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Können Muschelfarmen das Meer säubern?

Ein Kieler Meeresbiologe macht es vor.





• Viele Küstengewässer der Ostsee sind in einem schlechten Zustand. Dünger aus der Landwirtschaft verursacht regelmäßige Planktonblüten, geringe Wassertransparenz und als Folge Sauerstoffmangel.

Eine Lösung könnten Muschelfarmen sein. Bis vor etwa 120 Jahren hatte die Miesmuschelzucht in der Kieler Förde Tradition, bevor sie in Vergessenheit geriet. Muscheln nehmen feste Nährstoffe aus dem Wasser auf – eine einzige Miesmuschel kann bis zu zwei Liter Wasser pro Stunde filtern. „Das sieht man richtig. Über Muschelbänken ist das Wasser viel klarer“, sagt Tim Staufenberger. Er ist der Betreiber einer Meeresfarm in der Kieler Förde. Das Projekt wurde von der Universität in Kiel angestoßen und vom Bund gefördert. Staufenberger war erst angestellter Muschelkultur-Manager, bevor er 2014 die Anlage übernahm.

Das Besondere: Er kombiniert die Muschel- mit der Algenzucht. Große Braunalgen nehmen flüssige Nährstoffe aus dem Wasser auf und säubern es dadurch. Sie verbrauchen dabei Kohlendioxid und geben Sauerstoff ab. Die Muscheln wiederum nehmen den Sauerstoff auf und geben Kohlendioxid ab. So fördern beide gegenseitig ihr Wachstum.

Die Anlage ist 75 mal 100 Meter groß. An Bojen hängen Seile, sogenannte Kollektorbänder, an denen die Pflanzen und Tiere anhaften und wachsen. Fünf bis acht Tonnen Muscheln erntet Staufenberger pro Jahr.Er verkauft sie für elf Euro pro Kilo.

Anders als bei den großen Muschelfarmen in der Nordsee oder im Atlantik kommen die Tiere nicht mit dem Meeresboden in Berührung, müssen daher nicht mit industriellem Gerät geerntet und aufwendig gereinigt werden, sind schneller im Verkauf und können lückenlos kontrolliert werden. Sie sind daher das erste EU-ökozertifizierte Bio-Produkt aus sogenannter ökologischer Marikultur in Deutschland.

Vom Verkauf allein kann Staufenberger wegen der geringen Größe der Anlage nicht leben. Sein zweites Standbein ist die Forschung. Algen sind für die Kosmetikindustrie interessant. An der Wasseroberfläche sind sie intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt, verbrennen aber nicht und könnten so etwa bei der Entwicklung neuer Sonnenschutzmittel helfen.

Außerdem lässt die EU in einem Projekt gerade prüfen, ob man Muschelproteine als Fischfutter einsetzen könnte. Dann wären Muschelfarmen ideal in Kombination mit Fischfarmen, die mit ihrem hohen Futtereinsatz und den Ausscheidungen der Fische die Flüsse verschmutzen. Muscheln und Algen könnten das Wasser säubern und gleichzeitig Nahrungsgrundlage für die Fische sein. Das wäre dann eine maritime Kreislaufwirtschaft. ---

Kieler Meeresfarm Tim Staufenberger Kontakt: info@Kieler-Meeresfarm.de