Wie lassen sich Mädchen für Mathe begeistern?

• Zuletzt war es ein Softwarekonzern, der Alarm schlug. Zwischen dem 15. und 16. Geburtstag, so das Ergebnis einer von Microsoft in Auftrag gegebenen Umfrage (siehe auch Grafik rechts unten), verlieren Mädchen rapide das Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – den sogenannten Mint-Fächern also. Zwar geht ihr Interesse an Schule in der Pubertät generell zurück, doch bei den MINT-Fächern ist der Effekt besonders stark und nachhaltig.




Ähnliche Beobachtungen machen die an dem Schulvergleichstest PISA beteiligten Wissenschaftler: Demnach ist das Interesse an naturwissenschaftlichen Filmen, Büchern und Artikeln bei 15-jährigen Mädchen geringer als das der Jungen. Auch einen entsprechenden Beruf ziehen weniger Mädchen in Betracht. Und „sogar die leistungsstärksten Mädchen haben ein schwaches Selbstvertrauen in ihre Fähigkeit, wissenschaftliche und mathematische Probleme zu lösen, und große Sorge hinsichtlich Mathe“, heißt es im PISA-Bericht aus dem Jahr 2015.

Das Desinteresse hat weniger mit den Fähigkeiten und mehr mit Rollen zu tun, die Teenagern vorgelebt werden. Solche Stereotype sind schwer aus der Welt zu schaffen. 39 Prozent der Söhne hierzulande haben Eltern, die von ihnen eine technisch-wissenschaftliche Karriere erwarten – das Gleiche gilt nur für 14 Prozent der Töchter. Mehr als die Hälfte der Mädchen, die Microsoft befragte, dachte bei Wissenschaftlern, Programmierern und Ingenieuren zuerst an Männer.

Das Problem ist mittlerweile erkannt. Es gibt zahlreiche Initiativen, die Mädchen für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern versuchen, ob das nun Exkursionen zu „MINT-Orten“ sind, Labor-Tage, Ferien-Workshops, Uni-Schnupperkurse oder Auftritte von Forscherinnen in der Schule.

Aufwendiger und längerfristig angelegt ist der Cybermentor. Das 2005 von Firmen wie Daimler, IBM, SAP und Siemens unterstützte Projekt bringt pro Jahr 800 Schülerinnen mit Mentorinnen zusammen, die ihnen zwölf Monate lang per E-Mail und Chat von ihrer Arbeit berichten, Fragen beantworten und sie zu kleinen Experimenten anregen.

Koordiniert wird das Projekt von Heidrun Stöger, Professorin am Institut für Pädagogik der Universität Regensburg. Sie sagt: „Wir suchen nach Mentorinnen, die einerseits erfolgreich sind, andererseits aber auch nah an der Lebenwirklichkeit der Schülerinnen und nicht abschreckend. Das ist ja eine Gefahr, der sich viele, die an die Wirkung von Rollenbildern glauben, nicht so bewusst sind.“ Die 800 Mentorinnen zu finden falle leicht, sagt Stöger, weil die Frauen die Notwendigkeit sähen, Mädchen zu ermutigen. Doch um diese 800 Teilnehmerinnen zu finden, „sprechen wir jährlich 75 000 Mädchen an. Die trauen sich leider noch viel zu selten in dieses Feld hinein.“ ---