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Blick in die Bilanz: Inditex

Die Konkurrenz schwächelt, der spanische Textilkonzern Inditex boomt. Das hat wenig mit dem Design zu tun. Auch in der Welt der Mode gewinnt mittlerweile, wer über die beste Technik verfügt.





• Der spanische Inditex-Konzern, dem Modemarken wie Zara, Massimo Dutti, Pull & Bear, Bershka oder Stradivarius gehören, hat das Jahr 2016 glänzend abgeschlossen. Die Erlöse stiegen um 11,5 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro. Die Spanier sind schon seit einigen Jahren erfolgreich. Keiner der großen Konkurrenten kann mit ihnen mithalten, weder die globale Nummer zwei, der schwedische Anbieter Hennes & Mauritz (H&M, 22,8 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2016), dessen Umsatzwachstum nur bei rund 6 Prozent lag, noch die japanische Modekette Fast Retailing (Hauptmarke: Uniqlo), mit umgerechnet 15,5 Milliarden Euro an Erlösen drittgrößter Anbieter im globalen Modegeschäft. Deren Wachstum lag auch nur bei gut 6 Prozent, und ihr Gewinn sank um 50 Prozent, wenn auch teilweise wechselkursbedingt.

Den großen Modekonzernen geht es noch vergleichsweise gut. Kleinere Konkurrenten wie beispielsweise Esprit, Gerry Weber, zu dem auch die Marke Hallhuber gehört, oder Tom Tailor kämpfen mit stagnierenden oder sogar sinkenden Erlösen und teilweise herben Verlusten. Inditex hingegen wächst nicht nur, der Konzern ist auch sehr profitabel. Die Umsatzrendite (Gewinn vor Steuern im Verhältnis zum Umsatz) liegt stabil bei 17,5 Prozent (Vorjahr 17,6), H&M kommt nur auf 12,4 Prozent, Uniqlo auf 7,1 Prozent.

Das starke Wachstum der Spanier ist nicht allein durch neue Shops zu erklären: Die Verkaufsfläche in Quadratmetern erhöhte sich 2016 nur um 8 Prozent auf 4,4 Millionen Quadratmeter, verteilt auf 7292 Shops. Deutlich stärker wuchsen die Verkäufe auf den bestehenden Verkaufsflächen, sie legten um 10 Prozent zu. Hinter dieser Zahl verbirgt sich eines der Erfolgsgeheimnisse von Inditex: Dank der sogenannten Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) wissen die Spanier früh, welche Designs gut ankommen und reagieren schnell. An der Kleidung wird dabei ein Sender befestigt, dessen Signale von Empfängern aufgenommen werden, die beliebig stationiert werden können. So wird nicht nur der Verkauf eines Kleidungsstücks sichtbar, sondern auch, ob und wie oft es anprobiert wurde oder welchen Einfluss die Positionierung im Laden auf das Interesse der Kundschaft hat. Beim Einsatz dieser Technik sind die Spanier ihren Konkurrenten weit voraus.

Weitere Erfolgsfaktoren sind Auswahl und Logistik: Die Spanier haben ein riesiges Sortiment von bis zu 20 000 Teilen jährlich, rund dreimal so viele wie die Konkurrenz. Und sie liefern dank eines ausgetüftelten Just-in-time-Konzeptes blitzschnell nach, was gut läuft. So befinden sich 59 Prozent der Produktionsstätten in denselben Regionen wie die Verkaufsstellen. „Production in proximity“ nennen sie das Prinzip. Da der Konzern 64 Prozent seines Umsatzes in Europa erwirtschaftet, findet der überwiegende Teil der Herstellung in Spanien, Portugal, Marokko und der Türkei statt. Dadurch wird wenig gelagert, der Vorrat beläuft sich nur auf den Umsatz von 5,7 Wochen (H&M: 8,6, Fast Retailing: 7,9 Wochen). Das wiederum bedeutet geringe Lagerkosten und weniger Abschreibungen für lange gelagerte und deswegen nicht mehr aktuelle, schwer oder gar nicht verkäufliche Ware.

Die Inditex-Strategie ist kein Hexenwerk. Aber sie erfordert hohe Investitionen. Der Konzern kann sie aus seinem operativen Cashflow in Höhe von 4,1 Milliarden Euro finanzieren und trotzdem eine gute Dividende zahlen. Entsprechend entwickelt sich die Aktie, ihr Wert stieg in den vergangenen drei Jahren um 48 Prozent. Bei der Konkurrenz sieht es anders aus. H&M kann sich seine Dividende aus dem Cashflow nicht leisten, die Börsenbewertung fiel im selben Zeitraum um 30 Prozent. Fast Retailing wurde von dem Gewinneinbruch zurückgeworfen. ---

Der Ursprung von Inditex (Industria de Diseño Textil Sociedad Anónima) ist eine Schneiderei in A Coruña im Nordwesten Spaniens, die der Unternehmer Amancio Ortega 1963 gründete. 1975 eröffnete er den ersten Zara-Shop mit dem Ziel, modische Kleidung zu erschwinglichen Preisen zu verkaufen. Zum mittlerweile börsennotierten Konzern gehören heute neben Zara sieben weitere Marken mit mehr als 7000 Shops in 93 Ländern und rund 162.000 Mitarbeitern. Ortega besitzt 59 Prozent der Anteile und gilt als der reichste Mann Europas.