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Cordula Pflaum

Wer im Cockpit das Sagen hat, ist klar. Zum Beispiel: die Flugkapitänin Cordula Pflaum.





• Im Cockpit sitzt keine Frau und kein Mann. Im Cockpit sitzen CM1 und CM2. Der CM1 links, der CM2 rechts. Und auch sonst sind die Dinge klar geregelt. CM1 hat vier goldene Streifen auf der Uniformjacke, der CM2 drei. Ersterer hat das Sagen, Letzterer darf etwas sagen. Der Unterschied zwischen Mann und Frau wird im Luftverkehr durch die Hierarchie aufgelöst – und durch Regeln. Kaum ein anderer Beruf kennt so viele streng geplante Abläufe wie der des Piloten. Es ist nicht egal, wer das Fahrgestell zur Landung ausfährt. Aber es ist egal, ob eine Frau oder ein Mann den Hebel nach hinten schiebt. Wichtig ist nur, dass er oder sie weiß, was wann zu tun ist.

So weit die Theorie. In der Praxis fliegen meist Männer. Die Deutsche Lufthansa stellte erstmals 1988 Frauen als Pilotinnen ein. Der Beruf war lange eine Männerdomäne. Deshalb ist Cordula Pflaum noch immer eine Ausnahme.

Die 47-Jährige hat vier Streifen auf der Jacke. Sie ist Flugkapitänin bei der Lufthansa auf der Langstrecke. 1500 Piloten hat die Gruppe in München stationiert, 700 für die Langstrecke, davon sind drei Kapitänin.

 Der Anteil von Frauen in den Cockpits des Lufthansa-Konzerns liegt bei rund sechs Prozent. „Wir sind eine Kleingruppe“, sagt Pflaum. Und da komme es schon einmal vor, dass es stereotype Zuschreibungen gebe. Immer wieder werde sie gefragt, wer auf ihre Kinder aufpasse, wenn sie unterwegs sei. „Nie wird einem Kollegen diese Frage gestellt“, sagt Pflaum.

Doch solche Kommentare gibt es meist nur am Boden. In der Luft ist Pflaum CM1. „Mein Selbstverständnis ist, dass ich in erster Linie Pilotin bin, fertig.“ Dass sie einmal fliegen will, wusste sie schon als Elfjährige. Nach dem Abitur war sie noch zu jung für die Ausbildung, studierte zunächst Maschinenbau und Physik. Im Januar 1990 schließlich war sie die 20. Frau an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen. Inzwischen hat sie 27 Jahre Erfahrung in ihrem Beruf. Sie ist Kapitänin des Airbus 330, ihre Ziele sind San Francisco, Los Angeles, New York, Tokio, Bangkok, Mumbai. Zehn Tage im Monat hat sie frei, den Rest der Zeit ist sie unterwegs. „Wie eine Schichtarbeiterin“, sagt sie. Außerdem ist sie Ausbilderin für den neuen Airbus 350.

Morgen geht es für sie wieder los. Von München nach Vancouver, Kanada. Flug LH 476, Take-off 15.25 Uhr ab Gate H 32. Der Airbus trägt den Namen der Stadt Ludwigsburg. Zunächst fliegt die Crew Richtung Island, dann am nördlichen Polarkreis entlang über Grönland, über die Hudson Bay nach Vancouver. Planmäßige Landung vor Ort: 16.55 Uhr. Im Cockpit werden drei Piloten sitzen. Pflaum als Kapitänin, ein Senior First Officer und ein First Officer, zwei Frauen, ein Mann. Die drei werden sich im Cockpit abwechseln. Während des Cockpit-Briefings ist durch die Handbücher genau festgelegt, wer auf welchen Monitor zu schauen hat, wenn geprüft wird, ob die Route korrekt im Bordcomputer eingegeben wurde und ob die Wettervorhersagen noch zutreffen.

Auf der Nordatlantikroute ist vergleichsweise viel Verkehr. Deshalb gibt es im Cockpit einiges zu tun. Will Pflaum die Route ändern, muss sie das den Fluglotsen in Island mitteilen. „Die Entscheidung, wo ich fliege, treffe aber ich, ich bin der Kapitän“, sagt sie. Als CM1 entscheidet sie, wer fliegt und wer den Funkverkehr abwickelt. Routenänderungen werden besprochen. Das letzte Wort hat sie, aber der Co-Pilot muss seiner Meinung Gehör verschaffen – und auch hier ist in den Handbüchern klar geregelt, wie die Crew sich im Team abspricht.

Dass das zwischen Männern und Frauen funktionieren kann, war auch für die Lufthansa lange Zeit keine Selbstverständlichkeit. „Eher wird eine Frau Boxweltmeister im Schwergewicht als Kapitän bei der Deutschen Lufthansa“, sagte in den Sechzigerjahren der damalige Leiter der Verkehrsfliegerschule der Airline, Alfred Vermaaten.

Als dann um die Jahrtausendwende die ersten Frauen Kapitäninnen wurden, wusste man zunächst nicht, wie man sie nennen soll. Auch das will man nach einer durchdachten Prozedur geregelt haben. Ob das neue Wort „Kapitänin“ korrekt sei, wollte man Anfang 2000 von der Gesellschaft für deutsche Sprache wissen, behauptet der Konzern. Die Antwort sei positiv ausgefallen. Ein Gutachten dazu gibt es aber nicht. Insofern ist man heute schon weit gekommen, immerhin gibt es für Pilotinnen inzwischen auch die passende Garderobe. Als Pflaum im Januar 1990 ihre Ausbildung begann, gab es noch keine Uniformen für Frauen, nur für Männer. ---