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Tun sich Jungen in der Schule schwer, weil dort männliche Vorbilder fehlen?

• Mädchen mögen sich mit den MINT-Fächern schwertun. Doch sie machen heute häufiger Abitur als Jungen und bekommen auch insgesamt bessere Noten.




Es sind die Jungen, die hinterherhinken. Sie bekommen nach der Grundschule seltener eine Gymnasialempfehlung als Mädchen, sind häufiger an Haupt- und Förderschulen vertreten – und stehen weit häufiger ohne Abschluss da. Jungen haben weniger Lust auf Schule und liegen bei der Lesekompetenz auch deshalb zurück, weil sie in ihrer Freizeit, anders als Mädchen, nicht zum Vergnügen zu Büchern greifen.

Schon vor fast einem Jahrzehnt war deshalb zu hören, die Jungen seien die Verlierer im deutschen Bildungssystem. Programme zur Leseförderung wurden aufgelegt, „Kicken und Lesen“ zum Beispiel, eine Initiative, die von den Fußballvereinen VfB Stuttgart und SC Freiburg unterstützt wird. Fachmagazine wie »Schüler. Wissen für Lehrer« produzierten dicke Sonderausgaben, die bis heute kursieren. Vor allem aber drängten Experten-Gremien wie der „Aktionsrat Bildung“ darauf, endlich mehr Männer für den Lehrerberuf zu begeistern. Der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann forderte sogar eine „Männerquote“.

Bislang ohne größeren Erfolg: Im Schuljahr 2014/15 stellten Frauen 58 Prozent der Lehrkräfte an Gymnasien, 63 Prozent an Hauptschulen, 65 Prozent an integrierten Gesamtschulen – und 89 Prozent der Lehrkräfte an den Grundschulen (siehe auch Grafik rechts). „Wir sollten den gesunden Menschenverstand und pädagogische Erfahrungen einsetzen, die uns sagen, dass in einem solch sensiblen Sektor wie Erziehung und Bildung die Impulse beider Geschlechter von größter Wichtigkeit für die Entwicklung der Kinder sind“, so Hurrelmann.

Daher gibt es mittlerweile Initiativen wie „Rent a teacherman“ in Bremen zur Vermittlung männlicher Lehramtsstudenten an Grundschulen. Oder die bundesweite Kampagne „Mehr Männer in Kitas“ (siehe brand eins 07/2017: „Wie gewinnt man Männer für Frauenberufe?“) *.

Es gibt allerdings auch Forscher wie Marcel Helbig, Professor für Bildung und soziale Ungleichheit an der Universität Erfurt, die den Ruf nach den Rollenvorbildern skeptisch sehen. Er ist der Ansicht, dass für Jungen eine angemessene Pädagogik wichtiger ist als das Geschlecht der Lehrer. Er hält auch wenig davon, Jungen und Mädchen in bestimmten Fächern wieder getrennt zu unterrichten, wie es etwa die ehemalige NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann vorschlug. Entscheidend sei die von Männern dominierte Gesellschaft, „was dazu beitragen dürfte, dass Jungen ihre spätere Karriere für selbstverständlicher halten, während sich Mädchen in der Schule stärker anstrengen“. ---

* b1.de/Sozialberufe