Was wurde aus …

… der Raiffeisenbank Gammesfeld,

die inzwischen durch Dokumentarfilme und Presseberichte als „kleinste Bank Deutschlands“ berühmt geworden ist und noch ein Geheimtipp war, als unser damaliger Autor Christian Litz sie für die Erstausgabe entdeckte. 41 Jahre lang war Fritz Vogt (heute 86) in Personalunion Direktor, Sekretär und Buchhalter der Ein-Mann-Genossenschaftsbank, die seit 1890 existiert und sich bis heute ihrer „überschaubaren Produktpalette“ rühmt: Sparbuch, Darlehen, Girokonto – mehr nicht. Auch Festgeldanlagen werden nicht angeboten. Die 332 Mitglieder können jederzeit an ihr überdurchschnittlich verzinstes Geld. Kunde darf jedoch nur werden, wer in der fränkischen 500-Seelen-Gemeinde Gammesfeld wohnt. Bis zu seiner Pensionierung 2008 arbeitete Vogt in seiner „Bank ohne Computer“ mit mechanischen Rechenmaschinen aus den Sechzigerjahren. Peter Breiter wurde sein Nachfolger.





Was haben Sie (damals) erwartet?

Ich war Kunde der Bank. Immer wenn ich Geld abheben wollte, hat Fritz zu mir gesagt: „Peter, du wirst mein Nachfolger. Du bist der Einzige, bei dem die Bank eine Zukunft hat.“ Ich habe das nie geglaubt, und doch ist es so gekommen. Mein Anspruch war damals, so wenig wie möglich zu ändern. Zwar haben wir mittlerweile Computer angeschafft, aber nur weil die Rechenmaschinen so alt waren, dass sie kurz davor standen, über Nacht kaputtzugehen. Nach wie vor liefere ich jeden Kontoauszug manuell aus: Ich tippe auf dem Computer, drucke es aus und gebe es dem Kunden mit. An die Raiffeisen-Rechenzentrale oder das Internet sind wir nicht angeschlossen. Die technische Umstellung wäre viel zu teuer, und das wollen wir unseren Kunden nicht zumuten.

Was war das Überraschendste, das Ihnen (bis heute) passiert ist?

Vor einiger Zeit mussten wir unseren EC-Karten-Service einstellen. Das System bekam kein Update mehr, unsere Bank war die letzte, die es noch verwendet hat. So etwas belastet uns natürlich schon, weil vor allem junge Kunden unbedingt eine EC-Karte zu ihrem Konto wollen. Jetzt können sie nur noch am Schalter während der Öffnungszeiten Geld abheben. Einige Kunden haben daher leider die Bank gewechselt.

Was soll noch kommen?

Wir stehen gut da. Ob wir eine Zukunft haben, entscheiden ja letztlich die Kunden. Wie es aussieht, wollen sie uns weiterhin. Und daher machen wir weiter, auch wenn wir wegen der Bankenregulierung viel mehr Formulare ausfüllen müssen als früher. Das kostet Zeit, die für den Kontakt mit den Kunden fehlt. Noch lässt sich kaum abschätzen, wie schwer uns Regulierungsvorhaben der EZB treffen werden. Wir werden uns jedenfalls nicht zugrunde regulieren lassen und weiterkämpfen. Ich bin jetzt 46 Jahre alt und denke nicht ans Aufhören. ---