Ist der Abbruch des Studiums ein Problem?

• Ein Drittel der Bachelor-Studenten bricht das Studium ab. Bei solchen mit ausländischer Herkunft liegt die Quote mit 43 Prozent sogar noch deutlich höher.




Das klingt dramatischer, als es ist, denn die Studenten verlassen die Hochschule meist schon nach den ersten Semestern. Sie verlieren also kaum mehr Zeit als Altersgenossen, die sich ein Jahr lang beruflich orientieren oder sozial engagieren. Zudem stehen dem Run auf die Hochschulen – seit den Neunzigerjahren hat sich die Zahl der Studienanfänger verdoppelt – viele unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. 43 Prozent der Bachelor-Abbrecher, die 2014 befragt wurden, begannen eine Berufsausbildung. Laut dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung sind das deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren (2008: 22 Prozent).

Damit es möglichst nahtlos weitergeht, hilft zum Beispiel Switch, eine Agentur für Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher in Aachen, bei der Vermittlung in Ausbildungsverhältnisse mit verkürzten Ausbildungszeiten. Das Karriereprogramm Handwerk in Würzburg wiederum wirbt mit dem Slogan: „Vom Campus in den Chefsessel.“ Noch schöner ist die Werbung auf den Seiten des Projekts „Kursänderung ins Handwerk“ der entsprechenden Kammern in Lübeck und Flensburg: „Grübeln hat noch keinen weitergebracht #einfachmachen.“

Was zeigt: Ein Studienabbruch muss kein Beinbruch sein. ---

Studenten des Jahrgangs 2010/ 11, die das Bachelor-Studium abbrachen (in Prozent) …

… an Universitäten: 32

… an Fachhochschulen: 27

… Kunst und Kunstwissenschaft: 23 (Uni), 22 (FH)

… Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaft: 28 (Uni), 31 (FH)

… Sprach-, Sport- und Kulturwissenschaft: 30 (Uni)

… Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaft: 30 (Uni), 19 (FH)

… Ingenieurwissenschaft: 32 (Uni), 33 (FH)

… Mathematik und Naturwissenschaft: 39 (Uni), 42 (FH)

Leistungsprobleme als Hauptgrund nannten …

… 16 Prozent der Studienabbrecher aus der Sprach- und Kulturwissenschaft (Uni)

… 23 Prozent der Studienabbrecher aus der Rechtswissenschaft (Uni)

… 23 Prozent der Studienabbrecher aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaft (FH)

… 31 Prozent der Studienabbrecher aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaft (Uni)

… 33 Prozent der Studienabbrecher aus der Mathematik und Naturwissenschaft (Uni)

… 38 Prozent der Studienabbrecher aus der Ingenieurwissenschaft (Uni)

… 45 Prozent der Studienabbrecher aus der Mathematik und Naturwissenschaft (FH)

… 45 Prozent der Studienabbrecher aus der Ingenieurswissenschaft (FH)

Die Sehnsucht nach Handfestem als einen wichtigen Grund nannten …

… 74 Prozent der Abbrecher des Jahres 2014

Mangelnde Studienmotivation als einen wichtigen Grund nannten …

… 72 Prozent der Uni- und 67 Prozent der FH-Absolventen

Finanzielle oder persönliche Probleme als einen wichtigen Grund nannten …

… 35 Prozent der Uni- und 41 Prozent der FH-Abbrecher

Die Studienbedingungen als einen wichtigen Grund nannten …

… 64 Prozent der Studienabbrecher an Universitäten

… 53 Prozent der Studienabbrecher an Fachhochschulen