nutzen: eine starke (Klasse 4) für den Strand und eine schwächere (Klasse 2 bis 3) für die Stadt.

Mit den gesammelten Testergebnissen soll das Gerät nun weiter verbessert und dann für weniger als 10 000 Euro Optikern und Augenkliniken angeboten werden. Ein Optiker aus Steinfurt verkaufte im Testzeitraum tatsächlich deutlich mehr Sonnenbrillen. „Die Leute standen hier Schlange“, sagt der Geschäftsführer Wolfgang Guddorf. Mittlerweile hat er sein Sortiment verändert und zahlreiche modische Brillen ohne guten UV-Schutz aussortiert. ---

Sunglass Check

Eine Erfindung von Hans-Christoph Mertins, Fachbereich Physikalische Technik, University of Applied Sciences Münster, zusammen mit Merecs Engineering

Kontakt: mertins@fh-muenster.de