Was tun gegen den Smog in Chinas Städten?

Ein Architekt will hoch hinaus – und mehr als nur Häuser bauen.





brand eins: Herr Boeri, wie wollen Sie in China für bessere Luft sorgen?

Stefano Boeri: Indem ich dazu beitrage, Alternativen zum derzeitigen Städtebau zu entwickeln. In China dehnen sich die Metropolen immer weiter aus. Sie wachsen aufeinander zu und werden zu einer einzigen riesigen Stadtlandschaft. Was das bedeutet, lässt sich besonders eindrucksvoll am Beispiel der Hauptstadt Peking studieren: Diese Megacity hat offiziell zwar eine Einwohnerzahl von etwas mehr als 20 Millionen, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Betrachtet man die Ausläufer der Stadt, leben dort mehr als 100 Millionen Menschen. Das ist die weltweit größte Megalopole, die mit ihren immensen Verkehrsproblemen und vor allem wegen ihrer gewaltigen Luftverschmutzung für ihre Bewohner unerträglich ist. Erschwerend kommt hinzu, dass jedes Jahr 14 Millionen Chinesen den ländlichen Raum verlassen und in die Städte ziehen.

Und was genau können Sie dagegen tun?

Ich versuche dafür zu sorgen, dass die Städte sich nicht immer weiter ausdehnen. Um das zu bewerkstelligen, ist es entscheidend, die Stadt innerhalb der bestehenden Grenzen weiterzuentwickeln. Sie darf in der Fläche nicht wachsen. Sie muss vielmehr verdichtet werden, sonst werden die umliegenden Grünflächen immer weiter zersiedelt, die wichtig für die natürliche Luftreinhaltung sind. Zusätzlich können Gebäude selbst die Luftqualität verbessern.

Inwiefern?

Die beiden Hochhäuser in Nanjing, die wir bis Ende 2018 in Peking fertigstellen werden, verbinden beide Ansätze – Verdichtung und Luftreinhaltung – und zeigen, was man städtebaulich gegen Luftverschmutzung tun kann. Das eine Gebäude wird 200, das andere 108 Meter hoch sein, sie werden mit 1100 Bäumen und 2500 Sträucher bepflanzt sein. Eine Art vertikaler Wald. Er wird nicht nur Feinstaub binden, sondern pro Jahr auch 25 Tonnen CO2 absorbieren sowie pro Tag 60 Kilogramm Sauerstoff produzieren.

Das dürfte sich für die Menschen kaum bemerkbar machen.

Wenn die Hochhäuser mit weiteren solcher Bauten verbunden würden, könnten die Effekte beachtlich sein. Zudem sorgen die Pflanzen im Sommer für Schatten und wirken sich positiv auf den Energieverbrauch aus, da Klimaanlagen überflüssig werden.

Ein paar bepflanzte Hochhäuser dürften dennoch wenig bringen.

Sie sind ja erst der Anfang. Wir werden in China weitere Bauvorhaben realisieren. Wir arbeiten an drei „Waldstadt“-Projekten, etwa in Liuzhou und Shijiazhuang, zwei der am meisten industrialisierten und verschmutzten Regionen Chinas. Wir werden dort in viel größerem Umfang für bessere Luft sorgen können: Es werden ganze Städte mit viel Grün für bis zu 150 000 Menschen entstehen. In Shijiazhuang etwa werden allein die bepflanzten Gebäude 1750 Kilogramm CO2 pro Jahr aufnehmen. Die Parks kommen dann noch dazu. ---

Stefano Boeri ist ein italienischer Architekt, Politiker und Autor. Er plante gemeinsam mit seinen Kollegen Giandrea Barreca und Giovanni La Varra die im Jahr 2014 in Mailand fertigestellten begrünten Zwillingstürme „Bosco Verticale“.