Dein München

Ein Erfahrungsbericht aus München.





• Die bayerische Landeshauptstadt gilt als reich und schön, aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dort auch Armut und Frust gibt. Dem stemmt sich seit 2011 der gemeinnützige Verein Dein München entgegen. Er will Kindern und Jugendlichen, die in prekären Verhältnissen aufwachsen, Mut machen. Zum Beispiel mithilfe von Workshops, in denen Coaches mit den jungen Leuten über gesellschaftliche Themen diskutieren, Berufswege skizzieren und Bewerbungstipps geben. In dem Verein sind drei fest angestellte Mitarbeiter, 20 Honorarkräfte und 140 ehrenamtliche Mitarbeiter aktiv. Er kooperiert mit Sportclubs, Museen und Musikschulen und ermöglicht den Jugendlichen die kostenlose Teilnahme an Veranstaltungen.

Bildung, Kultur und Sport – auf allen drei Gebieten und über mehrere Jahre hinweg sollen die Kinder und Jugendlichen zwischen acht und achtzehn Jahren gefördert werden. Dein München finanziert sich komplett durch Spenden, die vornehmlich von in der Stadt ansässigen Unternehmen stammen. Das Budget liegt in diesem Jahr bei 320 000 Euro. 5000 junge Menschen wurden bislang unterstützt.

Einer von ihnen ist Amir, ein 17-jähriger Afghane, der eigentlich anders heißt, aber hier nicht mit richtigem Namen genannt werden will. 2015 floh er nach München, wo sein Bruder seit acht Jahren lebt und als Mediengestalter bei einem großen Unternehmen arbeitet. Amir berichtet:

„Als ich in Afghanistan lebte, hatte ich keine Träume. Zumindest keine schönen. In meinem Heimatland gibt es so viel Ungerechtigkeit, Armut, Unsicherheit und Gewalt, dass ich mir dort nie ein gutes Leben hatte vorstellen können. Die ersten Monate nach meiner Flucht waren nicht einfach. Natürlich war ich froh und dankbar, hier zu sein, aber die deutsche Sprache erwies sich als unendlich schwierig. Ich machte nur langsam Fortschritte. Außerdem bin ich im Grunde ein schüchterner Mensch. Ich fand kaum Freunde, weil ich mich nicht traute, auf Leute zuzugehen.

In meinem ersten Workshop im November 2016 erzählte unser Trainer aus seinem eigenen, nicht immer einfachen Leben und wie er es Schritt für Schritt selbst gemeistert hat. Das hat mich beeindruckt. Wir trafen uns danach meist alle zwei Wochen nach der Schule. In der Gruppe haben wir versucht herauszufinden, wo unsere Stärken und Schwächen liegen und wie wir damit besser umgehen können. Wir haben Rollenspiele gemacht, uns gegenseitig interviewt, miteinander diskutiert und die Ergebnisse gemeinsam mit unserem Mentor geordnet und zusammengefasst.

Dabei wurde mir klar, dass ich in Mathematik und Naturwissenschaften eigentlich ganz gut bin. Eingeprägt habe ich mir auch den Satz: Sei offen und ausdauernd! Das klingt so einfach, ist es aber nicht. Ich musste lernen, dass man auf andere Menschen zugehen kann, auch wenn man deren Sprache nicht perfekt spricht. Es war ein bisschen so, als würde ich aus einem Schlaf erwachen. Durch die Workshops habe ich Freundschaften geschlossen, ich fühlte mich plötzlich zugehörig, fast wie zu einer Familie. Auch in der Schule lief es besser, ich traute mir mehr zu, und meine Noten wurden besser. In Mathe habe ich heute sogar eine Zwei, das macht mich stolz.

Mein Ziel ist es, nach dem Hauptschulabschluss auf die Realschule zu wechseln und dort den Abschluss zu machen. Danach würde ich gerne Bauzeichner lernen. In dem Bereich habe ich schon zwei Praktika gemacht, das hat mir gefallen, auch weil ich ganz gut mit Computern umgehen kann. Und wer weiß, vielleicht kann ich mir eines Tages ja sogar meinen größten Traum erfüllen: Architektur studieren und ein eigenes Büro gründen. ---