Was wurde aus …

Was wurde aus dem Aufbruch Ost?

Vor 18 Jahren haben wir vier Großprojekte in Ostdeutschland vorgestellt, die von der Wende profitieren sollten. Nun kehren wir zurück und fragen: Was ist aus den Baustellen der Hoffnung geworden?





CargoLifter

Der Frachtzeppelin Cargolifter war eine der kühnsten Geschäftsideen des Mauerfall-Jahrzehnts. Er sollte Güter schneller als das Schiff und billiger als das Flugzeug transportieren. Allein die Werkshalle war ein Superlativ: 14.000 Tonnen Stahl, 360 Meter lang, 210 breit und 107 hoch. Doch schon vier Jahre nach dem Kauf des Geländes ging den Betreibern das Geld aus. Im Jahr 2003 übernahm ein malayisches Konsortium die Halle und eröffnete darin das Spaßbad Tropical Island.

Heiligendamm

Schon 1793 pries Großherzog Friedrich Franz I. die Vorzüge des Ostseebads Heiligendamm. Man baute Badehäuser sowie die erste Galopprennbahn des Kontinents, und der europäische Hochadel gab sich die Umkleidekabinenklinke in die Hand. Zu DDR-Zeiten wurde das Anwesen zum Kinderferienlager, nach der Wende wollte man es für eine Milliarde D-Mark schick sanieren. Zwar kam dieses Vorhaben ins Stocken, doch in der Turmsuite des Grandhotels lässt es sich für tausend Euro die Nacht schon leidlich aushalten.

Dussmann

Badischer Geschäftsmann baut in Ostberlin ein Handelshaus. Das wäre an sich keine Meldung wert. Dass seit nunmehr 20 Jahren im Kulturkaufhaus Dussmann nichts als Bücher, Noten und CDs verkauft werden – und damit jährlich rund 35 Millionen Euro umgesetzt – schon eher. Obwohl der Chef im September 2013 verstorben ist, wird sein persönlicher Feldzug gegen den gesetzlichen Ladenschluss weitergeführt (Mitarbeiter wurden zu leitenden Angestellten befördert, um länger verkaufen zu können).

Potsdamer Platz

Der Potsdamer Platz ist keine Baustelle mehr, das muss man ihm zugutehalten. Und darin erschöpft sich das Lob auch schon größtenteils. Zwar haben sich auf Europas ehemals größter innerstädtischer Baustelle (sechs Millionen Tonnen Erdreich wurden verschoben) zahlreiche Stararchitekten verewigt, doch Leben ist dort nicht eingezogen. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts galt er als der belebteste und verkehrsreichste Platz Europas. Der Plan, daran nach der Wende anzuknüpfen und ein neues Zentrum zu errichten, ging nicht auf.