Bernhard Huber Nachfolge

Vor dieser Frage stand Julian Huber, der nach dem Tod seines Vaters plötzlich ein Weingut führen musste.





• In Malterdingen bei Freiburg hat Bernhard Huber eine alte Tradition neu belebt. Im Mittelalter waren Mönche aus dem Burgund dorthin gekommen und hatten am Fuße des Schwarzwalds die berühmten Reben ihrer Heimat angepflanzt. Huber verließ vor 30 Jahren die örtliche Winzergenossenschaft und gründete sein eigenes Gut, um Spätburgunder zu erzeugen, der sich mit den besten Pinot Noirs aus dem Burgund messen konnte. Mit Erfolg: Er bekam mehr Auszeichnungen, als gewöhnliche Weintrinker Gläser im Schrank haben. 2014 starb er. Seitdem leitet sein Sohn Julian das Gut. Er musste als 24-Jähriger die Verantwortung übernehmen – und sehr anspruchsvolle Kunden zufriedenstellen.

brand eins: Herr Huber, Ihr Vater galt als deutscher Burgunder-König. Sie wären vermutlich gern noch eine Weile in der Rolle des Prinzen geblieben?

Julian Huber: Das ist wahr. Kurz vor der Weinlese 2012 kam mein Vater von einer Untersuchung im Krankenhaus. Ich fragte ihn, wie es ihm gehe, und er sagte in seiner undramatischen Art: „Nicht ganz so gut.“ Er hatte gerade erfahren, dass er noch höchstens zwei Jahre zu leben hat.

Wann hat er mit Ihnen über die Zukunft des Weinguts gesprochen?

Nicht gleich. Erst im Winter, als es ruhiger wurde, haben wir mit der Planung angefangen. Und gemeinsam überlegt: Wo brennt’s? Was müssen wir ändern? Er hat sich bis zuletzt um die Zukunft des Betriebs gekümmert. Hat sich nicht zurückgezogen, sondern noch mehr Gas gegeben.

Wann waren Sie zum ersten Mal im Weinberg?

Ich bin darin aufgewachsen. Meine Eltern haben den Betrieb drei Jahre vor meiner Geburt gegründet. Da blieb wenig Zeit, sich zu Hause um die Kinder zu kümmern. Der Opa hat mich mitgenommen, ich durfte ihm den Schraubenschlüssel halten, wenn er die Drahtanlagen gerichtet hat. An die Reben hat man mich nicht gelassen, das war zu heikel.

Zur Konfirmation haben Sie einen eigenen Weinberg bekommen.

Das war der schlaue Versuch, mich zu Beginn der Pubertät in die richtige Richtung zu lenken. 1000 Quadratmeter Muskateller – das war mein Einstieg. Eine aromatische Rebsorte, der Wein hat Restzucker, sehr geeignet für den Nachwuchs. Man fängt nicht gleich mit dem komplexen Spätburgunder an.

Wann haben Sie zum ersten Mal Wein getrunken?

Meine Schwester und ich saßen als Kinder in der Probierstube unter dem Tisch und haben gemerkt, dass die Gäste in lustiger Stimmung waren. Wenn sie gegangen sind, haben wir die Reste aus den Gläsern getrunken.

Als Jugendlicher war es sicher weniger lustig. Die anderen sind ins Freibad gegangen, Sie mussten im Weinberg helfen.

Da muss in einem Familienbetrieb jeder durch. Aber mein Vater hatte eine geniale Art. Er hat gesagt: Solange es so heiß ist, gehst du zwei Stunden an den See. Anschließend setzt du dich auf den Traktor, bis es dunkel wird.

Wie haben Sie den Beruf des Winzers gelernt?

Nach dem Abitur bin ich in die Lehre gegangen – ein Jahr im Weingut Aldinger in Fellbach.

Wie bitte? Der Sohn eines badischen Spitzenwinzers geht zu den Schwaben, die Trollinger anbauen?

Ich habe sehr viel gelernt bei den Aldingers. Diese Schwaben bewahren die Tradition, sind aber sehr offen für Neues. Sie haben zum Beispiel Sauvignon Blanc im Beton-Ei ausgebaut. Das zweite Lehrjahr habe ich in Savigny-lès-Beaune im Burgund verbracht.

Wie ist man dort dem Deutschen begegnet, dessen Vater mit seinem Spätburgunder dem französischen Pinot Noir Konkurrenz macht?

Sehr offen. Ich habe die traditionelle französische Arbeitsweise kennengelernt, die auf einfache Mittel setzt. Ich war die exakte, technisch-deutsche Art im Keller gewohnt und habe mich am Anfang gefragt: Warum verwenden die den Saft so, wie er aus der Presse läuft? Haben die keine Filter? Im Laufe der Zeit habe ich verstanden: Wenn man im Wein das Terroir schmecken soll, muss man fast den Weinberg mitvergären. Mein Vater hat immer akribisch gearbeitet. In Burgund habe ich gelernt: Wenn sie das Schwefeln auf morgen verschieben, hat das nichts mit Faulheit zu tun, sondern mit Erfahrung und Intuition.

Anschließend haben Sie in Geisenheim im Rheingau Weinbau und Önologie studiert. Was hat Ihnen das gebracht?

Mein Vater hat seine Weinberge durch Ausprobieren und Erfahrung bewirtschaftet. An der Hochschule bekam ich das Hintergrundwissen um die chemischen Vorgänge vermittelt, die sich bei der Weinbereitung abspielen. Außerdem war der Austausch mit den anderen Studenten genial. Sie kamen aus anderen Anbaugebieten, man ist sich in kollegialer Offenheit begegnet und hat ein Netzwerk aufgebaut.

Wie wichtig sind Weinproben?

Sie sind ein essenzieller Bestandteil unseres Berufs. Nur durch Proben findest du eine Stilistik, die zu deinem eigenen Wein führt. In Geisenheim haben wir zusammengelegt für eine große Chardonnay-Verkostung. Sie hat mir die Augen geöffnet, wie frisch und leicht dieser Wein schmecken kann. In diese Richtung will ich mit unserem Chardonnay gehen.

Sie sagen, Ihr Spätburgunder müsse auf der Zunge tanzen. Was heißt das?

Das ist ein Spruch meines Vaters. Ihm war es wichtig, dass der Wein nicht so sättigend wirkt, dass ein zweites Glas schon zu viel wäre. Auch dieses muss noch animierend und leichtfüßig schmecken. Und der Spätburgunder ist eine Rebsorte, die viel Feingefühl erfordert und nur wenige Fehler verzeiht.

War Ihnen das Risiko bewusst, das Sie eingehen, wenn Sie dieses Spitzenweingut übernehmen? Der Prinz hätte auch krachend scheitern können.

Es gab viele Momente, in denen ich meinen Vater gern um Rat gefragt hätte. Wann ist der richtige Zeitpunkt zur Lese? Wie bekämpft man einen neuen Schädling? Auch im Umgang mit neuen Händlern war ich unsicher. Aber ich hatte großes Glück: Meine Mutter, unser Kellermeister Florian Isele und alle Mitarbeiter haben mich großartig unterstützt. Befreundete Winzer haben gesagt: Bitte melde dich, wenn irgendwas ist. Das hat mich berührt, wie gutwillig alle mit mir umgegangen sind. ---